"Turn me on" ist ein mehrdeutiger Begriff. Er kann bedeuten, jemanden anzumachen, oder einfach der Aufruf sein, etwas anzuschalten. Im Fall der Fotoplattform Instagram etwa die Mitteilungen für einzelne Nutzer. Genau das fordern in diesen Tagen zahlreiche Instagramer mal mehr, mal weniger kreativ von ihren Followern: #turnmeon heißt der Hashtag in Bildern und Beschreibungen, meist garniert mit einem Pfeil auf die entsprechende Schaltfläche in der App. Wer nämlich die Mitteilungen aktiviert, bekommt bei jedem neuen Upload des abonnierten Nutzers eine Push-Nachricht und vermeidet somit, Beiträge zu verpassen.

Die Nutzer wollen mit der Aktion einer Änderung auf Instagram vorbeugen, die bald kommen soll: Die per Algorithmus sortierte Timeline. Bislang zeigt Instagram seinen Nutzern die Bilder der Menschen, denen man folgt, rückwärts chronologisch an; die jüngsten Bilder tauchten als Erstes in der App auf. Künftig aber könnten "Signale wie Likes, Kommentare, Suchanfragen oder die Beziehung zu einzelnen Personen" diese Reihenfolge beeinflussen, zitiert das Onlinemagazin Bustle eine Sprecherin. Wer etwa besonders oft Bilder einzelner Nutzer favorisiert, bekommt dessen neue Bilder als Erstes angezeigt, auch wenn sie eigentlich älter sind als andere.

Bereits Mitte März kündigte Instagram entsprechende Änderungen an. "Durchschnittlich verpassen die Menschen 70 Prozent ihres Feeds", hieß es in einem Blogbeitrag. Deshalb wolle die Facebook-Tochter die Reihenfolge optimieren, ohne einzelne Bilder komplett auszublenden. Es wurde spekuliert, Instagram werde die neue Timeline am heutigen Dienstag einführen, was zur #turnmeon-Aktion in den vergangenen Tagen führte. 

As you may know, instagram changed, so if you still wanna see my posts, activate notifications 😁❤️#TURNMEON

Ein von D I D I E R (@dididediego) gepostetes Foto am

Goodbye, Chronologie!

Instagram hat am Dienstag auf Twitter allerdings bekannt gegeben, dass sich zunächst nichts an den persönlichen Timelines ändern werde. Man wolle das Feature erst ausführlich testen und dann genau über die Änderungen informieren. Erwartungsgemäß reagierten viele Nutzer dennoch mit der Bitte, am besten gar nichts zu ändern. Eine automatisch sortierte Timeline zerstöre das Prinzip von Instagram, lautet die Befürchtung.

Die reflexartige Ablehnung war zu erwarten. Die Nutzer sozialer Netzwerke hassen traditionell jegliche Veränderung und im Internet empört es sich bekanntlich schnell. Als Facebook im Herbst 2014 erstmals einen Newsfeed-Algorithmus einführte, waren die Reaktionen ähnlich. Oder als Twitter im Februar ein Feature einführte, das besonders beliebte Tweets bevorzugt darstellt. Oder als Tumblr sich von Antworten in Beiträgen verabschiedete (und diese gerade eben wieder zurückbringt). Dass die Nutzer in allen Fällen die Dienste trotzdem weiter nutzen würden, war ebenso zu erwarten wie der vorhergehende kollektive Aufschrei.

Natürlich gibt es legitime Kritik an einer neu sortierten Instagram-Timeline. Cara Rose DeFabio von Fusion schrieb vor zwei Wochen, Instagram trage die Unmittelbarkeit bereits im Namen: Der Dienst arbeite instant, also augenblicklich, und die Bilder sollten deshalb auch so den Followern angezeigt werden. Nur so könne man mitbekommen, was die Freunde gerade erleben. Wenn die Reihenfolge verändert wird, verschwindet diese Unmittelbarkeit, so DeFabio.

Zudem könnten ihrer Meinung nach beliebte Aktionen wie #throwbackthursday, in denen Nutzer donnerstags Bilder aus ihrer Vergangenheit posten, an Bedeutung verlieren. Vor allem würde ein Algorithmus die Gleichbehandlung auflösen und entscheiden, was wichtig ist (darunter möglicherweise auch gesponserte Beiträge). Dabei sei Instagram doch ein Ort, an dem Profis und Amateure, Kunst und alberne Schnappschüsse völlig wertungsfrei aufeinanderfolgen.