Wäre es nicht praktisch, morgens im Badezimmerspiegel neben dem eigenen Gesicht als Erstes die Wettervorhersage und die Stauprognose zu sehen? Sofort zu wissen, was man anziehen und wie viel Zeit man einplanen sollte? Oder noch besser: Der Spiegel verständigt sich mit der Heizungsanlage, sodass der Frühaufsteher die Temperatur im Bad per Sprachbefehl auf angenehme 23 Grad stellen kann, bevor in einer halben Stunde Frau und Tochter ins Bad kommen. Zukunftsmusik ist das alles nicht mehr.

Mehr Komfort und weniger Energieverbrauch verspricht zum Beispiel die Firma tado°. 2012 stellte sie das gleichnamige Thermostat vor. Es erkennt, ob jemand zu Hause ist oder nicht, und passt dementsprechend die Wärmeversorgung in den einzelnen Räumen an. Seit Kurzem lassen sich mit zusätzlichen Thermostaten verschiedene Zonen einer Fußbodenheizung ansteuern, und ab Herbst mit den Heizkörperthermostaten auch einzelne Heizkörper unabhängig voneinander. Das System beachtet auch die Wettervorhersage, um die Heizung vorausschauend zu regeln.

Derzeit arbeitet das Unternehmen auch an der Sprachsteuerung mittels Siri, Google und Cortana. Täte sich tado° mit findigen Entwicklern wie Max Braun oder Hannah Mitt zusammen, würde das eingangs skizzierte Bad-Szenario in greifbare Nähe rücken – womit wir gleich beim wichtigsten Bestandteil der Smart-Home-Produkte angelangt sind: den Schnittstellen. Ein Großteil der Kunden erwartet, dass Geräte diverser Hersteller miteinander "sprechen". Die Hersteller sehen sich daher gezwungen, ihre Systeme so offen wie möglich zu halten. Das bedeutet zugleich, dass IT-Firmen kooperieren müssen. Ein Beispiel ist die Plattform Qivicon, die 2013 von der Deutschen Telekom initiiert wurde und mittlerweile von mehr als 40 Partnerunternehmen unterstützt wird, unter anderem von Logitech, Miele, Osram, Philips und Samsung.

Eine andere Schnittstelle, die von vielen internationalen Herstellern unterstützt wird, heißt Z-Wave. Dieser Funkstandard, auf den inzwischen mehr als 350 Anbieter weltweit setzen, stellt sicher, dass Geräte diverser Hersteller in einem gemeinsamen Netzwerk miteinander kommunizieren können. So sind verschiedene Anwendungsszenarien möglich. Für das Z-Wave-Protokoll hat sich etwa die devolo AG entschieden. Vor einem Jahr hat das Unternehmen das Baukastensystem Home Control auf den Markt gebracht. In Zukunft sollen auch Philips Hue, Netatmo, Sonos und eventuell sogar Alphabets Nest mit dem System kompatibel sein.

Die Basis von Home Control ist das Starterpaket. Es besteht im Kern aus einem zentralen Adapter, den man im Handumdrehen installiert hat. Hierzu steckt man das Gerät einfach in die Steckdose und verbindet es via LAN-Kabel mit dem Internetrouter. Dann gilt es, sich innerhalb der Weboberfläche my devolo ein Benutzerkonto anzulegen. Die weiteren Geräte, ein Tür- und Fensterkontakt sowie eine Schalt- und Messsteckdose, fügt der Nutzer über my devolo hinzu, entweder über den PC oder per App. Mit dem Tür- und Fensterkontakt kann der Nutzer zum einen den Stromverbrauch messen, zum anderen das Gerät so einstellen, dass eine Anwesenheit simuliert wird, dass also zu festgelegten Zeiten das Fernsehgerät läuft.

Die devolo-Oberfläche ist simpel gehalten. © Devolo

Als Schutz vor Einbrechern eignet sich Home Control ohnehin am besten. In Kürze erscheint zu diesem Einsatzzweck eine Sirene. Bricht jemand ein, schickt das System umgehend eine Nachricht an den Besitzer. Dieser muss zuvor Regeln anlegen, also definieren, welche Aktionen welche Reaktionen auslösen sollen. Im Test funktionierte alles kinderleicht, zumal die Oberfläche der Software sehr übersichtlich gehalten ist.

So einfach das devolo-Produkt ist, so komplex ist die schlicht Smart Home genannte Lösung des Konkurrenten Loxone. Sie verlangt vom Nutzer weitaus mehr technisches Verständnis. Im Test wurde der Miniserver, das Herzstück des Systems, zwar auf Anhieb im Netzwerk erkannt, der Zugriff über das Konfigurationsprogramm war jedoch nicht möglich. Also musste eine alternative Lösung her und das Gerät zunächst mit einer IP-Adresse versehen werden. Was der Nutzer daraufhin auf dem PC-Bildschirm erblickt, ähnelt einem alten Windows-System. Kurzum: Die Software wirkt alles andere als zeitgemäß.

Tüftler dürfte und sollte diese Einschätzung aber keineswegs davon abhalten, sich genauer über das System zu informieren. Es hat nämlich zwei große Vorteile: Erstens lassen sich zahlreiche Geräte anderer Anbieter anbinden, zweitens liegen die persönlichen Daten auf der SD-Karte im Miniserver. Ein Abgleich mit Daten in der Cloud, wie es etwa bei Home Control der Fall ist, findet nicht statt – ein großer Pluspunkt in Sachen Datensicherheit.