Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat zum Auftakt seines zweitägigen Berlin-Besuchs europaweite Forschungspartnerschaften im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) angekündigt. In der ersten Runde spendet der US-Konzern 25 Hochleistungsserver im Wert von insgesamt rund 1,1 Millionen Euro an Forschungsinstitute in Deutschland und ganz Europa. Zu den ersten Empfängern gehört die TU Berlin.

Die großen IT-Konzerne in den USA – von IBM über Amazon, Apple, Google und Microsoft bis hin zu Facebook – investieren derzeit umfangreich in künstliche Intelligenz, also Systeme, die ständig lernen und sich selbst optimieren. "Artificial Intelligence kann etwa dazu beitragen, dass künftig Autos sicherer fahren als heute", sagte Zuckerberg in Berlin.

KI spielt auch bei der Erkennung von Bildinhalten oder der Spracherkennung und der Interpretation der gesprochenen Inhalte eine entscheidende Rolle. So werden KI-Methoden bei Systemen wie Amazon Echo, Cortana (Microsoft), Siri (Apple) oder Google Now verwendet. "Facebook verwendet beispielsweise KI, um Bildinhalte zu erkennen, gewünschte Inhalte sichtbar zu machen und schlechte und unerwünschte auszublenden", sagte Zuckerberg.

Rechner nicht mit Facebook verbunden

Das Unternehmen betreibt dazu das eigene Facebook Artificial Research Lab (Fair). Die Wissenschaftler aus dem Fair sollen die europäischen Institute nun bei ihrer laufenden Forschungsarbeit unterstützen. Das Engagement von Facebook werde über die in der ersten Runde zugesagten 1,1 Millionen Euro hinausgehen.

Bereits im Dezember hatte Facebook unter dem Namen Big Sur eine Server-Architektur vorgestellt, die gezielt für maschinelles Lernen eingesetzt werden soll. Auch Google stellt Forschern Teile seiner Entwicklungen unter einer Open-Source-Lizenz zur Verfügung. Der Plan: Je mehr Wissenschaftler an Künstlicher Intelligenz mitarbeiten, desto schneller entwickelt sich die Branche – und davon profitieren am Ende wieder Unternehmen wie Facebook und Google.

Die Rechner, die an die Institute in Europa gehen, enthalten jeweils acht teure Hochleistungsgrafikchips, die Facebook selbst bei seinen KI-Projekten verwendet. Mithilfe der Grafikchips (GPU) könne die Lerngeschwindigkeit eines KI-Rechners um den Faktor 10 im Vergleich zu einer Maschine ohne spezielle GPU erhöht werden.

Bei den geförderten KI-Forschungsprojekten wird nach Angaben von Facebook nicht auf Daten von Anwendern des Sozialen Netzwerks zugegriffen. Die Rechner seien auch nicht mit dem Facebook-Netzwerk verbunden.

Künstliche Intelligenz soll Krebsmuster erkennen

An der TU Berlin und dem Berliner Universitätskrankenhaus Charité sollen die Rechner unter anderem in einem Projekt für die Analyse von Gewebsproben zur Behandlung von Brustkrebs eingesetzt werden. "Mit KI können wir Krebsmuster auf Bildern so gut erkennen wie der beste Arzt der Welt", stellte Zuckerberg in Aussicht. Am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft sollen mit der neuen gespendeten Hardware Molekül-Modelle mit selbst lernenden Netzwerken berechnet werden.

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) lobte das Engagement von Facebook als "bedeutenden Baustein für die Entwicklung der Digitalisierung". Deutschland sei einer der führenden Technologie- und Forschungsstandorte weltweit. "Deshalb begrüße ich sehr, dass von Facebook mit der Technischen Universität Berlin eine deutsche Forschungseinrichtung als erstes für eine Kooperation ausgewählt wurde. Dies ist ein Zeugnis für die Innovationskraft Deutschlands und die Exzellenz der deutschen Forscher und Entwickler."