Tischtennis? Sucks.

Irgendwas suckt eigentlich immer. Facebook sucks. Apple sucks. Die BND-Affäre suckt, im Regen Radfahren suckt ebenso wie kalter Kaffee und die Fantastischen Vier sangen bereits vor 20 Jahren: "Love sucks, die Liebe stinkt mein Freund." Der englische Ausdruck (it) sucks bedeutet in diesem Fall nicht etwa saugen, sondern schlicht: es nervt, ist doof, macht keinen Spaß. Wer seinen Unmut digital äußern möchte, kann demnächst die passende Website registrieren. Ab dem 1. Juni ist die Domainendung .sucks öffentlich verfügbar.

Noch vor dem offiziellen Start der Endung gibt es allerdings Ärger, der inzwischen auch die Politik beschäftigt. Für den heutigen Mittwoch hat das US-Repräsentantenhaus eine Anhörung angesetzt, in der Vertreter von Amazon, der International Trademark Association und E-Kommerz-Verbänden zusammenkommen. Dabei geht es um die Frage, ob die Vergabe der .sucks-Domains ordentlich abläuft. Oder ob die ganze Sache nicht doch irgendwie, nun ja, suckt.

Die Vertreter der Unternehmen und Handelsbranche glauben, dass die .sucks-Domain vor allem dazu dienen werde, zunächst Firmen zu schröpfen und später mit Beleidigungen Geschäfte zu machen. Bevor Privatpersonen die Endungen registrieren können, steht die Endung nämlich zwischen April und Juni in der sogenannten Sunrise-Periode ausschließlich Markeninhabern offen. Das lässt sich der Verwalter, die Firma Vox Populi, fürstlich bezahlen: 2.500 US-Dollar kostet die Standard-Registrierung pro Jahr – deutlich mehr als andere Domains. Ursprünglich stand sogar eine Summe von 25.000 US-Dollar zur Diskussion.

In einer Beschwerde heißt es, dass Vox Populi "unerlaubt und räuberisch" agiere. Ein Anwalt des Software-Herstellers Adobe spricht gar von Erpressung. Denn um möglichen Hass- und Troll-Websites vorzubeugen, müssten die Unternehmen notgedrungen den erhöhten Vorab-Preis für eine "defensive Registrierung" zahlen. Ob der gerechtfertigt ist, sollen jetzt die amerikanische Handelskommission und die Verbraucherschutzbehörden klären.

185.000 Dollar für eine neue Endung

Die Geschichte hat aber noch eine andere Seite: Sie zeigt, wie hart der Kampf um Domains mittlerweile ist. Lange Zeit bestanden die sogenannten Top-Level-Domains (TLD) vor allem aus den entsprechenden Länderkennzeichen wie .de oder .at sowie einigen sogenannten generischen Endungen wie .com .net oder .org. Da jedoch die Anzahl sinnvoller, kurzer Domainnamen begrenzt ist, gab es bereits um die Jahrtausendwende erste Initiativen, die Zahl der generischen Domains schrittweise zu erhöhen.

Es blieb lange Zeit bei Überlegungen; vergleichsweise wenige neue Domains wurden in den folgenden Jahren von der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) zugelassen. Die private Stiftung verwaltet seit dem Ende der neunziger Jahre die Vergabe von Domainnamen im Internet und steht regelmäßig in der Kritik: Zu undurchsichtig sei die Organisation, zu abhängig von den Interessen der USA und gleichzeitig zu behäbig, wenn es um Änderungen geht.

So dauerte es bis zum Sommer 2011, bis die ICANN beschloss, die Vergabekriterien zu lockern. In der folgenden Bewerbungsphase konnten Antragsteller theoretisch jeden Begriff vorschlagen, der nicht gegen die Richtlinien verstößt. Vox Populi beziehungsweise die dahinter stehende kanadische Firma Momentous schlug .sucks vor und bekam den Zuschlag. Die Bewerbung hatte ihren Preis: 185.000 Dollar kostete allein die Prüfung. Damit wollte die ICANN die Einstiegshürde möglichst hoch legen. Antragsteller sollten garantieren, dass sie die Mittel haben, die Domains anschließend auch zu betreiben.

Etwa 1.930 Endungen wurden letztlich ausgewählt, darunter sind Domains von Unternehmen wie etwa .bridgestone und .sap, Städte wie .hamburg und .madrid, gemeinnützige Organisation wie der Berliner Verein .hiv sowie allgemeine Begriffe wie .blog, .love oder eben .sucks. Seit vergangenem Jahr werden die neuen Domains nach und nach freigeschaltet. Immer wieder gibt es Streit.