Logo der Wikipedia. Zum 14. Geburtstag sinkt die Zahl der Autoren weiter © Boris Roessler / DPA

Vordergründig geht es der Wikipedia zu ihrem 14. Geburtstag ausgezeichnet. Ende Dezember hat die Wikimedia Foundation mit 55 Millionen US-Dollar die erfolgreichste Spendenkampagne ihrer Geschichte abgeschlossen. Dazu kamen noch mal 8,4 Millionen Euro aus Deutschland. Die Wikipedia ist mit 33 Millionen Artikeln in 280 Sprachen nicht nur die größte Enzyklopädie der Menschheitsgeschichte, sondern auch die meistgelesene: 20 Milliarden Mal pro Monat werden weltweit Wikipedia-Inhalte abgerufen. Als Jimmy Wales und Larry Sanger das Projekt am 15. Januar 2001 online stellten, war nicht zu erwarten, dass sie tatsächlich ihre Vision erfüllen würden.

Doch die Online-Enzyklopädie könnte ihren Höhepunkt nun überschritten haben. "In den letzten Jahren konnten wir mit Sicherheit sagen, das wir eine halbe Milliarde Leser pro Monat haben", schreibt Phoebe Ayers, Mitglied des Stiftungsrates der Wikimedia Foundation. Das ist nun jedoch vorbei. Aktuelle Auswertungen zeigen, dass die Nutzerzahlen erstmals sinken. "Für ein Projekt dessen Mission es ist, jede einzelne Person in ihrer eigenen Sprache zu erreichen und das die inhaltliche und finanzielle Unterstützung der Leserschaft benötigt, ist das eine Krise", sagt Ayers. Nach über zehn Jahren stetigen Wachstums und hochgesteckten Zielen muss die Wikipedia-Bewegung nun umdenken.

Die Entwicklung kommt nicht völlig unerwartet. Gemessen an heutigen Standards sieht die Wikipedia altbacken und unkomfortabel aus. Google und Co werten Wikipedia-Artikel systematisch aus und präsentieren das freie Wissen auf ihren eigenen Portalen.

Die Hoffnung ist mobil

Nur ein Wert weist noch Zuwachs auf: Die Anzahl der mobilen Zugriffe auf die Online-Enzyklopädie wuchs im vergangene Jahr um 67 Prozent auf 6,9 Milliarden. Für die Wikimedia Foundation sind diese Zugriffe besonders wichtig. Denn das erklärte Ziel der Wikipedia-Gründer war seit Beginn, Menschen in weniger entwickelten Gebieten vom Weltwissen profitieren zu lassen. Und in diesen Ländern ist das Handy das Kommunikationsmittel Nummer eins. Deshalb hat die US-Stiftung nicht nur massiv an einer mobilen Wikipedia-Seite gearbeitet. Sie ist zudem Partnerschaften mit Mobilfunkprovidern eingegangen, um den kostenlosen Zugang zu Wikipedia zu ermöglichen.

Mittlerweile bieten Provider in mehr als 50 Ländern das Projekt Wikipedia Zero an, das den Zugriff auf die Inhalte ohne Datenübertragungskosten ermöglicht. Für die Provider ist das ein gutes Geschäft: Sie wollen die Kunden an die Nutzung des mobilen Webs gewöhnen, um mehr Umsätze zu generieren – aus gleichen Gründen bieten Google und Facebook ähnliche Kostenlos-Zugänge an. Ob sich das Projekt für Wikipedia lohnt, muss sich erst noch zeigen. So rechnete die Wikimedia Foundation bereits im ersten Jahr mit 200 Millionen Seitenabrufen für Wikipedia Zero – und schaffte 12,5 Millionen. Vor einem halben Jahr waren es 35 Millionen, für Sommer 2015 sind 100 Millionen anvisiert. Bleibt Wikipedia Zero darunter, steht das Projekt infrage.

Kritik von Netzaktivisten

Auf der einen Seite ist Wikipedia Zero ein ideales Vorzeige-Projekt für Wikipedia. So veröffentlichte die Stiftung das Video einer südafrikanischen Schulklasse, die für Wikipedia Zero wirbt und mit deren Hilfe schließlich auch ein Kooperationspartner gefunden wurde.

Auf der anderen Seite kostet es der Wikimedia Foundation Glaubwürdigkeit unter Netzaktivisten. Für die ist das exklusive Kostenlos-Netz nämlich nichts anderes als eine Bevorzugung der Wikipedia und somit ein Verstoß gegen die Netzneutralität. "Langfristig werden solche Angebote der Innovation und dem Wettbewerb schaden und ironischerweise damit den Zugriff auf Informationen und Wissen reduzieren", schreibt Raegan MacDonald von der Organisation AccessNow. Damit schade Wikimedia ihrem erklärten Ziel jedem Menschen Zugang zum "Weltwissen" zu verschaffen. Dass Wikimedia gar gegen strenge Netzneutralitätsregeln in Chile lobbyiert hat, nehmen Aktivisten der Stiftung besonders übel.