Vor vier Jahren ging ein Ruck durch die Welt der Sprachbewahrer. Damals entschied die Redaktion des Oxford English Dictionary (OED), die selbsternannten Hüter der englischen Sprache, die Initialwörter "lol" (laughing out loud) und "omg" (oh my god) in den offiziellen Wortschatz aufzunehmen. Für die Internetgeneration war es ein Zeichen, dass ihr Soziolekt aus dem Netz endlich in der Mitte der Gesellschaft, also sozusagen "irl" (in real life) angekommen war. Die Sprachpuristen dagegen sahen sich in ihrer Meinung bestätigt, durch das Netz und seine seltsamen Auswüchse würde langsam wirklich alles verrohen.

Jetzt können sie wieder aufatmen. "Lol" befindet sich zwar im OED, aber in der Gunst der Internetnutzer fällt es schon wieder. Das behauptet jedenfalls Facebook, das sich in einer kleinen internen Studie dem Phänomen des E-Laughter, also des elektrischen Gelächters, angenommen hat. Eine Woche im Mai hat Facebook die Beiträge und Kommentare seiner Nutzer analysiert. Die Erkenntnis: Nur noch 1,9 Prozent der Nutzer haben in diesem Zeitraum "lol" benutzt. 

Stattdessen nutzen die meisten Menschen auf Facebook einen weiteren Klassiker der elektronischen Heiterkeit: "Haha" und seine Variationen dominieren mit 51,4 Prozent, gefolgt von Emojis mit 33,7 Prozent und dem etwas biederen "hehe" mit 13,1 Prozent. Die wenigen Nutzer, die "lol" nutzten sind vergleichsweise älter als der Rest und vermehrt weiblich, während "haha" und "hehe" etwas häufiger von Männern verwendet werden. Äußerungen wie "rofl" (rolling on floor laughing) oder das koreanische "ᄏᄏᄏ" (kekeke) spielten keine Rolle.

Die Nutzer von "lol" auf Facebook sind etwas älter. © Facebook

25 Jahre "lol"

Nun sind Facebook-Studien weder repräsentativ für alle Internetnutzer, noch ist angesichts des Mangels an früheren Erhebungen klar, ob möglicherweise auf Facebook schon immer vergleichsweise weniger gelolt als gehahat wurde oder ob das ehemalige Vorzeigekind der sogenannten Txtspk vielleicht schon immer etwas zu teuer verkauft wurde. Etwas schade ist es trotzdem, denn schließlich war das "lol" aus sprachwissenschaftlicher Sicht schon immer spannender als das schnöde "haha" und auch aus netzkultureller Sicht prägend.

Die mutmaßlich erste Verwendung von "lol" datiert vom Mai 1989, als die Abkürzung in einem Newsletter des Mailboxnetzwerks FidoNet vorgeschlagen wurde. Anschließend verbreitete es sich zunächst vor allem im UseNet, bevor es später über klassische Chatrooms, die neue Generation von Instant-Messengern wie AOL oder ICQ sowie in Online-Games zu einem der bekanntesten Akronyme des Internetslangs wurde.

Wie bei allen Abkürzungen, ging es dem "lol" zwar auch darum, die Kommunikation zu erleichtern und Schriftzeichen zu sparen. Gleichzeitig füllte die Abkürzung aber auch eine pragmatische Lücke. Schließlich bedeutete "lol" niemals, dass seine Nutzer immer buchstäblich laut lachend vor dem Rechner hockten. Vielmehr war die Äußerung immer auch eine Möglichkeit, sich als Nutzer der neuen Technik auszuweisen: Ich bin online, also "lol" ich.

For the lulz!

Als Teil des Internetslangs erfuhr "lol" über die Jahre hinweg einen Wandel. Von der typischen Reaktion auf einen Witz oder lustigen Kommentar wuchsen die Variationen und Anwendungsmöglichkeiten. Es traten Steigerungsformen wie "lolololol" und "lollerskates" auf, Varianten von "lawl" bis "lulz" und neue Komposita wie "lolwut" (lol what), das weniger mit Lachen als mit "wtf" (what the fuck) zu tun hat. Als Namensgeber der Lolspeak manifestierte sich "lol" in der Netzkultur und der Ausdruck (I did it) for the lulz wurde zum Motto einer neuen Troll- und Hackerkultur, die den eigenen Spaß auf Kosten anderer zum höchsten Gut erklärte.

Der Linguist John McWhorter glaubt, dass "lol" heute in Textnachrichten vor allem als pragmatischer Partikel eingesetzt wird. Ähnlich wie beispielsweise "yo" im Soziolekt vornehmlich junger Afroamerikaner auftritt, kann auch "lol" in unterschiedlichen Situationen fallen, die längst nichts mehr mit Lachen zu tun haben. Als emphatische Antwort etwa: "Ich muss morgen schon um sechs Uhr arbeiten" "– lol ok." Eine Studie über den Sprachgebrauch von Teenagern im Netz fand 2008 heraus, dass viele von ihnen "lol" sogar nur als Interjektion in Chats nutzen, ganz ähnlich einem "hmhm". Solche Erkenntnisse zeigen, dass "lol" ein Teil der lebendigen Sprache ist.