Im ersten Teil dieser Serie habe ich mit Zorin OS ein alternatives Betriebssystem für Nutzer vorgestellt, die an Windows gewöhnt sind. Aber auch für Mac-Besitzer, die mal etwas anderes verwenden wollen als OS X, gibt es eine zumindest optisch passende Linux-Distribution: elementary OS, das ebenso wie Zorin auf Ubuntu basiert.

Wie von Linux gewohnt, ist auch elementary OS kostenlos erhältlich. Auf der Homepage des Projekts bitten die Entwickler zwar um eine Spende. Wer unter "Benutzerdefiniert" aber eine null eingibt, zahlt nichts für den Download der 1,15 Gigabyte großen Datei. Wie deren Installation abläuft, steht hier. Das Open-Source-System lässt sich nicht nur auf Apple-Computern einrichten, sondern auch auf anderen Maschinen, auf denen Windows oder eine Linux-Distribution laufen. Für einen ersten optischen Eindruck reicht es auch, elementary OS in einer Virtuellen Maschine zu installieren. Wie das geht, wird hier Schritt für Schritt beschrieben.

Dass elementary OS, hier in der Version Freya, eine Alternative für bisherige Nutzer von Apples OS X sein soll, sieht man auf den ersten Blick: Das Standardhintergrundbild zeigt ein Gebirgsmassiv und erinnert damit an die Bergfotos, die Apple als Wallpaper in OS X Yosemite und El Capitan voreingestellt hat. Zudem sind die favorisierten Programme horizontal am unteren Bildschirmrand in einem Dock angeordnet, so wie es standardmäßig auch in Apples Betriebssystem der Fall ist. Es ist alles nicht ganz so hübsch und detailverliebt wie bei Apple, aber das Vorbild ist unverkennbar.

Die Software-Auswahl, zu finden mit einem Klick auf "Anwendungen" oben rechts am Bildschirmrand, ist zunächst überschaubar. Midori ist der Standardbrowser. Wer einen anderen bevorzugt, findet im Software-Center, dem Linux-Äquivalent zum App Store, unter anderem die Browser Firefox und Chromium. Das Software-Center ist ohnehin ein wichtiger Anlaufpunkt. Wer nach Programmen sucht, die nicht vorinstalliert sind, findet dort alles, was es auch für Ubuntu gibt. Das ist eine Menge, und das ist auch gut so. Denn elementarys Standardprogramme sind im Alltag zum Teil unbrauchbar.

Als E-Mail-Client etwa ist Geary voreingestellt. In meinem Test nervte der mit Fehlern beim Einrichten meiner Postfächer, für die ich keine schnelle Lösung gefunden habe. Glücklicherweise lässt sich Thunderbird schnell als funktionstüchtige Alternative aus dem Software-Center installieren, auch wenn das Programm vielleicht nicht ganz zu den offiziellen Designrichtlinien für elementary passt.

In elementary OS fehlt so einiges

Neue elementary-Nutzer werden ziemlich schnell das Software-Center aufsuchen müssen. © Screenshot ZEIT ONLINE

Angeschlossene iPods und iPhones erkennt elementary OS zwar, Android-Geräte ebenso. Doch die Verwaltung zum Beispiel von Musikdateien ist mit dem schlicht "Musik" genannten Standardprogramm eine Qual bis unmöglich. Mit dem Programm Banshee dagegen klappt es. Allerdings muss ich dafür auch noch zusätzliche Codecs installieren. Wie das geht, steht hier, zusammen mit weiteren nützlichen Tipps zur Ersteinrichtung von elementary OS.

Was ganz fehlt, sind Office-Anwendungen. Dabei gäbe es mit LibreOffice ein geeignetes Paket, auf das andere Linux-Distributionen auch setzen. Ich muss es nun manuell nachinstallieren, über die Website der Entwickler oder wiederum das Software-Center. Ein freiwilliger Entwickler von elementary sagte mir, die Projektleitung sitze in den USA. Dort gäbe es einen Trend zu cloudbasierten Office-Suites wie Googles Docs und möglicherweise folge man diesem Trend nun einfach und verzichte auf die Vorabinstallation.

Lästig sind zudem die fehlenden Optionen zum Minimieren oder Maximieren von Fenstern. Die Lösung heißt Tweaks, ein Tool zur Anpassung der Benutzeroberfläche. Eine Installationsanleitung für elementary OS Freya gibt es hier. Tweaks findet sich anschließend in den Systemeinstellungen. Unter "Fensterbedienelemente" kann ich dann festlegen, wie ich Fenster minimieren möchte.