Der vorinstallierte Tor-Browser in Tails 2.2 © Screenshot ZEIT ONLINE

Es gilt als das Lieblingsbetriebssystem von Edward Snowden: Tails, kurz für The amnesic incognito live system, ist eine Linux-Variante für gemäßigt Paranoide. Sie wird nicht fest auf einem Rechner installiert, sondern auf einem bootfähigen USB-Stick. Damit ist Tails eine Art Betriebssystem to go: Man steckt es unterwegs in irgendeinen Rechner, startet und benutzt Tails und zieht den Stick hinterher wieder ab. Auf der Hardware bleibt keine Spur davon zurück.

Außerdem ist Tails vollgestopft mit Software zum sicheren Surfen, Mailen, zum Verschlüsseln und Verschleiern. Vor Kurzem hat es ein großes Update von Version 1.x auf 2.0 bekommen, mittlerweile wurde bereits 2.2 veröffentlicht. Die neue Version soll erstens einfacher zu installieren und zweitens leichter zu benutzen sein als das Tails der ersten Generation. Beides war nötig, um neue Nutzer anzusprechen. Denn die alte Version sah, bei allem Respekt, ein wenig unübersichtlich aus und es war nicht leicht, sie zum Laufen zu bringen.

Jetzt wird alles besser. Die neue Installationsanleitung ist geradezu vorbildlich. Man braucht allerdings einen USB-Stick mit mindestens vier Gigabyte freiem Speicher sowie etwas Zeit für den Download der Datei.

Und offenbar auch etwas Glück. Ich habe es jedenfalls in drei Versuchen nicht geschafft, mit dem offiziellen Installer ein funktionierendes System zu erstellen und musste deshalb den Weg über die Kommandozeile nehmen. Das hat immerhin umgehend geklappt. Der Nachteil: Nur der Weg über den Installer erlaubt es, auf demselben USB-Stick einen dauerhaften Speicherplatz für die Arbeit mit Tails einzurichten. Und nur so lassen sich Einstellungen wie die für ein WLAN oder den E-Mail-Zugang dauerhaft speichern. Ich dagegen muss mein System immer wieder neu einrichten.

Gestartet wird Tails, indem man den Stick in den Rechner steckt und diesen dann hochfährt. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Boot-Reihenfolge des Rechners vorsieht, dass Betriebssysteme von externen Datenträgern Vorrang haben. In der Regel ist das nicht der Fall, weshalb man sich erst einmal ins Boot-Menü beziehungsweise ins BIOS des Rechners begeben muss, um die entsprechende Einstellung vorzunehmen. Wer nicht weiß, wie das geht, gibt am besten "Boot Reihenfolge" und die Modellbezeichnung des jeweiligen Computers in die Suchmaschine seines Vertrauens ein.

Tails zwingt sanft zum anonymen Surfen

Anschließend begrüßt einen der Tails Greeter. An dieser Stelle lässt sich die Systemsprache einstellen. Nach der Anmeldung lädt dann endlich der neue Tails-Desktop. Der wirkt im Vergleich zur Ursprungsversion aufgeräumter und weniger verwirrend.

Das Beste an Tails ist jedoch die Integration von Programmen zum sicheren Kommunizieren und sicheren Umgang mit Dateien. Nutzer werden quasi sanft gezwungen, sie zu verwenden. Der Standardbrowser etwa ist der Tor-Browser. Er verschleiert die IP-Adresse des Nutzers und eignet sich deshalb für anonymes Surfen, sofern man sich an gewisse Verhaltensregeln hält. Zwar ist noch ein zweiter Browser installiert, aber den nennen die Tails-Entwickler unmissverständlich den "Unsicheren Browser", weil er keine Verbindung über das Tor-Netzwerk aufbaut.

Der E-Mail-Client ist nicht mehr Claws, sondern eine Thunderbird-Version namens Icedove. Aus meiner Sicht eine gute Entscheidung, denn Claws hatte seine Tücken und wer mit Thunderbird umgehen kann, kann auch mit Icedove umgehen. Vorinstalliert sind zudem die Erweiterungen Enigmail zur Verschlüsselung und Signatur von E-Mails mit OpenPGP sowie TorBirdy, dank der auch E-Mail-Verbindungen über das Tor-Netzwerk aufgebaut werden.

Ebenfalls in Tails enthalten sind der Passwortmanager KeyPassX, der Pidgin-Messenger, mit dem man verschlüsselt chatten kann, sowie eine Bitcoin-Wallet. Natürlich kann ich alle diese Programme auch mit anderen Betriebssystemen nutzen, aber dort muss ich sie erst herunterladen und installieren. Tails nimmt Nutzern zumindest diese Arbeit ab und erleichtert damit den Einstieg in Verschlüsselungs- und andere Sicherheitstechniken.