Andreas Dantz hat seinen Roomba mit einem LED ausgestattet und eine Langzeitaufnahme gemacht, die zeigt, wie sich der Staubsauger-Roboter bewegt hat.

Roomba heißt der bekannteste Staubsauger-Roboter der Welt. Schon 2009 wurde der millionenfach verkaufte scheibenförmige Haushaltshelfer in die Robot Hall of Fame aufgenommen, zeitgleich übrigens mit den Nasa-Robotern Spirit und Opportunity und Arnold Schwarzeneggers T-800 aus dem Film Terminator.

Roomba-Hersteller iRobot reicht diese Ehre nicht und hat nun offenbar vor, seinen autonomen Staubsauger zu einem zentralen Element im Haushalt der Zukunft zu machen. Angedeutet hat das iRobot-CEO Colin Angle in einem bemerkenswerten Gespräch mit Wired. Bemerkenswert deshalb, weil Angle darin nicht nur beschreibt, wie er sich den Roboter der Zukunft vorstellt, sondern auch den Menschen.

Der Geschäftsführer des börsennotierten Unternehmens hält wenig von den derzeitig gängigen Ideen für den vernetzten Haushalt. Wer für jedes Gerät im Internet der Dinge eine eigene App zur Steuerung brauche, mache sich das Leben komplizierter, als es vorher war, sagt Angle. Viel besser wäre es, wenn das Haus eigenständig erkennen würde, was ein Bewohner vorhat und entsprechend vorausschauend handelt. Angles Lösung: Maps statt Apps – also eine Karte des Hauses, am besten eine dreidimensionale. Und wer könnte diese Karte besser erstellen als ein Roomba, der ohnehin den ganzen Tag durch die Wohnung flitzt?

Die Karte soll Informationen darüber enthalten, wo welches vernetzte Gerät steht – zum Beispiel der Kühlschrank, die Heizkörper und der Fernseher – und dem Haus helfen, die Absichten seiner Bewohner frühzeitig zu erkennen, abhängig von deren Position. Angle liefert ein Szenario gleich mit: Jemand kommt nach Hause und bleibt kurz am Esszimmertisch stehen, geht weiter in die Küche, bleibt kurz am Kühlschrank stehen und setzt sich schließlich auf die Couch im Wohnzimmer. Er hat offenbar etwas abgestellt, sich etwas zu essen oder zu trinken genommen und will nun fernsehen. Sofern das Haus diese Bewegungen erkennt, kann es rechtzeitig die Lampen in den jeweiligen Zimmern anschalten, sowie den Fernseher und die Heizung im Wohnzimmer. Der Mensch braucht dafür nichts anzufassen und keine App zur Fernsteuerung zu benutzen. Sein Haus weiß, was er vorhat.

Um einen solchen komplexen Ablauf von Aktionen auslösen zu können, muss das Haus – beziehungsweise die Haushaltsgeräte – aber wissen, wo genau sich der Mensch gerade befindet und wohin er sich bewegt. Verraten könnten das zum Beispiel Smartphone und Smartwatch, die seine Position auf der Karte vom Haus bestimmen, oder entsprechende Bewegungssensoren an den Geräten.

iRobot entwickelt derzeit ein System zum Kartografieren von Haushalten. Es funktioniert mithilfe einer Kamera, die durch das Haus bewegt wird und dabei Videoaufnahmen macht. Mithilfe von Vergleichsbildern aus der Cloud versucht das System zu erkennen, was die Kamera aufzeichnet. Angle sagt nicht explizit, dass die Kamera auf einem Roomba steckt und jedes Mal aktiv sein soll, wenn der Staubsauger loslegt. Aber es wäre die logische Weiterentwicklung der kleinen Roboter, die schon heute Hindernisse (mehr oder weniger gut) erkennen und ihnen ausweichen können. Allerdings müsste die Kamera auf einem beweglichen Stativ stecken, um auch Objekte erkennen zu können, die auf Tischen oder Küchenplatten stehen – so wie beim PackBot, den iRobot ebenfalls herstellt.

Zusammengefasst sieht die Zukunft der vernetzten Wohnung also so aus: Ein autonomer Roboter fährt künftig durchs Haus, macht Videoaufnahmen von allem, was sich darin befindet und lädt diese zur Analyse über das Internet auf die Computer von Unternehmen. Kein Wunder, dass der Science-Fiction-Autor und Netzaktivist Cory Doctorow schreibt: "Ein mit dem Internet verbundener und mit Kameras ausgestatteter Roboter ist eine verdammte Katastrophe, wenn er nicht sicher ist. Es ist ein Geschenk für jeden, der Kameras nutzen will, um dich zu überwachen."

Die Idee von iRobot ist nicht nur wegen möglicher Einbrüche in die Privatsphäre bedenklich. Sie unterstellt auch, dass menschliches Verhalten berechenbar ist und immer bestimmten Mustern und Routinen folgt. Die Technik würde nur dann gut funktionieren, wenn sie diese Muster erkennt und daraus lernt, wann sie was zu tun hat. Aber jedes Mal, wenn jemand spontan etwas in einer andere Reihenfolge tut als sonst, eine Tätigkeit abbricht, weil zum Beispiel das Telefon klingelt oder man eben keine Lust auf den Lieblingsfernsehkanal hat, wird die Haustechnik etwas in Gang setzen, das die Bewohner dann manuell abbrechen oder ändern müssen. Unvorhersehbares Verhalten wird zum Problem. Was Angle vorschwebt, ist ein Mensch, der tut, was die Technik von ihm erwartet. Nicht umgekehrt.