Die Stiftung Warentest hat den Verkauf der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift Test vorübergehend gestoppt. Die Stiftung hatte mehrere deutsche E-Mail-Anbieter auf Sicherheitsmaßnahmen getestet. Der Bericht darüber enthält aber zahlreiche sachliche Fehler.

Nach Beschwerden von Posteo und anderen für das Heft getesteten Anbietern, darunter mail.de, stoppte der Verlag bereits am 30. Januar den Verkauf zumindest eines Teils der Auflage. Mittlerweile hat sie auf ihrer Website und in ihrer App eine korrigierte Fassung des Artikels veröffentlicht. Wer jetzt das Heft vom Februar kaufe oder bestelle, bekomme diese neue Fassung beigelegt, teilte eine Sprecherin mit. In der nächsten Ausgabe erscheine zudem die korrigierte Version.

Den betroffenen Unternehmen ist das nicht genug. Der Berliner E-Mail-Anbieter Posteo beklagt, dass die rund 400.000 Test-Abonnenten, die das Heft geliefert bekommen haben, nicht gesondert auf die Falschdarstellungen hingewiesen würden. Zudem enthalte auch die korrigierte Fassung zumindest missverständliche Passagen. Mail.de teilt mit: "Unserer Meinung nach hätten Veränderungen an den Testurteilen stattfinden oder gar ein neuer Test veranlasst werden müssen."

Nach der gerichtlichen Niederlage gegen den Schokoladen-Hersteller Ritter wegen einer Falschdarstellung ist das die zweite große Panne für die Stiftung Warentest innerhalb weniger Monate.

Ein Testsieger wurde unterschlagen

Die Fehler in dem jetzt zurückgezogenen Artikel betreffen unter anderem Angaben zur Verschlüsselung, zur Zwei-Faktor-Authentifizierung und zu Datenschutzkonzepten. Letztlich musste die Stiftung Warentest sogar die Überschrift ändern. So heißt es in der ursprünglichen Fassung des Textes: "Mit einer Ausnahme speichert jeder der geprüften E-Mail-Dienste Nachrichten seiner Kunden im Klartext. (...) Nur Mailbox.org schützt die Kunden und speichert deren E-Mails verschlüsselt." Dementsprechend lautete die Überschrift zunächst "Nur einer liest nicht mit". 

Weil aber die Aussage zur Verschlüsselung schlicht nicht zutrifft, steht in der korrigierten Fassung nun: "Jeder E-Mail-Dienst speichert die Nach­richten seiner Kunden im Klar­text. (...) Als erster Dienst bietet Mailbox.org an, Nach­richten verschlüsselt zu speichern. Einge­hende Nach­richten werden verschlüsselt abge­legt, sobald ein Kunde seinen öffent­lichen PGP-Schlüssel beim Mail­Dienst hinterlegt." Die neue Überschrift lautet "Mail-Dienste sehen alles".

Besonders ärgerlich für Posteo war neben mehreren Falschaussagen zur verwendeten Technik und zum angeblich fehlenden Datenschutzkonzept der Firma auch der Artikelanriss unter der Überschrift. Dort ist im Original nämlich nur von einem einzigen Testsieger die Rede, gemeint ist Mailbox.org. Tatsächlich liegt Posteo in der Gesamtwertung aber gleichauf, in der korrigierten Fassung werden nun ausdrücklich beide als Testsieger genannt. Für einen jungen Anbieter wie Posteo (gegründet 2009), der gegen Konkurrenten mit Millionen Kunden antritt, ist so etwas wichtig, weil das Siegel "Testsieger" immer noch gerne für Werbezwecke genutzt wird.

Besonders peinlich für die Stiftung Warentest sind einige offensichtliche Fehler. Dazu gehört die Aussage, Apple habe laut seinen Transparenzberichten noch nie Kundendaten herausgegeben. Ein Blick in die veröffentlichten Berichte zeigt, dass dem keineswegs so ist.

Für Posteo und Mailbox.org bedeuten solche Patzer, dass sie sich jetzt Testsieger nennen dürfen, aber an der Kompetenz der Tester beziehungsweise deren Redaktion zweifeln müssen. Eine Posteo-Sprecherin sagt: "Ehrlich gesagt werben wir im Moment nicht mit dem Testsieg, weil uns das peinlich wäre."

Update 12.2.: In der ursprünglichen Überschrift dieses Artikels hieß es, die Stiftung Warentest ziehe das aktuelle Heft zurück. Das war falsch ausgedrückt, weil ausgelieferte Hefte nicht zurückgeholt wurden. Richtig ist, dass der Direktvertrieb vorübergehend eingestellt wurde.