Der US-amerikanische Programmierer Ray Tomlinson ist tot. Der 74-Jährige sei bereits am Samstag offenbar an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben, berichteten zahlreiche US-Medien übereinstimmend. Sein Arbeitgeber, der US-Rüstungskonzern Raytheon, hat den Tomlinsons Tod mittlerweile bestätigt. Tomlinson gilt als einer der Erfinder der E-Mail. Er war vor allem bekanntgeworden, weil er erstmals das bis dahin kaum genutzte @-Zeichen aus dem ASCII-Code dazu verwendete, um Empfänger auf unterschiedlichen Hosts adressieren zu können. "Very sad news", schrieb Webpionier Vint Cerf auf Twitter.

Ramlinson erhielt für seine Entwicklung zahlreiche Auszeichnungen. So wurde er in die Internet Hall of Fame aufgenommen. Zudem belegt er unter den 150 wichtigsten Erfindern des MIT Rang vier.

SNDMSG mit CPYNET verbunden

Bereits in den 60er Jahren gab es die Möglichkeit, E-Mails über das ARPAnet, den Vorgänger des Internets, zu verschicken. Im Jahr 1971 verband Tomlinson das E-Mail-Programm SNDMSG, mit dem man einem Nutzer auf demselben Computer eine Nachricht hinterlassen konnte, mit CPYNET, das Dateien verschickte und empfing. Nun hatte er ein Programm, das es erlaubte, Nachrichten zwischen verschiedenen Hosts zu verschicken. Diese mussten sich jedoch in der Adressierung von der lokalen Nachricht unterscheiden.

Tomlinson kam deshalb auf die Idee, den Namen des Nutzers und den dessen Rechners durch ein damals kaum genutztes Zeichen zu verbinden: das kaufmännische @. Die Geburtsstunde des bis heute geltenden Systems für Mailadressen. Die E-Mail ist immer noch eine der wichtigsten Applikationen des Internets. Selbst die steigende Zahl an Mails mit Virenanhang und Spam hat der Beliebtheit des Dienstes nicht geschadet.

QWERTYUIOP oder etwas Ähnliches

Tomlinson selbst wurde häufig gefragt, was denn der Inhalt der ersten E-Mails mit @-Zeichen gewesen sei. Wahrscheinlich QWERTYUIOP oder etwas Ähnliches, schrieb er auf seiner Webseite. Er habe sich selbst die Mails zwischen zwei Rechnern hin- und hergeschickt, die auf derselben Etage gestanden hätten. Später habe er dann eine Mail an die Mitglieder seiner Arbeitsgruppe geschickt und ihnen das Programm erklärt. "Der erste Nutzen der vernetzten E-Mail kündigte deren eigene Existenz an", schrieb Tomlinson.

Das @-Zeichen wurde inzwischen so populär, dass das Museum of Modern Arts (Moma) in New York ihm im Jahr 2010 bereits eine Ausstellung widmete. Denn das @ sei ein wichtiger Teil unserer Identität in der Beziehung und Kommunikation mit anderen geworden. Unbewusst sei Tomlinson damit zum Designer geworden, was gewürdigt und gefeiert werden müsse, meinte das Moma. Immerhin sei das @-Symbol heutzutage rund um den Globus ein Teil des Lebens geworden.

Uraltes Zeichen neu genutzt

Das Zeichen selbst stammt möglicherweise schon aus dem 6. oder 7. Jahrhundert – als Ligatur (Verbindung), die dazu diente, die lateinische Präposition "ad", die zu, nach oder hinzu bedeutet, in einem Federstrich zu verbinden. Im 16. Jahrhundert sei das @ von venezianischen Händlern als Symbol für Amphoren genutzt worden. Diese dienten als Maßeinheit, da es sich um Tongefäße mit standardisierter Größe handelte.

Ab 1885 war das @ auf amerikanischen Schreibmaschinen zu finden und wurde 1894 im American Dictionary of Printing & Bookmaking als kommerzielles a beschrieben. Seit 1963 ist es im ersten ASCII (American Standard Code for Information Interchange) verzeichnet. Zu dem Zeitpunkt war das @ sowohl eine Abkürzung für "bei" als auch für "zu einem Zinssatz von" und wurde hauptsächlich in der Buchhaltung und bei Rechnungen genutzt. "Das at war einfach sinnvoll", sagte Tomlinson auf die Frage, warum er ausgerechnet dieses für den Zweck ausgewählt habe.