Von solch prominenten Gästen träumen selbst die Veranstalter der größten Technikkonferenzen: Am vergangenen Freitag trafen sich Apples CEO Tim Cook, YouTubes Susan Wojcicki und Facebooks Sheryl Sandberg, sowie ranghohe Manager von Microsoft, Intel und Dropbox an einem geheimen Ort im Silicon Valley. Geladen hatte die US-Regierung und auf ihrer Seite des Tisches saßen unter anderem FBI-Direktor James Comey, Geheimdienstdirektor James Clapper sowie der Stabschef des Weißen Hauses, Denis McDonough.

Treffen zwischen Vertretern der Technikbranche und des Weißen Hauses gibt es immer mal wieder, aber in diesem Fall war der Anlass die Bedrohung durch den Terrorismus. In der vorab veröffentlichten Agenda ging es um die Frage, "wie wir es Terroristen erschweren können, das Internet für ihre Zwecke zu missbrauchen". Genauer: Wie man Inhalte erstellen kann, um die Terrormiliz IS zu untergraben und wie sich Technologie nutzen lässt, um "die Pfade zur Radikalisierung zu unterbrechen". Geklärt werden sollte, ob und wie die Unternehmen aus dem Silicon Valley bei der Terrorismusbekämpfung eine aktivere Rolle als bisher einnehmen können.

Das Treffen ist nicht nur wegen seiner ranghohen Teilnehmer bemerkenswert. Es ist ein kleines Eingeständnis der US-Regierung, im Kampf gegen den Terrorismus im Internet nicht mehr nur auf die eigenen Ressourcen setzen zu können oder zu wollen. Es bedeutet eine Annäherung von Geheimdiensten und Technikunternehmen, deren Verhältnis sich in den vergangenen beiden Jahren verschlechtert hatte: Erst vor kurzem etwa wurden von der NSA eingeschleuste Hintertüren in der Router-Software von Juniper Networks entdeckt – nur ein Beispiel dafür, wie die Geheimdienste bekannte Unternehmen unterwandern.

"Ich war angenehm überrascht vom Ton der Diskussion", zitiert der Guardian den Chef von Intel Security, Michael Young. Auch andere, nicht namentlich genannte Teilnehmer sollen sich positiv geäußert haben. Vonseiten der US-Regierung hieß es, viele Technikunternehmen werden "von patriotischen Amerikanern geleitet", die durchaus bereit seien, mit den Behörden zu kooperieren. In einer Pressemitteilung gab Facebook bekannt, man sei "vereint in der Absicht, Terroristen und ihre Propaganda aus dem Internet fernzuhalten".

Lässt sich Radikalisierung messen?

Ein Teil der Diskussion beschäftigte sich folglich mit der Frage, wie soziale Netzwerke mit der Mobilisierung und Radikalisierung auf ihrer Plattform umgehen. In Auszügen der Agenda, die das Portal The Intercept veröffentlichte, ist die Rede von Technologien, die "den Grad der Radikalisierung" messen und es somit erleichtern, entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Gleichzeitig heißt es, eine solche Praxis müsse mit dem Grundrecht der Meinungsfreiheit und der Privatsphäre der Nutzer vereinbar sein.

Dienste wie Facebook und Twitter verbieten bereits die Verbreitung von Propaganda, allerdings bleiben die Meldemechanismen häufig unwirksam. Und um an bestimmte Nutzerdaten wie etwa die IP- oder E-Mail-Adresse zu gelangen, benötigen die Ermittler einen richterlichen Beschluss, was zwar nicht allzu schwierig ist, aber Verwaltungsarbeit bedeutet. Die US-Regierung wünscht sich deshalb ein System, das auffällige Nutzer leichter erkennt und seine Funde an die jeweiligen Behörden meldet. Die Idee ist nicht gänzlich abwegig; erst vor wenigen Tagen stellten Informatiker der Universität von Pennsylvania einen Algorithmus vor, der bestimmte Nutzer in sozialen Netzwerken überwacht und gleichzeitig, und das ist die Crux, andere von der Überwachung ausschließt.

Die Vorschläge sind theoretischer Natur, aber das macht sie nicht weniger interessant. So scheinen die Behörden zu versuchen, die Technikunternehmen im Dienste der Terrorabwehr nicht mehr juristisch zu umgehen, sondern sie für ein gemeinsames Ziel zu gewinnen und gegebenenfalls autonom agieren zu lassen: In einem vorab an die Unternehmensvertreter verschickten Briefing wird die Frage gestellt, ob ein automatisiertes Meldesystem leichter zu realisieren sei, wenn es "eindeutig unabhängig vom Einfluss der Regierung" ist.