In seinem letzten Jahr als US-Präsident versucht Barack Obama noch einmal, die Waffengewalt in seinem Land in den Griff zu bekommen. Anfang des Jahres legte er einen Vorschlag für ein neues, strengeres Waffenrecht vor, und auch wenn die Verabschiedung aufgrund starker politischer Opposition und dem Einfluss der Waffenlobby unwahrscheinlich ist, hofft Obama auf Unterstützung aus der Wirtschaft – nicht zuletzt auf Unternehmen wie Facebook.

In mehreren Tweets und Aussagen erwähnte Obama in den vergangenen Monaten das Internet, in dem Käufer ohne Zuverlässigkeitsprüfung, den sogenannten background check, vergleichsweise einfach an Schusswaffen gelangen. Das ist nicht illegal, in den USA ist es Privatpersonen in vielen Bundesstaaten erlaubt, Waffen untereinander zu verkaufen und dabei die Zuverlässigkeitsprüfung zu umgehen. Und nicht selten treffen sich Käufer und Verkäufer auf Plattformen wie Facebook oder Instagram.

Facebook kommt nun Obamas Wunsch nach strengerer Kontrolle nach. Wie die New York Times und Reuters berichten, verbietet das Soziale Netzwerk ab sofort, Waffen zum Verkauf anzubieten oder den Verkauf über die Plattform zu koordinieren – jedenfalls wenn es sich um Privatpersonen handelt. Lizenzierte Waffenhändler können ihre Dienste und Waren weiterhin in ihrem Profil feilbieten, denn sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, einen background check für jeden Käufer durchzuführen.

Die Nutzer sollen Angebote melden

Bereits vor zwei Jahren verschärften Facebook und seine Tochter Instagram die Richtlinien bezüglich Waffenverkäufen. So bekamen Minderjährige entsprechende Beiträge ausgeblendet und es war Nutzern untersagt, Waffen ohne Zuverlässigkeitsprüfung zum Verkauf anzubieten. Mit der jüngsten Änderung soll neben dem Verkauf von Marihuana, Medizin und illegalen Drogen auch der Verkauf von Waffen generell verboten werden.

Um das durchzusetzen, ist das Netzwerk auf seine Nutzer angewiesen. Man wolle entsprechende Beiträge löschen, die von anderen Nutzern gemeldet werden, teilt das Unternehmen mit. Das gelte auch für den Facebook Messenger. Je nach dem Grad des Verstoßes könnten die Nutzer eingeschränkt oder komplett von Facebook ausgeschlossen werden. Falls das Unternehmen befürchtet, ein Leben könne konkret in Gefahr sein, werde man die Informationen an die Behörden weiterleiten.

Der New Yorker Generalstaatsanwalt und Gegner der Waffenlobby, Eric Schneiderman, begrüßte das Vorgehen ebenso wie verschiedene Bürgerrechtsorganisationen. Sie hoffen, Facebook könne ein Vorbild für andere Plattformen und Dienste um Netz sein. Dabei ist es fraglich, ob ein strenges Verbot von Waffenverkäufen auf Facebook überhaupt etwas verändert. Häufig treffen sich Anbieter und Käufer in privaten Gruppen, Administratoren müssen jedes neues Mitglied freischalten und es ist unwahrscheinlich, dass Waffenfreunde sich untereinander anschwärzen. Und ohne Meldung durch andere Nutzer wird Facebook nicht tätig.

Bezahlung auf der Plattform

Die Entscheidung des Unternehmens ist deshalb zunächst vor allem ein wohlwollendes Signal an die Obama-Regierung und deren Forderungen nach stärkerer Kontrolle. Es ist aber auch ein Zeichen für die neue Rolle Facebooks, das längst mehr ist als ein Soziales Netzwerk. Es ist auch ein Marktplatz, und mit neuen Funktionen kommt neue Verantwortung auf das Unternehmen zu.

Noch vor zwei Jahren konnte sich Facebook darauf beziehen, dass tatsächlich keine Verkäufe auf der eigenen Plattform stattfanden: Nutzer konnten zwar Schusswaffen anbieten, die eigentliche Transaktion aber fand abseits statt, was unter Umständen ein wichtiges juristisches Detail darstellt.

Mittlerweile aber hat Facebook seine Dienste ausgebaut. Seit dem vergangenen Sommer ist es US-Nutzern möglich, sich untereinander über den Messenger Geld zu überweisen. Wer einmal seine Kreditkartendaten hinterlegt hat, kann befreundeten Nutzern in nur wenigen Klicks Geldbeträge überweisen. Gleichzeitig gibt es neue Funktionen für Händler, mit ihren Kunden in Kontakt zu treten, sei es für die Statusabfrage von Bestellungen oder durch Support. Es ist Teil einer größeren Strategie, den Facebook Messenger zur Plattform zu machen und immer mehr Dienstleister in das eigene Ökosystem zu locken.

"In den vergangenen beiden Jahren haben immer mehr Menschen Facebook genutzt, um Produkte zu finden und Waren untereinander zu verkaufen", sagt Monika Bickert, Facebooks Head of Global Policy Management und damit so etwas wie die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit. Dementsprechend sei es notwendig, die Richtlinien anzupassen. Der Verkauf von Schusswaffen, erst recht, wenn er Gesetze umgeht, passt freilich nicht in Facebooks Bild vom Marktplatz der Zukunft. Das neu eingeführte Verbot hat deshalb vor allem symbolischen Charakter: Auf dem Weg zur Service- und Shoppingplattform will sich Facebook früh des Eindrucks erwehren, es würde illegale Aktivitäten dulden.