Der Döner ist noch nicht in der digitalen Ära angekommen. Es gibt ihn nicht als Emoji auf dem Smartphone, in Apps und sozialen Netzwerken. Und auch kein Gyros, Schawarma, Falafel oder sonstige Köstlichkeiten, die sich in ein Fladenbrot stopfen lassen. Doch das könnte sich bald ändern. Für das kommende Jahr stehen nach der aktuellen Liste des Unicode-Konsortiums 63 Kandidaten für neue Emojis zur Debatte. Neben dem Symbol des generisch genannten stuffed flatbread, vulgo Döner, werden Emojis für Selfies, Enten, Speck und modernen Fünfkampf vorgeschlagen.

Viel wurde in den vergangenen Jahren über Emojis geschrieben, der Tenor war stets ähnlich: Dank der zunehmenden Nutzung von Smartphones, Apps und sozialen Netzwerken haben sich Emojis in unseren digitalen Alltag geschlichen und lösen die altbekannten Emoticons, auch Smileys genannt, immer häufiger ab. Vor allem jüngere Menschen nutzen statt Worte in vielen Situationen inzwischen Emojis, deren Nutzung und Bedeutung sich teilweise von Land zu Land unterscheiden, wie eine Datenanalyse der Tastatur-App SwiftKey im Frühjahr bestätigte.

Einige Sprachwissenschaftler, wie der Brite Vyvyan Evans oder die Amerikanerin Lisa Lebduska, sehen in ihnen eine neue Lingua franca, eine Verkehrssprache, die über Länder- und Kulturgrenzen hinweg funktioniert. Andere sehen Emojis vor allem als Ergänzung der Schriftsprache, als eine emotionale Ebene, die kulturelle und individuelle Merkmale beibehält. Emojis ersetzen dabei nicht bloß einzelne Wörter, sondern liefern Kontext und Hintergrund. Das Döner-Emoji muss also nicht zwangsweise das Wort ersetzen, sondern könnte stellvertretend für jeglichen Imbiss stehen oder einfach für das Bedürfnis nach fettigem Essen nach einer durchzechten Nacht.

Ursprung in Japan

Aber wieso sollte der Döner überhaupt in Form eines Emoji in die Smartphones und Messenger gelangen? Die Antwort liegt im Silicon Valley, genauer gesagt in Mountain View. Dort ist das gemeinnützige Unicode-Konsortium angesiedelt, eine Kommission, die den internationalen Standard Unicode seit 1991 pflegt und weiterentwickelt. Unicode ist, vereinfacht gesagt, ein riesiger Zeichensatz, der die grafische Darstellung von Schriftzeichen (die sogenannten Glyphen) in digitalem Code festlegt, und zwar über viele Schriftsysteme hinweg. Dass unser Browser etwa problemlos kyrillische oder arabische Schrift auf Websites darstellen kann, ist auch Unicode zu verdanken.

In der knapp 25-jährigen Geschichte von Unicode spielten Emojis, wie wir sie heute kennen, lange Zeit keine Rolle. Sie entstanden Ende der neunziger Jahre in Japan, als der Mobilfunkbetreiber NTT DoCoMo Symbole für sein Portal i-mode einführte. Das Wort Emoji selbst ist eine Zusammensetzung aus den japanischen Schriftzeichen e (Bild), mo (Schreiben) und ji (Buchstabe). Die Symbole verbreiteten sich schnell unter japanischen Nutzern, doch für alle anderen gab es ein Problem: Websites und Programme, die zur Schriftcodierung Unicode nutzten, konnten sie nicht darstellen. Zudem hatten viele Dienste und Netzbetreiber eigene Emojis, die nicht mit anderen kompatibel waren – keine gute Voraussetzung für eine neue Kommunikationsform.

Das Problem war schnell bekannt, und trotzdem dauerte es bis zum Jahr 2010, bis 722 standardisierte Emojis den Weg in Unicode 6.0 fanden. Gerade noch rechtzeitig zum Aufstieg der Smartphones und neuen Messenger-Apps wie WhatsApp kamen die Emojis somit auf die Geräte der Nutzer. Wohlgemerkt bedeutet die Standardisierung nicht, dass Emojis immer gleich aussehen. Das als Face With Tears of Joy bekannte Emoji 😂 etwa sieht in Android, in iOS, in einigen Apps oder einzelnen Geräten wie Samsungs Galaxy anders aus, basiert aber auf dem gleichen Unicode-Codepunkt U+1F602.