Der künftige Alphabet-CEO Larry Page (Archivbild von 2012) © Justin Sullivan/Getty Images

Alle mäßig unterhaltsamen Wortspiele sind gemacht, hier und da hallt noch ein Don't-be-evil-Echo durchs Internet, und die Redaktionen haben ihre A-bis-Z-Liste der künftigen Alphabet-Sparten, -Töchter und -Projekte zusammengesucht. Zeit, sich drei sachliche Fragen zum geplanten Umbau von Google zu stellen: Warum überhaupt, warum jetzt und welche Folgen hat er für Google-Nutzer?

Die Antwort auf die letzte Frage ist vergleichsweise einfach. Sie lautet: Wenig. Die Web-, Werbe- und mobilen Dienste von Google werden zwar in eine eigene Sparte mit einem eigenen CEO gesteckt, aber die Produkte bleiben die gleichen. Offen ist allenfalls, ob sich die künftige Nest-Sparte mit ihren Smart-Home-Produkten anders entwickeln wird, als sie es in der bisherigen Unternehmensstruktur getan hätte. Der Konzernumbau hat aber andere Zielgruppen: Aktionäre, Mitarbeiter und andere Unternehmen.

Die Antwort auf Frage zwei ist zugegebenermaßen nur eine Annäherung. Warum der Umbau ausgerechnet am 10. August 2015 angekündigt wurde, wissen nur diejenigen, die dafür verantwortlich sind. Aber es gibt immerhin ein paar Argumente, warum der Zeitpunkt nicht der schlechteste ist: So hat Google zuletzt ein überraschend starkes Quartalsergebnis vorgelegt, die Stimmung unter den Aktionären dürfte gut sein, ausreichend Vertrauen ist vorhanden. Nicht zuletzt, weil die neue Finanzchefin Ruth Porat, im Mai von der Investmentbank Morgan Stanley zu Google gewechselt, schnell klargemacht hat, dass sie auf Kostendisziplin achten wird. 

Google muss im Kerngeschäft schneller und innovativer werden

Gleichzeitig merkt Google natürlich, dass insbesondere Facebook in vielen Geschäftsfeldern ein ernstzunehmender und schnell wachsender Konkurrent ist: Facebook definiert neu, wie und wo Menschen nach Informationen suchen, es sammelt ähnlich viele Nutzerdaten, Facebook-Videos dringen in Sachen Abrufzahlen langsam in YouTube-Sphären vor, und Facebook schafft es, seine Nutzer in seinem eigenen Internet-Universum zu halten – in Zukunft vielleicht sogar in seiner eigenen Infrastruktur. Um Facebook in Googles Kerngeschäft – der Onlinewerbung – auf Abstand zu halten, muss sich der Konzern wandeln und wieder agiler, innovativer und schneller werden. Insofern lautet die Frage nicht "warum jetzt?", sondern "warum erst jetzt?"

Die Antwort auf Frage eins, also die nach dem Warum, ist die komplizierteste. Sie besteht aus mehreren Teilantworten, die mehr oder weniger stark zusammenhängen. Die übergeordneten Motive sind Taktik, Geld und die Gründer.

Zunächst einmal wird die neue Aufteilung dafür sorgen, dass die Marke Google nicht weiter verwässert. Google wird Ende des Jahres nur noch aus Suche, Werbung, Maps, YouTube, Android und Apps bestehen. Neuer CEO von Google wird Sundar Pichai, bisher als Produktchef unter anderem für Android und Chrome verantwortlich. Ihm trauen die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page zu, den einzigen wirklich gewinnbringenden Teil des Konzerns zu leiten und innovationsfähig zu halten.

Ein Nebeneffekt: Die zukünftige Sparte Google als Cash-Cow wird sich Geld zu günstigeren Konditionen leihen können als der Gesamtkonzern, dessen einzelne Sparten mit zum Teil erheblichen Risiken behaftet sind.

Natürlich werden durch die neue Struktur auch Risiken reduziert. Gerät eine Sparte in eine Krise, ist nicht gleich die gesamte Holding betroffen.

Zudem werden Anteilseigner und Investoren deutlicher als bisher sehen können, wie viel Geld in welche Konzerntochter gesteckt wird. Das soll Bedenken zerstreuen, die Profite von Google würden übermäßig stark in die sogenannten Moonshots, die verrückt erscheinenden Projekte vor allem aus Labor Google [x] investiert.

Und: Die einzelnen Alphabet-Sparten sind immer noch so groß und komplex, dass es sinnvoll erscheint, dass sie von CEOs mit der jeweils passenden Persönlichkeit, mit Eigenverantwortung und gewissen Spielräumen geleitet werden. Dadurch wird im besten Fall die Unternehmenskultur vielfältiger, schreibt der Unternehmer und Publizist Christoph Kappes.