Besucher des Chaos Communication Congress (Archivbild von 2010) © Thomas Peter / Reuters

Der Evergreen unter den Linux-Witzen geht so: "[Jahreszahl] wird das Jahr der Linux-Desktops." Der Satz ist so etwas wie das Gegenteil einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Linux-Desktops haben nie einen auch nur halbwegs nennenswerten Marktanteil erreicht. Dabei gibt es gute Gründe, ihnen zumindest eine Chance zu geben.

Erstens gibt es sie, wie Cornflakes, in den verschiedensten Geschmacksrichtungen: einsteigerfreundlich, ressourcensparend oder supernerdig, um nur einige zu nennen. Zweitens kann man Windows und OS X mittlerweile durchaus für überladene Riesensysteme mit haarsträubenden Fehlermeldungen und fragwürdigen Voreinstellungen halten.

Drittens stellen sie Systemanforderungen, die alte Hardware nicht mehr leisten kann. Das lässt Nutzern nur die Wahl zwischen veralteter, potenziell unsicherer Software oder dem Kauf neuerer Hardware. Linux-Nutzer sind vergleichsweise sicher vor den üblichen Computerschädlingen, wenn auch längst nicht unverwundbar.

Viertens lohnt sich ein Blick über den Tellerrand prinzipiell immer. Deshalb habe ich drei Linux-Distributionen ausprobiert, die weniger bekannt sind als Ubuntu, Debian oder openSUSE. Die Frage, die ich mir beantworten wollte, lautet: Ist eine davon eine alltagstaugliche Alternative für mich als mäßig begabten Anwender, der bislang vor allem mit Ubuntu gearbeitet hat?

Die Kandidaten:

  • Zorin OS, das stark an eine Windows-Oberfläche erinnert
  • elementary OS, das OS X ziemlich ähnlich sieht
  • Tails, das vollgepackt ist mit Werkzeugen zum Schutz der Privatsphäre

Die Hardware: Zorin und elementary habe ich mir für einen ersten Eindruck zunächst in einer virtuellen Maschine auf einem MacBook von 2011 angeschaut. Dieser Weg sei hiermit allen empfohlen, die nur mal einen Blick auf eine Linux-Distribution werfen wollen, ohne ihr eigenes System anzutasten. Entsprechende Anleitungen gibt es hier für Zorin OS und hier für elementary.

Installiert habe ich beide Systeme anschließend auf einem ThinkPad T400 von Lenovo, Baujahr 2011, mit Intel Core 2 Duo und zwei Gigabyte Arbeitsspeicher. Auf einer ziemlich alten Maschine also.

Tails habe ich auf einem bootfähigen USB-Stick installiert. Denn fest auf einem Rechner kann man das System gar nicht einrichten. Im Gegenteil, es gehört zu den Stärken von Tails, es mit sich zu nehmen und auch auf fremden Rechnern starten zu können, ohne auf diesem Spuren zu hinterlassen.

Die Testkriterien: Wie intuitiv sind Einrichtung und Bedienung (wobei ich die Einrichtung eines Druckers nicht testen konnte), wie einfach finde und installiere ich Software für den Alltagsgebrauch, was fehlt mir im Vergleich zu den Betriebssystemen, die ich schon kenne? Um meinem Anfängerurteil etwas entgegenzusetzen, habe ich zu jeder Distribution auch einen versierten Anwender befragt.