Photoshop-Kunst der besten Art © Internet ;-)

Wer in der Software-Welt bestehen will, muss auf Veränderungen reagieren. Die Bildbearbeitungssoftware Photoshop hat das immer irgendwie geschafft. Sie hat in den vergangenen 25 Jahren nicht nur den Wandel von der analogen zur digitalen Fotografie überstanden, sondern auch den Aufstieg des World Wide Webs begleitet.

Das konnte der Doktorand Thomas Knoll von der Universität Michigan im Jahr 1987 natürlich nicht ahnen. Das WWW war noch zwei Jahre entfernt, als er in seiner Freizeit eine Software schrieb, die Graustufen auf einem Schwarz-Weiß-Bildschirm anzeigen sollte. Auf Anraten seines Bruders, einem Mitarbeiter der Spezialeffekt-Schmiede Industrial Light & Magic, baute er es zu einem vollständigen Bildbearbeitungsprogramm aus. Nach einer Tour durchs Silicon Valley landeten die Knolls schließlich bei Adobe. Per Handschlag sicherte sich das Unternehmen die Rechte an dem Programm. Am 19. Februar 1990 erschien die erste Version – ausgeliefert auf Diskette.

Photoshop war weder die erste, noch die einzige Bildbearbeitungssoftware. Dennoch wurde es schnell zur ersten Wahl und gehört heute bei Fotografen und Grafikern, Layoutern, Webdesignern und Animatoren zur Grundausrüstung. Ähnlich wie googeln ein gängiges Synonym für Informationssuche ist, ist "photoshoppen" längst ein Begriff, wenn es um Bildbearbeitung geht. Etwas, das Adobe gemäß seinen Trademark-Richtlinien nicht gefällt. Schließlich steht Photoshop auch für Manipulation, für Schwindel und Täuschungen, obwohl das Retuschieren von Bildern so alt ist wie die Fotografie selbst.

In der öffentlichen Wahrnehmung gilt Photoshop häufig als Werkzeug eitler Profiloptimierer und Propagandisten. Werbeagenturen flunkern mit hochpolierten Bildern von Nahrung und Produkten, die Gesichter von Prominenten auf Titelseiten verkommen zu leb- und faltenlosen Masken, Models werden am Bildschirm heruntergehungert, bis sie dem gewünschten und zumeist unrealistischen Körperbild entsprechen. Perfektion ist im Zeitalter von Photoshop vor allem eine Frage des richtigen Klon-Stempels.

Wer Photoshop einzig als das Werkzeug der Realitätsverweigerung und -Veränderung sieht, blickt allerdings zu kurz. Schließlich wären ohne das Programm und seinen Einfluss auf die alltägliche Bildbearbeitung einige der wichtigsten, zumindest aber witzigsten Entwicklungen des Internets kaum möglich gewesen.

Spaß und Können: Photoshop-Contests

In den Neunzigern stellte Steve Jobs die Rechenkraft seiner Apple-Rechner unter Beweis, indem er Photoshop gleichzeitig auf einem Apple- und einem Windows-PC laufen ließ. In den späten Neunzigern hatte sich eine andere Form der Photoshop-Wettbewerbe etabliert: In Foren und Portalen wie Fark oder Something Awful fanden Wettbewerbe statt, in denen zwei oder mehrere Nutzer ein Bild verändern mussten. Wem das besser (oder witziger) gelang, der gewann. Heute sind diese Photoshop-Contests unter anderem auf Reddit und Worth1000 zu finden – letzteres ist bis heute eine Fundgrube professioneller Photoshop-Arbeiten.

Der Gewinner des "Whole Latte Love" Contests

Übung macht keinen Meister: Photoshop Fails

Mindestens ebenso beeindruckend sind die Arbeiten, die augenscheinlich in die Hose gegangen sind. Photoshop Fails gehören zu einem der beständigsten Begleiter der sogenannten "Fail"-Kultur, die Missgeschicke feiert: Wegretuschierte Gliedmaßen, fehlende Schatten, verbogene Hintergründe oder groteske Kompositionen: Manche Arbeiten aus den Agenturstuben zeigen, wie es ist, wenn man vor lauter Pixeln das Bild nicht mehr sieht. Und sie legen gleichzeitig den Drang zur Nachbearbeitung bloß. Witziger ist es fast nur noch, wenn unwissende Menschen mit bewusst falsch interpretierten Anweisungen veräppelt werden, wie es etwa Photoshop Trolle tun.

Manche Menschen sollen ja sechs Finger haben...

Wider den Perfektionismus: Internet Ugly

Wo die Profis unwissentlich schlampen, geht es bei weniger erfahrenen Pixelschubsern von vornerein nicht um Perfektion. Eine Schätzung aus dem Jahr 2007 befand, dass Photoshop zu den am häufigsten illegal kopierten Programmen zählte; nur 42 Prozent der Nutzer hätten eine gültige Lizenz gehabt. Die Verbreitung der Software hat dazu geführt, dass mittlerweile unzählige Photoshop-Dilettanten im Netz unterwegs sind. Deren Arbeiten stehen in der jungen Tradition des Internet Ugly, wie der Journalist Nick Douglas es in einem Essay beschreibt: "Die schlechte Ausführung von Ideen kann ihren Charme ausmachen." So paradox es klingt, fördert Photoshop also nicht nur die Ästhetik des Perfekten, sondern auch die des Hässlichen. Wer das nicht glaubt, sollte einen Blick auf das Sub-Reddit Shitty Photoshop werfen.

Die Gebrüder Knoll - sympathisch schlecht zusammengeshoppt