Screenshot der Seite "The Real Deal" © Screenshot ZEIT ONLINE

Wer heute noch einen Darknet-Marktplatz für Drogen, Waffen oder andere zweifelhafte Produkte und Dienstleistungen gründet, muss schon einen sehr guten Plan haben, wie er seine Enttarnung und Festnahme verhindern will. Das FBI beobachtet praktisch alle diese Plattformen im Tor-Netzwerk, sofern es sie findet, und unterwandert sie regelmäßig. Wer Waffen verkauft, dem ist eine verschärfte Beobachtung sogar sicher. Das geht aus Dokumenten zum Fall des Silk-Road-Gründers Ross Ulbricht hervor, die jetzt veröffentlicht wurden.

Zudem hat die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA), die vor allem für das US-Militär forscht, Details zu einer geplanten Suchmaschine vorgestellt, mit deren Hilfe Ermittler unter anderem illegale Handelsplattformen finden und durchsuchen können sollen. Das Projekt namens Memex wird – gegen Geld – von den Entwicklern des Tor-Projekts unterstützt, auf dessen Anonymisierungstechnik wiederum die illegalen Marktplätze basieren.

Tor-Entwicklungschef Roger Dingledine betont, das eigentlich zur Umgehung von Zensur und Überwachung gedachte Netzwerk durch die Mitarbeit an Memex nicht schwächen zu wollen. Er unterstütze das Projekt lediglich, indem er Strafverfolgern besser erkläre, wie Tor funktioniert. Für Kriminelle aber – er nennt explizit jene, die sich über Tor Bilder von Kindesmissbrauch ansehen oder beschaffen – findet Dingledine deutliche Worte: "Fuck them, sie sollten alle aus dem Netzwerk verschwinden, für so etwas wurde Tor nicht gemacht und sie schaden uns allen."

Doch trotz der seit Langem bekannten Entwicklung von Memex und groß angelegten internationalen Operationen zur Stilllegung illegaler Marktplätze entstehen im Tor-Netzwerk immer neue Plattformen. Jüngstes Beispiel ist die Seite The Real Deal (erreichbar nur mit dem Tor-Browser).

Dort werden zwar auch ein paar Waffen und Drogen gehandelt, in erster Linie aber geht es auf The Real Deal um Sicherheitslücken für Angriffe auf Computer und Netzwerke. Derzeit im Angebot: vier sogenannte Zero-Day-Exploits – neue Angriffsmethoden also, gegen die es noch kein Mittel gibt. Dazu ein paar weniger brisante, theoretisch aber dennoch gefährliche Exploits.

Der bemerkenswerteste ist ein Angriff auf beliebige iCloud-Konten. The Fappening lässt grüßen:Private Bilder aus den iCloud-Accounts von rund 100 Prominenten waren im September 2014 illegal veröffentlicht worden. Das soll mit dem Exploit, der nun angeboten wird, auch möglich sein. Fotos, Kontakte, Notizen, Kalendereinträge eines Apple-Nutzers – all das und mehr würde einem Angreifer in die Hände fallen, falls der neueExploit wirklich tut, was der Anbieter behauptet. Sogar eine Demonstration an einem beliebigen iCloud-Konto bietet der Verkäufer an, um Skeptiker zu überzeugen. Kosten soll der exklusive Zugriff auf die Angriffstechnik 17.000 US-Dollar in Bitcoins. Das wäre ein regelrechtes Schnäppchen, Zero-Days kosten häufig einen mittleren fünfstelligen oder auch mal einen sechsstelligen Betrag.

Andere Anbieter versprechen Exploits für den Internet Explorer von Microsoft, den Standardbrowser in Googles Betriebssystem Android und für die Blogging-Software Wordpress. Manche bieten eine Vorführung an oder würden die Betreiber von The Real Deal einen Test durchführen lassen, bevor der eigentliche Käufer die nötigen Informationen bekommt.

Die anonymen Betreiber von The Real Deal bezeichnen sich als Team von vier erfahrenen IT-Sicherheitsexperten. Sie wollen eine verlässliche Plattform aufbauen, auf der Betrüger keine Chance haben. Sicherstellen soll das vor allem die Bezahlmethode, die allein auf Bitcoins beruht. Im Gegensatz zu anderen Schwarzmarktseiten schicken Käufer ihr Kryptogeld nicht an eine allein vom Betreiber kontrollierte Bitcoin-Wallet, von wo es im besten Fall an den Verkäufer weitergeleitet wird, wenn der seine Ware übergeben hat. 

Stattdessen gibt es auf The Real Deal nur ein Multisignatur-Verfahren: Jede Bestellung generiert eine Treuhand-Adresse, die nur funktioniert, wenn zwei von drei Parteien (Verkäufer, Käufer, Betreiber) eine Transaktion signieren. Ein Verkäufer signiert, wenn er seine Ware verschickt hat, der Käufer tut es, wenn er sie erhalten hat. Im Streitfall entscheidet The Real Deal mit seiner Signatur. So soll auch verhindert werden, dass sich die Betreiber mit dem Geld aus dem Staub machen können, wie zuletzt im Fall der Plattform Evolution.