Unsere Bewertung für dieses Prachtexemplar: 8/10, würde streicheln. © Justin Sullivan/Getty Images

Twitter hat derzeit eine Menge Probleme: Eine stagnierende Nutzerbasis und dementsprechend unruhige Investoren, Ärger mit der neuen Anordnung der Timeline, mit Hasskommentaren und Terroristen, und dann schnäuzt auch noch Donald Trump beinahe täglich unqualifizierte Tweets ins Netz. Als sei das nicht schon genug, gibt es jetzt auch noch Stress mit putzigen Tierbildern, genauer gesagt Hundebildern.

Als der US-Student Matt Nelson im vergangenen November den Account WeRateDogs ins Leben rief, hatte er eine ebenso simple wie grandiose Idee: Andere Twitter-Nutzer konnten ihm Bilder ihrer Vierbeiner schicken, die Nelson anschließend mit einem frechen Spruch auf einer Skala von eins bis zehn bewertete, in der Regel recht wohlwollend. Weil Tiere im Internet immer gehen und Nelson ein Gespür für gute Bildunterschriften hat, verbreitete sich WeRateDogs schnell: Innerhalb von drei Monaten hat der Account mehr als 180.000 Follower gewonnen – und so manche Trolle und Neider.

Vor einigen Tagen deaktivierte Twitter den Account von WeRateDogs. Nelson bekam eine Nachricht, dass mehrere sogenannte DMCA-Anträge bei Twitter eingegangen seien und man den Account deshalb bis auf Weiteres sperre. DMCA steht für Digital Millenium Copyright Act, einem US-Gesetz zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen im Internet. Onlinedienste von Google bis YouTube, von Instagram bis Twitter bieten auf ihren Websites Formulare an, über die Rechteinhaber mutmaßliche Urheberrechtsverletzungen melden können. Gehen genug dieser Beschwerden in kurzer Zeit ein, deaktivieren oder sperren die Anbieter die betroffenen Inhalte vorsorglich.

"Wenn ich genug Tweets klaue, sperrt dich Twitter aus"

Im Fall von WeRateDogs gaben mehrere Personen an, dass einzelne Tweets von Nelson unerlaubterweise Bilder von ihren Hunden enthielten. Das stimmte offensichtlich nicht: Nelson kontaktierte in einem Fall die Person, die ihm das Bild ursprünglich zukommen ließ, einem Landwirt aus Neuseeland. Dieser bestätigte Nelson, der Urheber des Bildes (und Besitzer der darauf gezeigten Kühe und Hunde) zu sein und keinerlei DMCA-Anträge verschickt zu haben. Wie die Washington Post berichtet, habe der Landwirt daraufhin sogar Twitter selbst kontaktiert und auf den Irrtum hingewiesen.

Tatsächlich stammen die Beschwerden allesamt von der gleichen E-Mail-Adresse. Als Nelson diese kontaktiert, bekommt er eine bizarre Antwort: "Ich bin Dogrates und du bist Fake. Wenn ich genug Tweets klaue, sperrt dich Twitter aus. Ich will all deine Follower lol." Offensichtlich handelt es sich dabei um einen Troll, der Nelson das Leben schwer machen will. In weiteren E-Mails forderte er Nelson dazu auf, ihm das Passwort für den Twitter-Account zu schicken, was dieser natürlich ablehnte.

In den vergangenen Tagen folgte ein Hin und Her zwischen Nelson und seinem Widersacher. Zunächst schienen sich beide geeinigt zu haben; Nelson löschte zwei Tweets und sein Gegenüber versprach, ihn nicht mehr zu belästigen. Nur einen Tag später aber flatterten Nelson die nächsten DMCA-Beschwerden ins Postfach und sein Account wurde abermals deaktiviert. Inzwischen ist er wieder online, aber wie Nelson am Donnerstagabend twitterte, habe sein Kontrahent angekündigt, "gerade erst angefangen zu haben" und demnächst weitere beliebte Profile wie EverythingGoats attackieren zu wollen.

Copyright-Trolle missbrauchen DMCA

Man könnte die ganze Sache nun als einen Streit unter Twitter-Nutzern zusammenfassen, der etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Allerdings steht der Fall von WeRateDogs stellvertretend für zwei größere Probleme, mit denen sich die Nutzer von Twitter immer häufiger konfrontiert sehen: dem Missbrauch des DMCA-Systems und dem Diebstahl von Inhalten.

Zunächst sei erwähnt, dass ein Meldesystem prinzipiell nicht verkehrt ist. WeRateDogs verlässt sich etwa darauf, dass die eingesandten Hundebilder tatsächlich von den Urhebern stammen, überprüfen kann Nelson das nicht. Es ist wahrscheinlich, dass gelegentlich Bilder verwendet werden, die ihre Fotografen dort nicht sehen möchten, Unterhaltung hin oder her. Wer mit einer direkten Bitte an die Account-Betreiber nicht weiterkommt, braucht eine Möglichkeit, die Plattformbetreiber zu informieren und gegebenenfalls rechtliche Schritte einleiten zu können.

Das DMCA-System ist theoretisch genau dafür gedacht, allerdings wird es praktisch seit seiner Einrichtung von sogenannten Copyright-Trollen missbraucht. Unternehmen, häufig im Dienste der Unterhaltungsindustrie, verschicken automatisierte DMCA-Beschwerden, wenn ihre Software mutmaßlich urheberrechtlich geschützte Inhalte findet. Das funktioniert häufig nur mäßig gut, und so kann es schon mal sei, dass Inhalte mit dem Wort "Pixel" im Titel gesperrt werden, weil ein ziemlich mieser Comedy-Film ebenso heißt. Im Jahr 2014 erreichten allein Google 345 Millionen DMCA-Beschwerden.