Elektronik kommt uns Menschen immer näher. Smartphones waren ein erster Schritt, Smartwatches und Fitnesstracker sind der nächste, und die kommende Generation der sogenannten Wearables soll sich sogar noch besser an uns anpassen. Damit das möglich ist, forschen Unternehmen und Wissenschaftler weltweit an Flexible Electronics: Elektronik, die nicht aus starren Leiterplatten besteht, sondern flexibel auf ihre Umgebung reagiert.

Um die Entwicklung voranzutreiben, hat das US-Verteidigungsministerium jetzt die FlexTech Allianz gegründet. Knapp 100 Unternehmen, darunter Apple, Boeing, der Chiphersteller Qualcomm und der Rüstungskonzern Lockheed Martin erhalten in den kommenden fünf Jahren 75 Millionen US-Dollar an Fördergeldern. Weitere 96 Millionen US-Dollar stellen Bildungs- und Forschungseinrichtungen wie die Stanford University und das MIT sowie gemeinnützige Organisationen und private Stiftungen. Verschiedene Institutionen sollen jeweils einzelne Probleme angehen, das Fördergeld wird je nach Ermessen verteilt.

Ein Ziel der Allianz ist es, das Flexible Hybrid Electronics Manufacturing Innovation Institute (FHE MII) ins Leben zu rufen. Das soll nicht nur die Entwicklung, sondern auch die industrielle Fertigung flexibler Elektronik in den USA vorantreiben. "Es ist eine aufstrebende Technik, die letztlich die nächste Generation elektronischer Geräte hervorbringen wird", sagte US-Verteidigungsminister Ashton Carter bei der Ankündigung.

Anwendung im Militär und im zivilen Bereich

Prinzipiell geht es im Forschungsbereich der Flexible Electronics darum, elektronische Schaltkreise mit neuen, flexiblen Materialen zu kombinieren sowie möglichst unempfindliche Chips zu entwickeln. Zwar ist es schon länger möglich, etwa biegsame Polyimid-Folien als Leiterplatte zu verwenden. Durch neue Techniken sollen aber weitere Anwendungsmöglichkeiten entstehen und die Kosten für die Produktion sinken. Ein Teil der Forschung beschäftigt sich beispielsweise damit, Elektronik zu drucken und damit Geräte zu bauen, die nicht auf starre Platinen angewiesen sind.

Passende Anwendungsfälle liefert die FlexTech Allianz gleich mit: Zum einen geht es um den Einsatz in der Medizinbranche, wo biegsame und unempfindliche Elektronik für neue Behandlungs- und Operationsmöglichkeiten eingesetzt werden könnte. Zum anderen geht es um das Internet der Dinge: Je vernetzter der moderne Haushalt ist, desto größer wird der Bedarf an flexiblen, elektrischen Schaltkreisen, die sich nahtlos mit verschiedensten Objekten kombinieren lassen.

Nicht zuletzt aber erhofft sich das US-Verteidigungsministerium auch neue Einsatzmöglichkeiten im Militär. In einem Video ist von modernen Waffensystemen die Rede, deren Elektronik hohen Druck aushalten muss – traditionelle Materialen kommen hier schnell an ihre Grenzen. Ein anderes Bild zeigt Soldaten, die gleich mehrere Sensoren direkt an ihrem Körper tragen, unter anderem Smart Tattoos, Elektrolytmesser und Geräte für die Pulsoxymetrie, zur "physiologischen und medizinischen Kontrolle" im Kampfeinsatz, wie es heißt.

Apple profitiert auch von der Rüstungsindustrie

Dass die US-Regierung eng mit Unternehmen aus dem Silicon Valley zusammenarbeitet, ist nicht neu. Allein die Obama-Administration hat sieben Institute gegründet, mit denen die US-Wirtschaft im Bereich neuer Technologien angetrieben werden soll. 2012 rief sie beispielsweise eine Allianz für 3-D-Druck ins Leben. Zwei weitere Einrichtungen sollen noch folgen.

Auch Firmen wie Apple profitieren schon länger von Projekten, an denen die US-Regierung beteiligt ist. Wie der Business Insider im vergangenen Herbst zeigte, sind zahlreiche Komponenten im iPhone und anderen Smartphones überhaupt erst durch Projekte des Verteidigungsministeriums und Forschungsbehörden wie der Darpa entstanden. Apples virtuelle Assistentin Siri etwa wurde zunächst von SRI International entwickelt, einem von Darpa geförderten Institut, bevor Apple die entsprechende Abteilung übernahm.

Mit seiner Watch ist Apple bereits im Wearables-Geschäft tätig. Neue Entwicklungen im Rahmen der FlexTech Allianz könnten somit auch in künftige Apple-Produkte einfließen.