Mit einigem Pomp hat Rocket Internet die Wohnungsvermittlung Nestpick in Deutschland gestartet. Doch die eigentliche Dienstleistung bleibt der Anbieter bisher schuldig: Statt verifizierter Wohnungen gibt es zunächst vor allem retuschierte Fotos.

"Nestpick ist ein Service für eine neue Generation, der den notwendigen Wandel in den kaputten Markt für Mietwohnungen bringt" – so kündigt Rocket Internet sein neues Angebot für den deutschen Markt an. Den kaputten Wohnungsmarkt in Deutschland will das Start-up freilich nicht reparieren, vielmehr konzentriert man sich darauf, monatsweise Zimmer in europäischen Metropolen an zahlungskräftige Kunden zu vermitteln.

In der Presse wird das Angebot häufig als Airbnb-Konkurrent bezeichnet – obwohl sich die US-Plattform eigentlich auf Ferienwohnungen spezialisiert hat. Rein optisch wie auch in Sachen Expansionsdrang aber ähnelt Nestpick dem amerikanischen Marktführer durchaus: Erst im Mai 2014 wurde das Unternehmen als Zimmervermittlung für Studenten in den Niederlanden gegründet, nun ist es bereits in sechs Ländern aktiv. Möglichst schnell eine möglichst große Marktabdeckung zu erreichen, gehört zum Erfolgskonzept der Samwer-Brüder und Rocket Internet.

Retuschierte Fotos

Mal eben eine Wohnung im Ausland buchen, das ist auf Nestpick bequem, aber teuer: 50 Prozent der ersten Monatsmiete will Nestpick als Vermittlungsgebühr. Bucht man nur einen Monat, sind nur 25 Prozent fällig. Dafür verspricht das Unternehmen Sicherheit und eine bequeme Abwicklung. Nur verifizierte Wohnungen sollen sich im Angebot finden – so wirbt das Unternehmen gleich mehrfach auf seiner Startseite. Mithilfe eines Fotografennetzwerks will das Unternehmen sicherstellen, dass niemand bereut, seine Wohnung über die Plattform gebucht zu haben. Die Fotografen sollen eigene Bilder machen, um Betrug auszuschließen.

Doch die Realität sieht zum Deutschlandstart anders aus. So machen die Wohnungsangebote aus München und Berlin keineswegs den Eindruck, als ob sich Nestpick um die Qualität kümmert: Die Angebote haben äußerst kurze, wenig aussagekräftige Beschreibungen, in denen sich zudem häufig Zusatzkosten verstecken. Man muss schon sehr genau darauf achten, ob das entsprechende Symbol grau oder farbig ist, um zu erkennen, ob der Internetanschluss separat bezahlt werden muss oder andere Nebenkosten fällig werden. Nutzerbewertungen, die etwas mehr Orientierung bieten könnten, gibt es noch keine.

Wohnungen nie überprüft

Auf vielen Fotos fallen zudem merkwürdige Schlieren auf. ZEIT ONLINE hat erfahren, dass nicht Nestpick diese Fotos gemacht hat, sondern dass sie von Anbietern wie Medici Living stammen, einem kommerziellen Anbieter von WG-Zimmern. Laut Nestpicks Nutzungsbedingungen sind solche Fotos eigentlich verboten.

Mehr noch: Wo Medici Living nur Symbolbilder bereitstellen konnte, hat Nestpick kurzerhand den Hinweis "Muster" über den Bildern notdürftig wegretuschiert. Wohnungen, für deren Vermittlung Nestpick oft mehrere Hundert Euro kassieren will, hat das Start-up nie gesehen oder geprüft. Die wenigen Wohnungen, die bereits verifiziert wurden, haben zwar viele Fotos, aber wenig Text zu bieten. Die Pflicht, sich über alle sonstigen Eigenschaften der Wohnung zu informieren, wälzt Nestpick auf den Mieter ab.