Freies WLAN in jedem Park – wäre das nicht ein Traum? Und was, wenn Ampeln die Verkehrslage erkennen könnten und sich automatisch darauf einstellen würden? So etwas zu programmieren, haben Hacker-Talente letztes Jahr bei "Jugend hackt" gelernt. Das Programm der Open Knowledge Foundation Deutschland fördert Jugendliche, die coden lernen wollen. Auf dem viertägigen Hackertreffen, das der Chaos Computer Club gerade in Hamburg ausrichtet, stellten sie ihre Projekte vor. Eine von ihnen ist Leeloo, 13.

ZEIT ONLINE: Bist du ein Kind gewesen, das schon mit fünf auf Smartphones rumgewischt hat?

Leeloo: Nein, früher habe ich immer nur auf die Tastatur vom Computer gehauen. Ich hatte dann früh ein Handy, weil ich allein zur Schule gefahren bin. Irgendwann kam ein Tablet dazu. Alles ganz normal.

ZEIT ONLINE: Wer hat dich zur Hackerin gemacht?

Leeloo: Mein Vater kann programmieren und wir haben schon zu Hause mit den Legorobotern Mindstorms und auf der Seite mit CodeCombat herumprobiert. Ein Kumpel meines Vaters hat dann die Coder Dojos vorgeschlagen und von dort bin ich zu Jugend hackt gekommen.

ZEIT ONLINE: Wie war es das erste Mal bei Jugend hackt?

Leeloo: Cool, ich bin mit meinen Freundinnen hingegangen. Erst habe ich gedacht, dass ich mit Programmierern nicht zusammenarbeiten könnte. Wir hatten alle wenig Erfahrung. Aber das muss man am Anfang auch nicht. Mit den Mentoren haben wir dann Treefi programmiert.

ZEIT ONLINE: Was ist Treefi?

Leeloo: Treefi ist unser Projekt. Wir packen WLAN-Router auf Bäume. Damit der Router funktioniert, muss man auf einem Fahrrad strampeln. Das erzeugt per Dynamo Strom. Der Strom geht gleichzeitig zu einer Pumpe, die den Baum bewässert. Es ist also eine Sache, bei der alle gewinnen: Wir bekommen kostenfreies WLAN und treiben Sport, der Baum bekommt Wasser. Wir mussten dann noch die Anlage programmieren.

ZEIT ONLINE: Wie wollt ihr weitermachen?

Leeloo: Wir haben Angebote von Firmen bekommen, die das realisieren wollen. Das wäre natürlich super. Vielleicht wird es sogar bald im Berliner Technikmuseum ausgestellt.

ZEIT ONLINE: Was reizt dich am Programmieren am meisten?

Leeloo: Ich finde es cool, etwas zu verbessern. Und ich habe am Ende ein Produkt, das andere Leute glücklich oder das Leben für jemanden einfacher macht. Das ist ein wunderschönes Gefühl.

ZEIT ONLINE: Gab es in der Schule auch Angebote für hackerfreudige Jugendliche?

Leeloo: Wir haben ein Fach, das nennt sich ITG, informationstechnische Grundbildung. Da lernt man Grundlagen: Wie schalte ich den Computer an, wie formatiere ich ein Word-Dokument, wie drucke ich es aus. Wir haben zum Beispiel die Regeln zur Benutzung des Computerraums abgeschrieben und dann ausgedruckt.

ZEIT ONLINE: Klingt nicht so spannend. Bist du da unterfordert?

Leeloo: Natürlich hab ich bei Word auch etwas Neues gelernt. Aber ansonsten war es ziemlich langweilig.

ZEIT ONLINE: Wir sitzen mitten auf einem Hackerkongress. Würdest du dich selbst als Hackerin bezeichnen?

Leeloo: Eigentlich nicht, weil ich nicht so gut programmieren kann. Das ist es halt. Ich fange jetzt im Moment mit Java an, daneben in der Konsole ein bisschen. Aber das ist jetzt noch nicht so richtiges Programmieren.

ZEIT ONLINE: Hast du schon einmal etwas von der Hackerethik gehört?

Leeloo: Ja, hab ich. Man soll die Daten von anderen respektieren, sie nicht verändern oder für eigene Zwecke benutzen, sondern so, dass die Welt besser wird.

ZEIT ONLINE: Kannst du dich damit identifizieren?

Leeloo: Ich würde sagen Ja. Treefi nutze ich auch nicht für den eigenen Profit, sondern damit es mehr WLAN und Bäume gibt. Das ist auch das Motto von Jugend hackt: Mit Code die Welt verbessern.