Stimmenauszählung im Jahr 2012 bei den Republikanern in Des Moines, Iowa. © Jewel Samad/AFP/Getty Images

Microsoft hat eine App für genau 3.362 Nutzer entwickelt und ist fest davon überzeugt, dass sich der Aufwand lohnt. Die namenlose App soll am Montagabend von den je 1.681 demokratischen und republikanischen Wahlkreisleitern in Iowa benutzt werden, um die Vorwahlergebnisse an die Parteizentralen in der Hauptstadt Des Moines zu melden. Das Unternehmen erhofft sich dadurch einen Imagegewinn. Die Parteien, insbesondere die Republikaner, hoffen auf akkurate Ergebnisse, weil sie sich mit Grausen an das Jahr 2012 erinnern.

Damals hatte die Partei zunächst Mitt Romney zum Sieger in Iowa erklärt, mit gerade einmal acht Stimmen Vorsprung. Acht von mehr als 100.000. Zwei Wochen später, nach einer Überprüfung der Zahlen, lag plötzlich Rick Santorum vorne, er hatte demnach 34 Stimmen mehr als Romney. Doch ob diese Zahl nun stimmte, wird nie jemand erfahren, denn die Republikaner mussten feststellen, dass zahlreiche Wahlkreise falsche Ergebnisse gemeldet hatten – oder gar keine.

Ein Grund für die Pannen war das Meldesystem: Die Wahlkreisleiter gaben ihre Ergebnisse auf Telefontastaturen ein, und ob sich jemand dabei vertippte, war von außen nicht nachvollziehbar. Einen technischen Gegencheck gab es nicht, nur einen postalischen, weil die Ergebnisse einige Tage später auch per Post in Des Moines eingingen.

Microsofts Melde-App auf den Smartphones der Wahlkreisleiter

Microsoft möchte nun beweisen, dass es eine bessere, sichere und vor allem präzise technische Lösung entwickeln kann – eine cloudbasierte App. Dan'l Lewin, bei Microsoft für den Bereich Technology & Civic Engagement verantwortlich, hat klar zum Ausdruck gebracht, dass es um Eigenwerbung geht, und um die Konkurrenz aus dem Silicon Valley: "Wir wissen, dass die Parteien Twitter und Facebook benutzen, unsere Suchmaschine Bing und auch Google. Also suchen wir nach passenden Gelegenheiten, um zu zeigen, wie unsere Technik effektiv verwendet werden kann."

Die App läuft auf den persönlichen Smartphones und Tablets der Wahlkreisleiter, es gibt sie für Android, iOS und Windows. Weil die Stimmenzählung und –gewichtung bei den Demokraten etwas anders läuft als bei den Republikanern, gibt es zwei verschiedene Apps. Das Grundprinzip ist aber das gleiche: Die Wahlkreisleiter loggen sich mit speziellen Codes und einer Zwei-Faktor-Authentifizierung ein, danach geben sie ihre Wahlergebnisse in wenigen Schritten auf einer simpel gehaltenen Oberfläche mit großen Knöpfen ein. Mehr als ein paar Minuten soll das nicht dauern. Nach 15 Minuten werden die Wahlkreisleiter, die zuvor ein entsprechendes Training erhalten haben, deshalb auch automatisch ausgeloggt.

Das System akzeptiert keine Eingaben, die nicht zur Gesamtzahl der Stimmen in einem Wahlkreis passen. Es meldet der Parteizentrale zudem verdächtige Ergebnisse, die stark von früheren Wahlen abweichen. Die entsprechenden Algorithmen haben die Parteien selbst entwickelt, schreibt The Atlantic.

Nur Bernie Sanders hat ein Problem mit Microsoft

Gespeichert und verarbeitet werden die Daten auf Microsofts Cloud-Plattform Azure. Das Unternehmen verspricht, dass sie einzig den Parteien gehören und niemals vermischt oder mit Dritten geteilt werden.

Microsoft hat die Apps zusammen mit der Firma InterKnowlogy auf eigene Kosten entwickelt und beiden Parteien zur Verfügung gestellt. Nebenbei ist Microsoft auch der Hauptsponsor des Pressezentrums in Iowa. Ein Problem mit dem Engagement des Unternehmens hatte einzig Bernie Sanders. Der für US-Verhältnisse extrem linke Demokrat hat den Einfluss von Großunternehmen und Großspendern auf die US-Wahlen schon oft kritisiert. An der Microsoft-App stört sein Team in erster Linie, dass sie die Technik nicht unter ihrer vollständigen Kontrolle hat – und dass Microsoft-Mitarbeiter über die Jahre mehrere Hunderttausend Dollar an Hillary Clinton gespendet haben. Wie auch Clinton hat Sanders ein eigenes Meldesystem entwickeln lassen, als Rückversicherung.

Auch die demokratische Partei als Ganzes hält für den Notfall ein zweites Meldesystem bereit: die alten Telefone, die schon 2008 und 2012 zum Einsatz kamen. Nötig könnte das vor allem in ländlichen Gebieten werden, wo es kein ausreichend starkes mobiles Internet und kein WLAN gibt.

Kurz erklärt - So funktionieren die US-Wahlen Iowa hat am 1. Februar als erster US-Bundesstaat über die Präsidentschaftsbewerber von Demokraten und Republikanern abgestimmt. Doch der Weg vom Vorwahlauftakt im Mittleren Westen bis zum entscheidenden Duell um das Weiße Haus ist noch lang.