Mit heftigen Reaktionen kennen sich Benny und Rafi Fine aus. Schließlich stehen die beiden YouTuber hinter Formaten wie Kids React, Elders React oder Adults React, in denen die Reaktionen von mal jüngeren, mal älteren Menschen auf Gadgets, Games oder virale Phänomene eingefangen werden. Und weil das gelegentlich durchaus witzig ist, haben die als Fine Brothers bekannten Brüder mittlerweile 13 Millionen Abonnenten für ihren Kanal gewonnen und gehören zu den einflussreichsten US-amerikanischen YouTubern.

In der vergangenen Woche standen zur Abwechslung nicht ihre Videos, sondern die Brüder selbst im Rampenlicht. Alles begann mit einer – inzwischen gelöschten – Ankündigung der Fine Brothers auf YouTube, die ihrer Meinung nach "die Welt verändern" sollte.

Unter dem Namen React World stellten die Brüder ein Projekt vor, mit dem sie eine Community rund um das Genre der Reaktionsvideos aufbauen wollten. Die Idee: Wer auch immer weltweit ein eigenes Video in diesem Format aufnehmen möchte, kann einen Lizenzierungsvertrag mit React World abschließen. Die Fine Brothers helfen bei der Produktion und Aufmachung, geben in einem Handbuch gewisse Anforderungen vor, bewerben das Ergebnis, bekommen dafür im Gegenzug 20 Prozent der auf YouTube generierten Werbeeinnahmen und Inhalte, die im besten Fall verschiedene Zielgruppen und Kulturen ansprechen.

Das Prinzip entspricht dem der sogenannten Multi-Channel-Netzwerke (MCN), in dem sich einzelne YouTuber mit ihren Kanälen einem Netzwerk anschließen, das für sie die Vermarktung übernimmt und für höhere Produktionsqualität, mehr Zuschauer, Kooperationen mit anderen YouTubern und im Umkehrschluss mehr Einnahmen für alle Beteiligten sorgt. Mit dem Unterschied, dass React World keine kompletten Kanäle, sondern nur einzelne Videos in einem bestimmten, vorgegebenen Format lizenzieren will. Selbst wer noch keinerlei Erfolg auf YouTube hat, könnte ein Video aufnehmen und sich den Fine Brothers anschließen.

Ein Markenzeichen sorgt für Ärger

Auf den ersten Blick klingt das fair. In der YouTube-Szene aber lösten die Brüder mit dieser Idee einen klassischen Shitstorm aus. Der vermeintliche Grund: Die Brüder versuchen ein beliebtes und verbreitetes Format zu monopolisieren und, mehr noch, rechtlich gegen alle vorzugehen, die sich ihnen nicht anschließen möchten.

Wie Mike Masnick vom Blog Techdirt schreibt, besteht der erste Fehler der Fine Brothers schon in der Ankündigung. Anstatt dem Publikum die Vorteile einer Partnerschaft deutlich zu machen, sprechen die Brüder von einer Lizenzierung, was in erster Linie auf ein Abhängigkeitsverhältnis hindeutet. Anders gesagt: Es erweckt den Eindruck, als sollten unabhängige Filmemacher ihre Arbeit den Fine Brothers zur Verfügung stellen, deren Grafiken verwenden und dafür auch noch einen Teil der Einnahmen abtreten. In einem – mittlerweile ebenfalls gelöschten – Beitrag auf der Blogplattform Medium versuchten die Brüder, ihr Vorhaben und die Kooperation etwas genauer zu formulieren, doch zu diesem Zeitpunkt war der Protest bereits in vollem Gange.

Der zweite Kritikpunkt hängt mit dem Markenzeichen React und dessen Kombinationen zusammen. Tatsächlich haben die Fines Brothers bereits im Jahr 2012 die Ausdrücke Teens React und Elders React beim US-amerikanischen Patentamt eintragen lassen. Im vergangenen Sommer reichten sie weitere Anträge für Adults React, Parents React und einfach nur React im Kontext von "Entertainment-Diensten im Internet" ein. Das sei notwendig, um rechtliche Sicherheit für React World zu haben, hieß es in dem Blogbeitrag.

Die YouTube-Szene sieht das anders. Viele fürchten, dass die Fine Brothers auf diesem Wege versuchen könnten, gegen konkurrierende Formate vorzugehen. Ein Markenschutz ist nicht mit urheberrechtlichen Ansprüchen zu verwechseln, es kann aber dazu verwendet werden, Clips in einem ähnlichen Stil und Aufmachung auf YouTube sperren zu lassen. Woran sich die Frage anschließt, ob die Fine Brothers überhaupt Ansprüche auf das Format stellen können, das es in ähnlicher Form bereits seit mehr als fünfzig Jahren im traditionellen Fernsehen gibt. Der Anwalt Ryan Morrison, der in der Szene als Video Game Attorney bekannt ist, schreibt auf seiner Website, dass "react" ein generischer Begriff sei und deshalb nicht als Marke geschützt werden könne.

Nachahmer unerwünscht – aber geduldet

Befeuert wird die Debatte drittens mit Meldungen von YouTubern wie LeKevPlays und 8-Bit-Eric, die von der Google-Tochter benachrichtigt wurden, dass ihre eigenen Reaktionsvideos gesperrt seien. Und zwar auf Forderung der Fine Brothers oder deren Multi-Channel-Netzwerk Fullscreen, was als Zeichen gedeutet wird, dass die Brüder bereits gegen ähnliche Formate vorgehen. Tatsächlich enthalten die geblockten Clips aber Ausschnitte aus Videos der Fine Brothers und vieles deutet darauf hin, dass sie automatisch von YouTubes Content-ID-System erkannt und gemeldet wurden, was nichts mit den Plänen zu React World zu tun hätte.

Da sich die Brüder in der Vergangenheit mehrfach über mutmaßliche Nachahmer ihres angeblich so kreativen Konzepts äußerten, halten es viele YouTuber aber für durchaus denkbar, dass die beiden auch mit allen Mitteln gegen Konkurrenten vorgehen, die in irgendeiner Weise die Reaktionen von Menschen einfangen und es in ähnlicher Weise präsentieren. Die Fine Brothers selbst stellten inzwischen klar, dass sie in keiner Weise gegen andere Produzenten vorgehen wollen, die Videos mit React kennzeichnen, und dass sie auch nicht die Rechte an diesem Format besitzen oder durchsetzen wollen.