Würde man den Börsenverlauf der letzten sechs Monate von GoPro in einem Video darstellen, dann wäre es eine spektakuläre Talfahrt mit dem Mountainbike. Das hat nun Folgen: GoPro will etwa 100 seiner 1.500 Mitarbeiter entlassen, das sind rund sieben Prozent der Belegschaft.

Im August lag die Aktie des Herstellers von Action-Kameras noch bei 58 US-Dollar und verlor anschließend kontinuierlich an Wert. Auch die neuen Zahlen für das Weihnachtsquartal, die GoPro am Mittwoch vorgestellt hat, bestätigen die Pessimisten. Für das vierte Quartal 2015 konnte der Hersteller einen Erlös von 435 Millionen Dollar (etwa 400 Millionen Euro) verbuchen. Die Firma selbst rechnete zuvor mit einem Erlös von 500 bis 550 Millionen Dollar. Die Aktie fiel nach der Bekanntgabe weiter und ist momentan für unter elf Dollar zu haben.

GoPro hat im wichtigen Weihnachtsgeschäft vor allem auf die Kamera Hero 4 Session gesetzt, die das Unternehmen im Juli für 400 Dollar auf den Markt gebracht hat. Doch die Kunden ließen die Actioncam im Regal liegen, woraufhin GoPro den Preis im Oktober auf 300 Dollar, im Dezember auf 200 Dollar senkte. Neben den Preissenkungen sorgten auch überfüllte Lager für das schlechte Quartalsergebnis. "Sie haben den Markt völlig falsch eingeschätzt", sagt Marktanalyst Jan Dawson dem Wall Street Journal. Dawson betont aber auch, dass GoPro nur bei diesem einen Produkt versagt habe, und dass es mit der Firma wieder aufwärts gehen könne.

Konkurrenz im eigenen Haus


Dass GoPro überhaupt Probleme bekommt, galt lange Zeit als unwahrscheinlich, schließlich ist die Erfolgsgeschichte der Firma beachtlich. Der Kalifornier Nick Woodman gründete GoPro im Jahr 2002 mit dem Ziel,  eine handliche und wasserdichte Kamera für Surfer zu entwickeln. Die ersten Modelle enthielten noch einen 35-Millimeter-Film und wurden von Woodman am Strand aus seinem Van heraus verkauft. Der Durchbruch kam ab 2008, als GoPro zunehmend Extremsportler für Aufnahmen begeistern konnte und die Videos anschließend auf YouTube millionenfach geteilt wurden. In den vergangenen Jahren profitierte das Unternehmen stark von seiner Präsenz in den Sozialen Netzwerken und wirksamen Marketing.

Genau das könnte GoPro nun zum Verhängnis werden: Der Markt der Action-Kameras ist zunehmend gesättigt. Jeder, der eine GoPro haben will oder braucht, hat vermutlich schon eine. Für den Massenmarkt sind die Kameras nicht attraktiv genug, schließlich führt nicht jeder das Leben eines Extremsportlers. Wer will sich schon bei acht Stunden Arbeit oder dem täglichen Waldspaziergang filmen?

Weiterhin sind die bisherigen GoPro-Besitzer offenbar nicht bereit, ihre Kameras immer wieder gegen ein neueres Modell auszutauschen. Die Vorgängermodelle der Hero 4 Session etwa sind immer noch bei Neukunden beliebt, weil sie technisch immer noch für die meisten Situationen auf der Höhe sind. Bereits im September musste Woodman auf der Techcrunch Disrupt Conference zugeben, dass das neue Kamera-Modell hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Für Gelegenheitsfilmer nicht attraktiv genug

Der Firmengründer erklärte die schlechten Ergebnisse mit den starken Verkaufszahlen der Vorgängermodelle Hero 4 Silver und Hero 4 Black: "Es läuft gut, aber nicht so, wie wir erwartet haben, aufgrund der Stärke von Silver und Black", sagt Woodman. Die Hero 4 Session konkurriert also mit den hauseigenen Produkten und verliert bei neuen und bestehenden Kunden.

Gleichzeitig muss das Unternehmen auf die Konkurrenten achten, die günstigere Kameras auf den Markt bringen. So bietet der chinesische Hersteller Xiaomi seine Actioncam Yi für nur 65 Dollar an. Zum Vergleich: Die günstigste GoPro startet bei 130 Dollar. Auch Unternehmen wie HTC, Sony oder der deutsche Hersteller Rollei sind längst in den Markt eingestiegen. 

Zwar bieten Modelle wie die Yi von Xiaomi weniger Funktionen, sind aber aufgrund des günstigen Preises vor allem für Gelegenheitsfilmer interessanter als die Produkte von GoPro. "Obwohl der Name GoPro synonym für Action-Kameras steht, ist die Firma im Weihnachtsgeschäft in einer Lawine von Nachahmern untergegangen", sagt Analyst Ben Wood im Gespräch mit der Financial Times.

Hoffnung liegt in der Luft

Ganz aufgegeben haben die Marktbeobachter das Unternehmen allerdings nicht. Sie hoffen auf die neuen Produkte der Firma. So äußert sich etwa der Analyst Shebly Seyrafi im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters optimistisch: "Sobald GoPro die Hero 5 verkauft, kommt das Unternehmen wieder auf die Beine." Das neue Modell soll noch 2016 erscheinen.

Des Weiteren steht die erste Drohne der Firma in den Startlöchern und soll ebenfalls noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Zusätzlich hat Woodman auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas vor einer Woche eine 360-Grad-Kamera angekündigt, nannte aber noch keinen Starttermin.