Ein aktuelles Beispiel ist der Fall von Popcorn Time. Das "illegale Netflix", wie es auch genannt wird, streamt aktuelle Filme und Serien. Was viele Nutzer nicht wissen, ist, dass dies über BitTorrent geschieht und sie anders als etwa auf Plattformen wie kinox.to immer auch Dateien hochladen. In diesen Tagen verzeichnen die deutschen Anwälte eine besonders hohe Anzahl an Abmahnungen für die Nutzer von Popcorn Time

Auch die Macher von The Pirate Cinema machen sich strafbar, schließlich laden sie die Dateien auf die eigenen Rechner, um sie anschließend streamen zu können. Deshalb verschleiern sie den Standort ihrer Server. "Wir sehen das Projekt auch ein bisschen als Spiel mit dem Gesetz", sagte Maigret im Gespräch mit dem Kunstmagazin We Make Money, Not Art.

Torrents als Mash-up-Kunst

Die Künstler möchten aber nicht nur die Funktionsweise von Filesharing-Netzwerken veranschaulichen. Der künstlerische Anspruch darf nicht fehlen. Nicolas Maigret sieht das Projekt in der Tradition des Mash-ups: Der stetige Stream ist das Ergebnis, die einzelnen Fragmente die Bauteile. Zwar wählt The Pirate Cinema die gestreamten Videos zufällig aus, es sei allerdings mit dem Skript auch möglich, für einzelne Vorführungen bestimmte Torrents auszusuchen und somit thematische Schwerpunkte zu setzen.

"Wer sich eine Weile den Stream anschaut, kann die Ähnlichkeiten der Inhalte erkennen", sagt Maigret. Hollywood-Blockbuster und erfolgreiche TV-Serien nutzen häufig die gleichen Kriterien was die Kameraeinstellungen, die Charaktere und auch Dialoge angeht. The Pirate Cinema, das jeweils nur einzelne Frames anzeigt, mache dies durch die Anreihung deutlich.

Hinter der Avantgarde steckt also auch ein wenig Filmkritik. Und der Beweis, dass das Kino des 21. Jahrhunderts nicht mehr nur auf einzelnen Leinwänden, sondern für viele Menschen in vielen kleinen Datenpaketen stattfindet.