Wie viele Fotografen ist George F. Mobley weniger durch seinen Namen als durch seine Bilder bekannt. 33 Jahre lang gehörte Mobley zu den festangestellten Fotografen von National Geographic, viele seiner Aufnahmen haben es auf Poster und in Bildbände geschafft. Im Internet ist dagegen vor allem eines seiner Fotos bekannt: Ein vor sich hin trottender Adeliepinguin. Aufgenommen in der Antarktis, findet sich der Pinguin mittlerweile auf unzähligen Bildern im Netz. Er ist ein Bestandteil des Internetmemes Socially Awkward Pinguin, das mit mal mehr, mal weniger witzigen Zweizeilern peinliche Alltagssituationen beschreibt.

Dass das Bild von George F. Mobley stammt, dürfte dagegen kaum jemand wissen. Auch die Betreiber des deutschen Blogs Geeksisters wussten es nicht – jedenfalls nicht, bis vor Kurzem eine E-Mail der Fotoagentur Getty Images in ihrem Postfach landete, wie die für das Blogprojekt verantwortliche Firma getDigital schreibt.

785,40 Euro sollen sie an Getty Images zahlen, weil sie in ihrem Blog vor drei Jahren einige Versionen des Pinguin-Memes veröffentlicht hatten. Die Fotoagentur, zu deren Kunden auch ZEIT ONLINE zählt, hält nämlich die Rechte an Mobleys Bild. Wie es in dem Schreiben heißt, verstehe Getty, dass "die Nutzung wahrscheinlich unabsichtlich geschah", weshalb die Agentur einen Vergleich anbiete, um den Fall schnell abzuschließen. Trotzdem liegt der geforderte Beitrag weit über dem, der für eine legale Lizenz fällig gewesen wäre.

Die Betreiber von getDigital haben der Zahlung dennoch zugestimmt und die Bilder gelöscht. Der Aufforderung Gettys, unter Androhung von rechtlichen Schritten, nicht über den Fall zu berichten, sind sie aber nicht nachgekommen. Sie haben den Schriftverkehr jetzt veröffentlicht, damit auch andere Blogger und Internetnutzer davon erfahren und möglicherweise reagieren können, wenn sie selbst die Bilder auf ihrer Seite haben. Als Alternative liefern sie eine neue, frei nutzbare Version des Socially Awkward Penguin gleich mit.

Memes in der Urheberrechtsfalle

An den Fall sind einige wichtige Fragen geknüpft. Zum Beispiel: Liegt Getty Images im Recht? "Prinzipiell besteht an jedem Foto und jeder Zeichnung ein Urheberrecht", sagt der Rechtsanwalt Björn Leineweber im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Das gilt somit auch für den Socially Awkward Penguin, aber auch für alle anderen Memes oder Teile von ihnen, sofern die Urheber sich nicht ausdrücklich für eine Creative-Commons-Lizenz oder eine gemeinfreie Nutzung entschieden haben.

Genau hier fängt das Problem an. Viele Bilder werden eher zufällig zum Meme und die Urheber des Originals sind in vielen Fällen gar nicht genau bekannt. Die Werke verbreiten sich über soziale Netzwerke, werden verändert, bearbeitet, in verschiedenen Kontexten eingesetzt und dienen schließlich gewissermaßen nur noch als generische Vorlage. In Fällen wie dem Socially Awkward Pinguin, Scumbag Steve oder Confession Bear wurden die Bilder von Dritten ungefragt verwendet, natürlich ohne zu wissen, dass sie es eines Tages in den Kanon der Netzkultur eingehen.

Da der Ursprung in vielen Fällen schlicht nicht klar ist, geschehe das Verbreiten von Memes im Internet immer auf eigene Gefahr, sagt Leineweber. Trotzdem seien Abmahnungen bei der Verbreitung von Memes eher die Ausnahme als die Regel.

Sind Memes geschützt?

Das liegt auch daran, dass es im Urheberrecht traditionell viel Spielraum für unterschiedliche Auslegungen gibt, was zur zweiten Frage führt: Stellt ein Meme, das zigtausendfach in verschiedenen Versionen im Netz auftaucht, nicht eine Ausnahme dar? Hier prallen häufig die in den USA als Fair Use bekannte Regel und das europäische und vor allem deutsche Urheberrecht aufeinander. Während Memes, gerade die nichtkommerzielle Nutzung, in den USA häufig von der Fair-Use-Regel profitieren, ist die Rechtslage in Deutschland strikter.

Zwar gibt es auch hierzulande das Recht, neue Werke auf Basis eines anderen zu erschaffen, sofern die Züge des Originalwerks verblassen. Ob Memes aber nun eine eigenständige Bearbeitung darstellen, ist Ansichtssache. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung argumentiert der Rechtsanwalt Udo Vetter, dass zwischen einer Tieraufnahme und dem illustrierten Witz des Memes ein Unterschied besteht, die Veränderung also ausreichend ist. Leineweber dagegen glaubt, dass die Originalaufnahme zum Wiedererkennungswert des Memes beiträgt, selbst wenn der Text den Witz ausmacht.

Auch das ebenfalls oft angeführte Zitatrecht greife seiner Meinung nach nicht: "Wort und Bild stehen meist nicht derart in Verbindung, dass der Text ein eigenständiges Werk darstellt, in dem die Anführung des Bildes als Zitat notwendig ist", sagt Leineweber. Wer aber nun ein Meme verbreitet, zitiert eben nicht nur den Text, sondern verbreitet auch das potenziell urheberrechtlich geschützte Bild. Und selbst wenn das Zitatrecht greifen würde, müsste in jedem Fall die Originalquelle genannt werden – was im Fall von Internetmemes in den meisten Fällen schlicht nicht möglich ist.