Moment, Paris liegt in Deutschland? Mit diesem Tweet belustigt der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump einmal mehr seine Gegner. Löschen wird er den Tweet wohl nicht. Das unterscheidet ihn von vielen Politikern, die immer mal wieder versuchen, ihre strittigen Aussagen nachträglich aus dem Netz zu entfernen. 

Trump ist da schmerz- und schamlos, wie das Paris-Beispiel illustriert. Es ist unklar, ob er in seinem Tweet zwei verschiedene Themen hatte ansprechen wollen oder ob er wirklich glaubt, dass Paris in Deutschland liegt. Die Twitter-Nutzer jedenfalls haben sich mehrheitlich für die zweite Variante entschieden und machen sich mit dem Hashtag #getsmart über ihn lustig.

Ihre Kommentare würden viele Politiker dazu bewegen, einen Tweet genauer zu erklären oder ganz zu löschen. Aber nicht Donald Trump. Deshalb sind viele seiner haarsträubenden Aussagen auf Twitter für die Nachwelt archiviert.

Trumps Markenkern

Für Trump ist die Geburtsurkunde des US-Präsidenten Barack Obama eine Fälschung ...

...verursachen Energiesparlampen Krebs ...

 ...und ist US-Senator Rand Paul ein verwöhntes Kind ohne funktionierendes Gehirn.

Wenn Trump doch mal etwas löscht, sind meist seine Mitarbeiter schuld. So geschehen im April, als Trump den Tweet eines anderen Nutzers zitierte: "Wenn Hillary Clinton ihren Mann nicht befriedigen kann, warum glaubt sie, dass sie Amerika befriedigen kann?" Der Tweet war nur kurz online und wurde laut Trumps Pressesprecher von einem seiner Mitarbeiter verfasst.

Ähnlich war es im Juli: Trump zitierte einen anderen Nutzer, der über seinen Konkurrenten Jeb Bush herzog: "#JebBush muss illegale Einwanderer aus Mexiko mögen, wegen seiner Frau." Jeb Bush ist seit 1974 mit Columba Bush verheiratet, die aus Mexiko stammt. Diesmal äußerte sich Trump nicht dazu, warum der Tweet gelöscht wurde.

Zuletzt hatten er oder jemand aus seinem Team im Oktober einen Tweet gelöscht, der die Wähler im US-Bundesstaat Iowa beleidigte. Schuld soll ein Praktikant gewesen sein, behauptet Trump in einem Folge-Tweet.

Solche Fälle bleiben Ausnahmen von der Regel. Trump scheint auf Twitter den Konflikt geradezu zu suchen.

Löschen bringt nichts mehr

Andere Politiker löschen ihre Tweets lieber sofort, wenn sich ein Shitstorm abzeichnet. Aber das ist schwieriger geworden. Viele Aussagen gehen als Screenshot viral durch das Netz, die von anderen Nutzern vor dem Löschversuch aufgenommen wurden. Vor allem aber sorgt die Seite Politwoops dafür, dass peinliche Tweets erhalten bleiben.

Politwoops wurde 2010 von der Nichtregierungsorganisationen (NGO) Open State Foundation in den Niederlanden gegründet. In den USA kümmert sich die NGO Sunlight Foundationum die Seite. Die Angebote sollen für mehr Transparenz in der Politik sorgen, das ist das erklärte Ziel. Politwoops archiviert zu diesem Zweck gelöschte Tweets von Politikern in 31 Staaten sowie von Mitgliedern des EU-Parlaments und der EU-Kommission.

Comeback auch in Deutschland

Allerdings musste Politwoops im Juni 2014 eine unfreiwillige Auszeit nehmen, weil Twitter den Machern plötzlich den Zugriff auf die Programmierschnittstelle verweigerte. Die Website konnte dadurch keine gelöschten Tweets mehr anzeigen. Die Privatsphäre der Nutzer soll der Grund für die Abschaltung gewesen sein, teilte Twitter mit.

Seit dem 31. Dezember ist Politwoops in 25 Ländern wieder online – darunter auch in Deutschland. Die Open State Foundation konnte sich mit Twitter einigen. Warum Twitter seine Programmierschnittstelle für die Webseite wieder geöffnet hat, ist nicht ganz klar. Es hat mehrere Gespräche gegeben, Einzelheiten sind aber nicht bekannt.

Zwar ist die US-Version der Seite noch nicht wieder aktiv, aber auch das soll sich in den kommenden Tagen ändern.