Marc Andreessen sitzt im Aufsichtsrat von Facebook. © Kimberly White/Getty Images

Marc Andreessen gehört zu den einflussreichsten Männern im Silicon Valley. Der Mitgründer von Netscape und Entwickler von Mosaic, dem ersten populären Webbrowser, ist heute als Partner von Andreessen Horowitz einer der wichtigsten Risikokapitalgeber der US-Technikbranche. Zudem sitzt er im Aufsichtsrat von Facebook und dessen Tochter Oculus VR.

Andreessen kennt sich also mit den Strukturen im Silicon Valley aus. Mit der Geschichte von Indien dagegen weniger: "Anti-Kolonialismus war für das indische Volk über Jahrzehnte wirtschaftlich katastrophal. Warum jetzt also damit aufhören?", twitterte er am Mittwochabend in einem Schlagabtausch mit einem indischen Start-up-Investor und sorgte damit nicht nur unter indischen Nutzern für Empörung. Schließlich ließ sich der Tweet so deuten, dass Andreessen den Indern empfiehlt, den Kolonialismus des Westens in ihr Land zurückzuholen.

Indische Behörden stoppen Free Basics

Auslöser der Diskussion war die Initiative Free Basics von Facebook. Seit dem vergangenen Jahr versucht das Unternehmen, in Indien in Zusammenarbeit mit einem lokalen Mobilfunkbetreiber den Menschen einen kostenlosen Internetzugang anzubieten. Der hat jedoch eine wichtige Einschränkung: Wer die Free-Basics-App nutzt, kann nur auf bestimmte, ausgewählte Dienste zugreifen, es ist gewissermaßen ein Internet à la Facebook.

Indische Behörden hatten das Projekt nach monatelangen Protesten am Montag verboten. Die Regulierer der Branchenaufsicht Trai untersagten Telekom-Anbietern grundsätzlich Ausnahmeregelungen für einzelne Services. Davon ist auch Facebooks Angebot Free Basics betroffen, das neben dem weltgrößten Onlinenetzwerk auch Zugang zu ausgewählten Bildungs-, Gesundheits- und Job-Diensten bot.

Trai verwies auf eine strikte Umsetzung der Regeln zur sogenannten Netzneutralität, nach denen alle Daten in den Netzen gleich behandelt werden müssen. Für Facebook war es eine schmerzhafte Niederlage – der US-Konzern hatte in den vergangenen Wochen angesichts des drohenden Verbots eine massive PR-Kampagne in dem Land organisiert.

Andreessen entschuldigt sich, Zuckerberg beschwichtigt

Marc Andreessen gefiel die Entscheidung der indischen Behörde ganz offensichtlich nicht. "Den Ärmsten der Welt einen kostenlosen Zugang zu Teilen des Internets zu verweigern erscheint mir moralisch falsch", sagte er an anderer Stelle. Seiner Meinung nach ist also ein eingeschränktes und von einem US-Unternehmen kontrolliertes Netz immer noch besser als gar keines. Rund zwei Drittel der indischen Bevölkerung haben noch keinen Internetzugang, entsprechend lukrativ ist der Markt.

Facebook-CEO Mark Zuckerberg hat sich von einem seiner wichtigsten Investoren inzwischen distanziert. Er nannte Andreessens Äußerungen am Mittwoch "sehr bestürzend" und betonte, sie entsprächen nicht den Ansichten von Facebook oder von ihm persönlich.

Auch Andreessen hat sich mittlerweile entschuldigt, seine ursprünglichen Tweets sind gelöscht. "Indische Unternehmen und Menschen hatten einen bedeutenden positiven Einfluss auf das Internet und die Welt", twitterte Andreessen. Er wolle sich künftig aus allen Debatten über indischen Geschichte und Wirtschaft heraushalten und diese Menschen überlassen, die mehr Ahnung und Erfahrung auf diesem Gebiet haben.