Deutschland schneidet auf einer neuen Internet-Rangliste der EU nur mittelmäßig ab. "Deutschland gehört zu der Gruppe von Ländern mit mittlerer Leistungsfähigkeit, in der seine Ergebnisse weitgehend dem Durchschnitt entsprechen", heißt es in dem Index, den EU-Digitalkommissar Günther Oettinger in Brüssel vorstellte. Die Bundesrepublik kommt bei der Untersuchung auf den zehnten Platz unter den 28 Ländern, Spitzenreiter ist Dänemark vor Schweden und den Niederlanden, Schlusslichter sind Bulgarien und Rumänien.

Der Index, der im Netz nach Ländern sortiert abrufbar ist, setzt sich aus 30 Indikatoren zusammen, die "die digitale Leistungsfähigkeit" der Länder angeben sollen. Es geht um die Verfügbarkeit schneller und bezahlbarer Breitbandverbindungen (Konnektivität), um die Nutzung von Onlineangeboten wie Zeitungen und Einkaufen im Netz, um die Internetkompetenzen der Nutzer, den Stand der Digitaltechnik beispielsweise im elektronischen Geschäftsverkehr sowie die digitalen Dienste der Behörden. Die Daten stammen vor allem aus den Jahren 2013 und 2014.

Besonders beim Thema elektronischer Geschäftsverkehr und digitale Dienste schneidet Deutschland schlecht ab. Die Bundesrepublik landet in diesem Bereich nur auf Platz 18 der Länder-Liste. Auch bei der Nutzung des Internets für Kommunikation zwischen den Menschen liegt Deutschland unter dem Durchschnitt. Nur 28 Prozent der deutschen Internetnutzer zwischen 16 und 74 Jahren verwenden das Internet für Videoanrufe. Im EU-Durchschnitt sind es 37 Prozent. Onlinenetzwerke nutzen fast die Hälfte der deutschen Internetanwender, im EU-weiten Schnitt sind es 58 Prozent.

Verbesserungsbedarf sieht der Report auch bei Unternehmen: Sie könnten die Möglichkeiten etwa durch soziale Medien und Speicherdienste wie der Cloud besser nutzen, heißt es. Nach wie vor sind die Vorbehalte beim Thema Cloud Computing noch groß, besonders wenn es um Fragen des Datenschutzes geht. 

Hohe Digitale Kompetenz

Besonders gut schneidet Deutschland im Vergleich in anderen Bereichen ab: 70 Prozent der Bürger lesen online Nachrichten, etwas mehr als im EU-Durchschnitt. Größer ist der Abstand beim Onlineshopping. 80 Prozent der Nutzer in Deutschland kaufen im Internet ein, 63 Prozent sind es im europäischen Schnitt. Auch in Bezug auf ihre digitalen Kompetenzen weisen die Deutschen überdurchschnittlich gute Ergebnisse auf.   

Oettinger warnte bei der Vorstellung des Berichts, Europa drohe im weltweiten Vergleich den Anschluss zu verlieren. "Wir sollten den Wettlauf annehmen, nicht gegen, sondern mit den Amerikanern, den Südkoreanern, den Chinesen, den Indern und vielen anderen", sagte er.