Ist das noch Silicon-Valley-Sprech oder schon US-Militärdoktrin? "Our policy is we try things and we celebrate our failures." – "Unsere Strategie sieht so aus: Wir probieren Dinge aus und feiern unsere Misserfolge."

Es ist ein Zitat von Eric Schmidt aus dem Jahr 2010, dem damaligen Google-CEO, heutigen Vorstandsvorsitzenden von Googles Mutterkonzern Alphabet und künftigen Leiter des Defense Innovation Advisory Board im Pentagon. Schmidt soll dieses neue Beratungsgremium aufbauen, um Denkweisen und Technik aus Kalifornien nach Washington zu bringen. Mehr Valley im Verteidigungsministerium sozusagen.

Der 60-Jährige ist dafür der wohl naheliegendste Kandidat. Er vermittelt ohnehin seit Langem zwischen den Technikunternehmen und der Regierung der USA. Bereits 2009 holte Präsident Obama ihn in sein Beraterteam. Egal, ob es darum geht, die Unternehmen in den Kampf gegen Terrorismus und Propaganda einzubinden oder nur die Website HealthCare.gov zu reparieren: Schmidt sitzt mit am Tisch, wenn die Regierung Internetnachhilfe braucht.

Beziehungspflege statt Wissenstransfer

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums soll Schmidt helfen, den Einsatz unter anderem von Cloud-Technologie, Apps und Rapid Prototyping voranzutreiben. Verteidigungsminister Ash Carter und Schmidt werden dafür etwa ein Dutzend Vertreter des öffentlichen und des privaten Sektors um sich versammeln, wohl nicht zuletzt, um die seit einiger Zeit eher als angespannt geltenden Beziehungen zwischen beiden Seiten öffentlichkeitswirksam zu pflegen. Seit den Snowden-Enthüllungen und nun erneut durch den Fall FBI versus Apple misstrauen die Unternehmen ihrer eigenen Regierung.

Möglicherweise ist die Wiederannäherung sogar das eigentliche Ziel des Verteidigungsministeriums. Mit der Defense Advanced Research Projects Agency (Darpa) hat es schließlich schon eine eigene, finanziell und personell bestens ausgestattete Forschungsbehörde zur Verfügung, die sich um die Entwicklung neuer Technologien für den militärischen Einsatz kümmert.

Einblicke in militärische Operationen oder Strategien sollen die Mitglieder des Defense Innovation Advisory Board nicht erhalten, versichert das Pentagon.

Hack the Pentagon

Gleichzeitig kündigte das Ministerium an, ein sogenanntes Bug-Bounty-Programm aufzusetzen. Hacker sollen bestimmte Teile des Pentagon-Netzwerks angreifen, um Sicherheitslücken aufzudecken. Wer mitmachen will, muss sich anmelden und wird dann erst einmal einem Sicherheitscheck unterzogen. Erfolgreichen Angreifern winken Geldprämien oder "anderweitige Anerkennung". Der Name des Programms lautet schlicht Hack the Pentagon.

Das Verteidigungsministerium ist die erste amerikanische Regierungsorganisation, die ein solches Programm ins Leben ruft. In der Wirtschaft ist das Modell bereits weitverbreitet, Unternehmen wie Facebook, Microsoft und die Deutsche Telekom betreiben es seit Längerem. Allein Facebook hat seit 2011 mehr als vier Millionen US-Dollar an Hacker ausgezahlt, die Sicherheitslücken meldeten.

Natürlich könnte man lästern, dass dieser Wettbewerb inoffiziell schon seit Jahren läuft. Tatsächlich aber ist die Idee sinnvoll und würde zum Beispiel auch dem Deutschen Bundestag gut zu Gesicht stehen.