Die Amazon Web Services (AWS) gibt es seit 2006, doch erst jetzt hat das Unternehmen erstmals Zahlen zu diesem Geschäftszweig veröffentlicht. Der Umsatz von AWS stieg demnach im ersten Quartal um fast die Hälfte auf 1,57 Milliarden US-Dollar. Amazon verdient sogar Geld mit dem Cloud-Geschäft, das operative Ergebnis lag bei 265 Millionen Dollar.

Die Aktie legte nachbörslich um fast sieben Prozent zu. Die Investoren wollten schon lange mehr Klarheit darüber, wie das kostspielige Cloud-Geschäft bei Amazon läuft. Jetzt wissen sie, dass die Sparte mindestens ähnlich groß ist wie bei den Konkurrenten Google, IBM und Microsoft – und vor allem, dass sie kein Verlustbringer ist. Was natürlich auch dazu führen könnte, dass einige die Abspaltung von AWS fordern.

Auf Amazons Speicher- und Rechenkapazitäten setzen unter anderem viele Start-ups auf, ebenso wie etablierte Unternehmen, darunter Reddit und Instagram. Auch Dropbox, selbst als Cloudspeicher bekannt, nutzt die Infrastruktur von Amazon. Und sogar die 17 Geheimdienste der USA vertrauen auf Amazon-Technik. Im vergangenen Sommer wurde bekannt, dass Amazon einen 600-Millionen-Dollar-Auftrag der CIA bekommen hat, um eine eigene Cloud nur für die Dienste zu bauen.  

Privatanwender stehen nicht so sehr im Fokus von AWS, aber an den Angeboten für sie wird der Preiskampf im Cloud-Geschäft besonders deutlich. Im März kündigte Amazon das Unlimited-Everything-Paket für US-Kunden an: unbegrenzter Speicherplatz für 60 Dollar im Jahr. Dropbox, Google, Microsoft und Apple können da nicht mithalten. Vor allem Microsoft, dessen CEO Satya Nadella das Cloud-Geschäft zu einer von zwei zentralen Säulen seines Unternehmens erklärt hat, muss sich also auf einen extrem harten Wettstreit mit Amazon einstellen. Immerhin konnte Nadella auch selbst gute Nachrichten überbringen: Microsofts Einnahmen im Cloud-Geschäft sind im Vergleich zum Vorjahr um 106 Prozent gestiegen.

Für Amazon-Anteilseigner sind die aktuellen Zahlen des Cloud-Geschäfts eine der wenigen guten Nachrichten. Insgesamt arbeitete das Unternehmen im ersten Quartal 2015 wieder mit Verlust. Es gab ein Minus von 57 Millionen Dollar nach einem Gewinn von 108 Millionen Dollar vor einem Jahr. Der Umsatz wuchs um 15 Prozent auf 22,72 Milliarden Dollar. Beides war am Markt in einer ähnlichen Größenordnung erwartet worden.

Amazon verwies auf den starken Dollar, der internationale Einnahmen bei der Umrechnung in die US-Währung niedriger erscheinen lässt. Demnach wäre der Umsatz ohne die negativen Währungseffekte um 22 Prozent gewachsen. Im Auslandsgeschäft sanken zudem die Erlöse um 1,7 Prozent auf 7,745 Milliarden Dollar und der operative Verlust fiel mit 76 Millionen Dollar mehr als doppelt so hoch aus wie vor einem Jahr. Im Heimatmarkt steigerte Amazon dagegen den Umsatz um fast ein Viertel auf 13,4 Milliarden Dollar und der operative Gewinn war mit 517 Millionen Dollar um 78 Prozent höher.