Die re:publica wird zehn Jahre alt. Aus der kleinen Blogger-Veranstaltung in der Berliner Kalkscheune ist ein durchprofessionalisiertes, von IBM und Microsoft mitfinanziertes Großevent geworden. Vom 2. bis zum 4. Mai werden mehr als 700 Redner auf 17 Bühnen stehen, bis zu 8.000 Besucher werden in der Station Berlin zur rpTEN erwartet.

Einen Schwerpunkt bildet in diesem Jahr das Thema Virtuelle Realität (VR). Besucher dürfen Hardware wie Brillen oder Kameras ausprobieren. Diskutiert wird über Chancen und Anwendungsbereiche für VR – nicht nur im Gaming, sondern auch in der Musik und der Psychotherapie, im Journalismus, in der Kunst und in der Pornografie.

Themen wie Datenschutz und Netzneutralität hingegen wurden schon in den ersten Jahren der Konferenz immer wieder diskutiert. Dass es auch 2016 noch notwendig ist, spricht weniger gegen die re:publica als gegen die technische und regulatorische Entwicklung des Internets.

Hier eine unvollständige, streng subjektive Liste unserer rpTEN-Empfehlungen:

Montag, 13:30 Uhr, Stage 5: Whistleblower Edward Snowden soll live aus seinem Exil in Moskau zugeschaltet werden. Das hatten die re:pulica-Veranstalter eigentlich schon im vergangenen Jahr vor, als Überraschung, doch dann scheiterte ihr Plan an der Technik. Dieses Jahr soll es im Rahmen der parallel zur re:publica laufenden Media Convention Berlin  (MCB) klappen. Inhaltlich wird Snowdens Gespräch mit dem Philosophen Luciano Floridi wohl eher nicht, aber eloquent ist er ja.

Montag, 14 Uhr, Stage 1: Sarah Williams, Direktorin des Civic Data Design Lab am MIT, will anhand von realen Beispielen zeigen, wie Big Data und Datenvisualisierungen die Gesetzgebung positiv beeinflussen können. Für Menschen, die mal was anderes hören wollen als "Big Data ist böse".

Montag, 16 Uhr, Stage 7 (ebenfalls eine MCB-Veranstaltung) und 18:30, Stage 2: Netzneutralität. Ein Abtörner-Thema, wissen wir auch. Aber so wichtig. Zudem gibt es keine besseren Experten als die Stanford-Professorin Barbara van Schewick und Thomas Lohninger.

Montag, 17:15, Stage T (nur für Kinder!) und Dienstag, 20 Uhr, Stage 1: Randall Munroe! Randall wer? Randall XKCD Munroe! Wer jetzt XKCD googeln muss, wird auf der rpTEN möglicherweise eine schwere Zeit haben.

Montag, 20 Uhr, Stage 1 (natürlich): Sascha Lobo, eigentlich re:publica-Inventar, hat im vergangenen Jahr eine Auszeit eingelegt, was einigen Medien eine Schlagzeile wert war. Gut, dass er wieder da ist.

Dienstag, 12:30 Uhr, Stage 1: Aric Toler von Bellingcat, dem Recherchebüro, das mit Google Earth, Crowdsourcing und einigen anderen Werkzeugen derzeit vor allem den Ukraine-Konflikt untersucht.

Dienstag, 15:30 Uhr, Lightning Talks: In den drei Tagen der rpTEN soll ein Kinderbuch entstehen und jeder kann mitschreiben. Es soll um Transgender gehen, um Homosexualität, um Inklusion und andere Themen, die in Kinderbüchern nicht alltäglich sind.

Dienstag, 16:15, Stage 1: Thomas Fischer, Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe und ZEIT-ONLINE-Kolumnist, spricht über Strafrecht, Wahrheit und Kommunikation. Es wird sicherlich wortgewaltig.

Mittwoch, 15 Uhr, Stage 1: Eleanor Saitta spricht über … nun ja, es ist kompliziert. Aber eigentlich auch egal, denn Saitta ist eine superschlaue Frau. Lohnt sich bestimmt.

Mittwoch, 16:15 Uhr, Stage 2: Terror ernst nehmen, Terroristen auslachen – die vier Vortragenden stellen Projekt und Menschen vor, die sich dem sogenannten Islamischen Staat mit Humor und Satire entgegenstellen, wie zum Beispiel auf dem großartigen Twitter-Account @isis_karaoke

Zum Abschluss wird es wieder das legendäre re:publica-Karaoke-Singen geben. Ob erneut Queens Bohemian Rhapsody durch die große Hall schallen wird, oder Space Oddity zu Ehren von David Bowie oder einfach Under Pressure von Queen und Bowie, ist noch geheim. Hauptsache, es wird nicht Purple Rain.

(mit Material von dpa)