Die Telekom hat schlechte Nachrichten für Kunden, die das Spotify-Paket "Music Streaming" gebucht haben. © Dado Ruvic / Reuters

Die vier schönsten Worte im mobilen Internet lauten "Ohne Belastung des Datenvolumens". Das gilt besonders in Deutschland, wo die Provider ihren Kunden vergleichsweise niedrige Datenvolumen zugestehen, bevor entweder Nachbuchungen fällig werden oder die Bandbreite auf Minimal-über-Null reduziert wird.

Eines der bekanntesten Beispiele ist die Spotify-Flatrate der Deutschen Telekom: Für knapp zehn Euro im Monat können Vertragskunden den Premium-Dienst von Spotify buchen und Musik streamen, ohne dass es zu ihrem Datenvolumen gezählt wird. Selbst nachdem jemand sein Volumen durch andere Dienste aufgebraucht hat, wird Spotify weiter mit der gewohnten Bandbreite gestreamt. Damit ist nun aber Schluss.

Das Unternehmen kündigte in seinem Blog an, das Spotify-Modell ab dem 28. April zu ändern. Zwar werde das Musikstreaming auch weiterhin nicht das Inklusivvolumen von zumeist zwei oder einem Gigabyte oder auch nur 500 Megabyte belasten. Doch wenn dieses durch die Nutzung anderer Dienste erreicht wird, sinkt die Bandbreite bis zum Monatsende auf 64 Kilobit pro Sekunde, auch für Spotify. Damit, das gibt die Telekom zu, wird das "Musikhören im mobilen Netz faktisch unmöglich".

Die Telekom wird plötzlich zum Netzneutralitätsvorreiter

Was nach Schikane klingt, ist eigentlich eine gute Nachricht. Denn der Grund für die Drosselung ist das Inkrafttreten der EU-Verordnung 2015/2120 am 30. April. In Artikel 3 dieser Netzneutralitäts-Verordnung, in der das Wort Netzneutralität allerdings nicht vorkommt, heißt es: "Anbieter von Internetzugangsdiensten behandeln den gesamten Verkehr (…) gleich, ohne Diskriminierung, Beschränkung oder Störung, sowie unabhängig von Sender und Empfänger, den abgerufenen oder verbreiteten Inhalten, den genutzten oder bereitgestellten Anwendungen oder Diensten oder den verwendeten Endgeräten." Oder kurz: keine Sonderbehandlung für Dienste wie Spotify. Die Telekom halte sich "natürlich" daran, wie ein Sprecher auf Nachfrage mitteilt.

Dabei die Verordnung sieht diverse Ausnahmen vor und die Telekom hatte gleich nach der Abstimmung im EU-Parlament eine, vorsichtig ausgedrückt, offensive Interpretation dieser Ausnahmen in Aussicht gestellt. Die europäischen Regulierungsbehörden werden zudem erst im Laufe des Sommers bekannt gegeben haben, wie sie die Verordnung zu konkretisieren gedenken. Ob das Telekom-Spotify-Modell einen Verstoß gegen die Verordnung darstellt, ist also keineswegs sicher. 

Auf lange Sicht eine gute Nachricht für Verbraucher

Möglicherweise, spekuliert das Handelsblatt, wolle die Telekom ihre Kunden in teurere Tarife mit höheren Inklusivvolumen drängen oder "Unmut bei ihren Kunden erzeugen und somit Druck in der Phase der Ausarbeitung der Leitlinien (durch die Regulierungsbehörden) erzeugen".

Kurzfristig würde das vielleicht funktionieren. Das Spotify-Paket wird zweifellos unattraktiver. Die Telekom rät Nutzern deshalb, wann immer möglich ein WLAN zu benutzen, gerne auch einen Hotspot der Telekom selbst. Oder die Offlinefunktion zu nutzen, falls man genug Speicherplatz auf dem Smartphone hat. Oder eben Datenvolumen nachzukaufen, auf das Spotify dann wieder nicht angerechnet wird, bis die neue Grenze erreicht ist. Das ist alles unbequemer als das bisherige Angebot.

Aber es ist eben der Preis der Netzneutralität. Langfristig kommt es den Verbrauchern zugute, wenn es weniger Ausnahmen gibt. Denn solange sich einzelne finanzstarke Unternehmen eine Bevorteilung durch die Provider erkaufen können, so wie es Spotify bei der Telekom tut, werden es Start-ups schwer haben, sich gegen die Etablierten zu behaupten. Der Markt wird im schlechtesten Fall eintönig und von wenigen großen Firmen beherrscht. Sollte es wirklich die Strategie der Telekom sein, schlechte Laune bei ihren Kunden zu verbreiten, um öffentlichen Druck zu erzeugen, kann das auch nach hinten losgehen. Es käme dann darauf an, wie kurz- oder langfristig die Kunden denken. Vielleicht hat das Unternehmen aber auch aus den heftigen Reaktionen auf seine ersten Ankündigungen zum Umgang mit der EU-Verordnung gelernt und wird jetzt ein großer Freund und Förderer der Netzneutralität.

Nachtrag vom 31.3.: Der Schritt der Telekom hin zu mehr Netzneutralität ist natürlich nur ein halber, wie einige Leser richtig bemerkt haben. Denn am Zero-Rating-Modell, bei dem der Spotify-Traffic im Gegensatz zum Traffic anderer Dienste nicht das Inklusivvolumen belastet, hält die Telekom fest.