Hillary Clinton im Wahlkampf © Carlos Barria / Reuters

Der Suchmaschinenkonzern Google hat der US-Regierung offenbar beim Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad helfen wollen. Das geht aus einer E-Mail der früheren US-Außenministerin Hillary Clinton vom 25. Juli 2012 hervor, die von WikiLeaks veröffentlicht wurde. Darin kündigte der Chef von Google Ideas (heute Jigsaw), Jared Cohen, ein Tool an, um Überläufer der syrischen Regierung öffentlich tracken und visualisieren zu können.

Damit sollten weitere Menschen animiert werden, sich vom Assad-Regime loszusagen. Zudem sollte die Opposition dadurch an Vertrauen gewinnen. Google wollte das Tool dem arabischen Fernsehsender Al Jazeera zur Verfügung stellen. Dieser sollte die Daten überprüfen und dann in Syrien verbreiten. Das Tool sollte auch darstellen, aus welchen Teilen der Regierung die Überläufer stammten.

Etwas später, im August 2012, hatte Google das Datenvisualisierung-Tool unter den Namen Network Mapper in einem Blogbeitrag offiziell vorgestellt. Darin hieß es: "Das Programm kann genutzt werden, um die Unterstützung für ein Drogenkartell, einen Ausbeuterbetrieb oder ein politisches Regime darzustellen. Al Jazeera entwickelte eine Version des Tools, um speziell über Syrien zu berichten." Der inzwischen abgeschaltete Syria Defector Tracker von Al Jazeera erhielt 2013 einen britischen Medienpreis für die beste technische Innovation.

WikiLeaks veröffentlicht 30.000 E-Mails

Clintons E-Mail wurde veröffentlicht, weil die Präsidentschaftskandidatin sie an ihre Mitarbeiterin mit dem Hinweis weiterleitete, das Google-Konzept auszudrucken. Clinton hatte in ihrer Amtszeit als Außenministerin mehr als 30.000 E-Mails von ihrem privaten Mailkonto verschickt. WikiLeaks hatte das Konvolut in der vergangenen Woche veröffentlicht und durchsuchbar gemacht. Die Mails waren aufgrund von Informationsfreiheitsanfragen herausgegeben worden.

Die Korrespondenz ist ein weiterer Beweis für die engen Verbindungen zwischen Google und der US-Regierung, auf die zuletzt WikiLeaks-Gründer Julian Assange in einem Buch aufmerksam gemacht hatte. In diesem Geflecht nimmt Cohen offenbar eine wichtige Rolle ein. Bevor dieser auf Anregung von Alphabet-Chef Eric Schmidt die Leitung von Jigsaw übernahm, arbeitete er im strategischen Planungsstab des Außenministeriums. Jigsaw ist eine in New York ansässige Denkfabrik Googles, die technische Lösungen für globale Probleme entwickeln soll. 

Absprache zum Film "Innocence of Muslim"

Eine weitere E-Mail zeigt offenbar eine Diskussion auf höchster Ebene zwischen Google und dem US-Außenministerium über den umstrittenen Film Innocence of Muslims, der auf Googles Videoplattform YouTube veröffentlicht worden war und in der muslimischen Welt gewalttätige Proteste ausgelöst hatte. Während das Weiße Haus und Google im September 2012 betont hätten, gegenseitig keinen Einfluss auf eine mögliche Löschung des Films auszuüben, sprächen die Mails eine andere Sprache, berichtete das britische Newsportal The Register. Schließlich enthielten die Mails auch die persönlichen Handynummern von Google-Gründer Larry Page und YouTube-Chef Salar Kamangar. Das Abrufen des Videos war von Google in mehreren muslimischen Ländern blockiert worden.