Auf dem diesjährigen SXSW-Festival in Austin gab es eine Paneldiskussion mit dem Titel HAL to Her: Wie Sprache Technik menschlicher macht. Der Weg vom fiesen Supercomputer HAL im Film 2001: A Space Odyssey vor knapp 50 Jahren hin zur freundlichen künstlichen Intelligenz Samantha im Film Her vor zwei Jahren diente als Analogie, um die Entwicklung auf dem Gebiet kommunizierender Technik zu illustrieren. Zu den Vortragenden gehörte auch Leslie Carmichael von Microsoft, die davon überzeugt war, dass wir künftig mit unseren Computern sprechen – und diese mit uns.

Wie die größeren Pläne von Carmichaels Arbeitgeber aussehen, wurde am Mittwochabend deutlich. Auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz Build in San Francisco präsentierte Microsoft nicht nur kommende Funktionen für Windows 10 wie biometrische Logins, die Zusammenführung von Games in Windows und der Xbox und die Entwicklerversion der Datenbrille HoloLens. Im Mittelpunkt stand ein Ökosystem sogenannter Chatbots: Anwendungen, die auf Text- und Spracheingaben reagieren.

Microsofts CEO Satya Nadella nannte das conversation as an interface – Unterhaltungen als Benutzeroberfläche. Er gab zu, das jüngste Experiment mit dem Chatbot Tay auf Twitter sei nicht ganz optimal verlaufen. Eigentlich sollte Tay von anderen Nutzern lernen, wie junge Menschen sprechen. Doch die Nutzer fütterten den Chatbot vor allem mit rassistischen Inhalten, die Tay aufgriff und wiederholte, so dass Microsoft das Experiment schnell beendete und nun überarbeitet. Weitere Bots sollen dagegen bald in Windows und in Microsofts Smartphone-Apps auftauchen.

Virtuelle Assistenten holen sich Bots zu Hilfe

Zum Beispiel in Skype: Die kommende Version des Messengers wird sowohl Microsofts digitale Assistentin Cortana enthalten als auch Entwicklern ermöglichen, eigene Bots zu programmieren, die wiederum mit Cortana verknüpft sind. Ein Beispiel: Cortana erkennt während eines Gesprächs, dass der Nutzer eine Konferenz besuchen möchte. Automatisch blockiert sie den jeweiligen Zeitraum im Kalender des Nutzers und aktiviert den Bot der US-Hotelkette Westin. Der schlägt dem Nutzer anschließend Zimmer vor, inklusive Bildern und Preisen, und reagiert auf Rückfragen. Der Nutzer kann seine Reise planen, ohne jemals Skype verlassen zu müssen.

In Satya Nadellas Vision der Zukunft geht es also um drei handelnde Akteure: Den Nutzer, den virtuellen Assistenten und die Bots von Drittanbietern. Assistenten wie Cortana, Apples Siri oder Amazons Alexa kennen die Vorlieben und persönlichen Daten ihrer Nutzer und greifen je nach Bedarf auf weitere Bots zurück. "Bots sind wie neue Anwendungen, mit denen wir kommunizieren", sagte Nadella. Und das nicht nur per Texteingabe, sondern immer häufiger über Sprache.

Über die neue Skype Bot Platform können Entwickler eigene Bots für Skype erstellen. Doch das ist nur ein Teil der Strategie: Mit dem Bot Framework bietet Microsoft eine zweite, allgemeinere Plattform an, die über Bots in Skype hinausgeht. Wer sie nutzt, kann Bots auch für weitere Anwendungen programmieren, die diese unterstützen. Microsoft Office etwa oder die Messenger Slack und Telegram. Das geht zwar auch schon jetzt, aber wer Microsofts Bot Framework nutzt, kann gleichzeitig auf die Entwicklungen des Unternehmens zurückgreifen, wie die automatische Übersetzung in 30 Sprachen oder neuronale Netzwerke, die Inhalte auf Fotos erkennen können. Einige dieser sogenannten Cognitive Services sind für Bot-Anbieter ab einer bestimmten Zahl an Einsätzen allerdings kostenpflichtig.