Das Internet gehört auch für viele kleine Kinder schon zum Alltag. Gut die Hälfte der Achtjährigen (55 Prozent) ist in Deutschland online, 37 Prozent sogar mehrfach in der Woche oder täglich. Von den Sechsjährigen ist bereits fast ein Drittel (28 Prozent) regelmäßig im weltweiten Netz unterwegs, von den Dreijährigen immerhin jedes zehnte Kind.

Das geht aus der am Dienstag in Berlin präsentierten Studie Kinder in der digitalen Welt hervor, die das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI – eine Initiative der Deutschen Post) in Zusammenarbeit mit dem Sozialforschungsinstitut Sinus erarbeitet hat. Insgesamt wurden 1029 Kinder im Alter von 6 bis 8 Jahren sowie 1832 Eltern mit Kindern im Alter von 3 bis 8 Jahren befragt.

Was genau ist Internetnutzung?

Beim genaueren Hinsehen wird allerdings deutlich, wieso die Studie allenfalls als grober Indikator für die veränderte Mediennutzung dient: Es ist unklar, wie die Forscher das Onlinesein eigentlich genau definieren. Nutzt ein Dreijähriger bereits aktiv das Internet, wenn er auf dem Bildschirm einen Trickfilm guckt oder auf der Konsole spielt? Oder muss eine Interaktion stattfinden, also etwa das eigenständige Aufrufen einer Website, das Suchen nach einem YouTube-Video oder die Bedienung einer Smartphone-App? Und können kleine Kinder überhaupt kognitiv unterscheiden, ob sie nun fernsehen oder etwas aus dem Netz streamen?

"Kinder bewegen sich intuitiv im Internet und wissen häufig gar nicht, dass sie gerade online sind", schreiben die Autoren und weisen auf die daraus entstehenden Probleme bei der Datenerfassung hin: "Die Frage, wann und ob jemand online ist und/oder digitale Medien nutzt, kann nicht allein durch die Erfassung der Geräteverwendung oder der Selbstaussage der jeweiligen Personen beantwortet werden." Anders gesagt: Die genaue Definition der Internetnutzung ist schwierig und nur weil ein Kind Dienste nutzt, muss es noch kein aktiver Internetnutzer sein.

"Digitale Lebenswelten"

Das macht die Studie deshalb nicht komplett überflüssig. Es geht nämlich nicht bloß um eine quantitative Erhebung vermeintlicher Internetnutzer, sondern vor allem um soziodemografische Faktoren, die den Kontakt von Kindern mit dem Internet beeinflussen. Entscheidend dafür, ob Kinder überhaupt online gehen wollen oder im Netz unterwegs sein dürfen, sei die Nähe der Eltern zur "digitalen Lebenswelt", heißt es.

Die Forscher von DIVSI und Sinus bedienten sich für die Analyse einer eigenen Typologie, die sieben verschiedene "Internet-Milieus" für Kinder unter neun Jahren definiert. Auf der einen Seite des Spektrums stehen etwa die "Digital Souveränen", also Familien, die eine hohe Affinität zu digitalen Medien haben und das Internet alltäglich und weitreichend nutzen. Auf der anderen Seite stehen die "Internetfernen Verunsicherten": Die Eltern dieser Kinder nutzen das Internet nur selten, und wenn, dann nur sehr eingeschränkt.

Nicht ganz überraschend ist dann auch die allgemeine Erkenntnis: Je öfter die Eltern selbst im Netz unterwegs sind und digitale Medien nutzen, desto eher sind auch ihre Kinder online. Einen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen gibt es dabei nicht.

Bildung und Alter beeinflussen die Inhalte

Interessanter ist, dass die digitale Ausstattung von Kindern und ihr technischer Zugang zu Onlinediensten keine finanzielle Frage ist: Bei der Gerätenutzung gibt es kaum Unterschiede hinsichtlich des Besitzes von TV-Geräten (97 Prozent insgesamt), Spielkonsolen (46 Prozent) oder Smartphones (32 Prozent) zwischen Familien mit geringem und hohem Einkommen. Lediglich Tablets (11 Prozent) und Laptops (41 Prozent) nutzen Kinder in Familien mit hohem Einkommen deutlich häufiger.

Die Nutzung der unterschiedlichen Geräte ist dabei vom Alter abhängig. Vor allem die Spielkonsole ist bereits in der Altersgruppe der Drei- bis Fünfjährigen beliebt. Mit dem Schuleintritt steigt die Nutzung des Computers, der bis zum neunten Lebensjahr die Konsolen überholt. Die Nutzung von Smartphones steigt ebenfalls kontinuierlich mit dem Alter an.

Für jüngere Kinder ist das Internet vor allem eine Spiele-Plattform, erst später kommen Informationssuche oder Bildung hinzu. Generell seien Jungen bei ihrem Umgang mit digitalen Medien spieleorientierter, Mädchen recherchierten öfter Informationen, hieß es bei der Vorstellung des Reports. Kleine Kinder von Eltern mit geringerer Bildung setzten eher auf Unterhaltung und nutzten das Internet seltener für Informationssuche und Lernen als der Nachwuchs von Eltern mit formal höherer Bildung.