SAP-Zentrale in Walldorf © Krisztian Bocsi/Bloomberg/Getty Images

Nur ein paar Straßenzüge entfernt vom Pentagon hat die INSA ihr Büro, in Arlington, vor den Toren von Washington D.C. Die Intelligence and National Security Alliance ist ein Verband, in dem sich amerikanische Geheimdienstler und Unternehmen treffen. Die Firmenvertreter sollen "hauptsächlich den Mitarbeitern der NSA helfen, Schritt zu halten bei Themen aus den Bereichen Geheimdienst und nationale Sicherheit", heißt es auf der Webseite.

Und da sitzen sie dann alle, die üblichen Verdächtigen: Manager des Rüstungskonzerns Raytheon, vom CIA-Dienstleister CACI und von Edward Snowdens Ex-Firma Booz Allen Hamilton stellen den Beirat. Und im geschäftsführenden Vorstand arbeiten Führungskräfte des CIA-Kidnapping-Dienstleisters CSC zusammen mit Vertretern der Rüstungskonzerne Northrop sowie Lockheed Martin und SAP. Halt, stopp: SAP? Der deutsche Vorzeige-Softwarehersteller aus Walldorf? Genau, in Vertretung dessen amerikanische Tochterfirma.

Seit einiger Zeit versucht der IT-Konzern gezielt neue Märkte zu erschließen. Wie Recherchen des ARD-Magazins FAKT nun zeigen, hat SAP durch Zukäufe von kleineren Unternehmen und Verträge mit anderen Softwareherstellern gezielt amerikanische Geheimdienste als neue Kunden gewonnen. Vor allem SAPs Datenbanktechnologie Hana macht das Unternehmen für die Spionage-Dienste NSA und CIA interessant. Das Software-System ermöglicht wohl die derzeit schnellste Datenverarbeitung überhaupt. Recherchen von ZEIT ONLINE enthüllten kürzlich, dass auch der deutsche Auslandsgeheimdienst BND die Hana-Software von SAP kaufen will, um große Datenmengen in Echtzeit auswerten zu können.

Überwachungssuchmaschine

Die sogenannten Metadaten aus der Massenüberwachung von Telefongesprächen, WhatsApp- und SMS-Chats sowie von E-Mails und Facebook, sind die Waffen der Zukunft. Mit diesen Informationen können Geheimdienste Personen finden, Reiserouten nachvollziehen und am Ende sogar Verdächtige  umbringen – zum Beispiel durch Drohnenangriffe. "Wir töten Menschen auf der Basis von Metadaten", sagte der frühere NSA- und CIA-Chef Michael Hayden vergangenes Jahr. Auf einer Tagung der amerikanischen SAP-Tochterfirma bedankte er sich zuvor auch schon einmal für die Mithilfe an diesen Hinrichtungen aus der Luft: "Sehr viel, was wir anhand der Datenbanken machen, ist die Zielauswahl. Dank Gott, dass sie uns dazu in die Lage versetzen."

Seit dem 11. September 2001 ist in den USA ein riesiger Markt für sogenannte private contractors entstanden. Das sind Unternehmen, die hauptsächlich für NSA, CIA, das Verteidigungsministerium oder das FBI arbeiten und Technik oder Experten zur Verfügung stellen, die dem Staat fehlen. An den Gewinnen dieses neuen Marktes will auch SAP teilhaben.     

Wie jetzt bekannt wird, kaufte SAP bereits 2007 den amerikanischen Suchtechnikentwickler Inxight. Die Technologie der Firma ermöglicht es, große Datenmengen bei Massenüberwachungen in kürzerer Zeit und mit weniger Personal durchsuchbar zu machen. "Inxight löst das Problem der amerikanischen Überwachungsprogramme, die enormen Mengen an Daten durchsuchbar zu machen und relevante Ergebnisse zu erhalten", sagt der belgische Unternehmer Jo Lernout. Jahrelang entwickelte er selbst Software für Geheimdienste, einige seiner ehemaligen Angestellten gingen zu Inxight und sind jetzt bei SAP.

Exklusive Zusammenarbeit mit Palantir

Drei Jahre später akquirierte der deutsche Konzern den amerikanischen Datenbankhersteller Sybase. Deren Datenbanken bilden die Grundlage für den Einsatz der Sicherheitstechnologie der Geheimdienste. Der wichtigste Regierungskunde von Sybase ist: die NSA.

Mit weiteren NSA-Dienstleistern wie Palantir und Attensity schloss SAP Verträge ab. Beide Unternehmen wurden vom Geheimdienst CIA durch seinen Investmentarm In-Qtel mit aufgebaut. 

Das auf neun Milliarden Dollar geschätzte Start-up Palantir erlaubt es etwa exklusiv nur SAP, die Palantir-Produkte auf ihre Systeme aufzupropfen. Das US-Unternehmen des deutschen Silicon-Valley-Pioniers Peter Thiel (PayPal, Facebook) ist spezialisiert darauf, große Datenmengen aus verschiedenen Informationsquellen zusammenführen, aufzubereiten und darzustellen – um sie für Analysten auswertbar zu machen. Die Technik wird zum Beispiel vom amerikanischen Militär, der Polizei und von den US-Diensten NSA und CIA im sogenannten Krieg gegen den Terror eingesetzt. In einem Investorenprospekt jubelte ein Ex-Marine aus Afghanistan, die Software gebe ihm "jedes Analysewerkzeug, von dem sie nur träumen können. Sie werden damit jeden einzelnen Bösewicht in Ihrer Gegend erkennen". Palantir hat mittlerweile zugegeben, dass mit ihrer Hilfe Menschen getötet werden.