Die Liste der Menschen, die angeblich hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto stecken, ist lang. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Versuche, den bislang unbekannten Erfinder der Kryptowährung Bitcoin zu enttarnen. Doch nie konnte seine Identität bestätigt werden. Jetzt ist der mutmaßlich echte Satoshi von sich aus an die Öffentlichkeit getreten: Der 45-jährige australische Unternehmer Craig Wright sagte der BBC, GQ und dem Economist, dass er der Erfinder von Bitcoin sei.

Hinweise darauf gab es bereits im Dezember, als Journalisten von Wired und Gizmodo unabhängig voneinander Recherchen veröffentlichten, die auf Craig Wright hindeuteten. Allerdings galten die mutmaßlichen Beweise vielen Experten als nicht stichhaltig genug. Sie bestanden vor allem aus alten E-Mails, kryptischen Blogbeiträgen und Memos und Verträgen zwischen Wrights Geschäftspartnern und seinen Anwälten.

Zumindest der Economist schreibt, dass es wohl immer unmöglich bleiben werde, die Identität von Satoshi Nakamoto "ohne begründete Zweifel" zu enttarnen. Allerdings gebe es Hinweise, die tatsächlich für Craig Wright sprechen. Der Bitcoin-Entwickler Gavin Andresen schreibt in einem Blogbeitrag, dass er vor einigen Wochen Wright in London getroffen habe. Während des Treffens hätte er erkannt, das er der Satoshi sei, mit dem er in den Jahren 2010 und 2011 kommuniziert hatte.

Hinweise verstecken sich in den ersten Bitcoins

Gegenüber den Journalisten hat Wright seine Identität offenbar mit einem kryptografischen Schlüssel bestätigt, mit denen ein Teil der allerersten Bitcoins erschaffen wurde. Stark vereinfacht gesagt hat jeder Bitcoin eine bestimmte Adresse auf der sogenannten Blockchain. Jeder Bitcoin und jeder Block sind mit einem privaten Schlüssel verknüpft, den nur die Besitzer kennen. Wie der Economist schreibt, habe Wright ihnen demonstriert, dass er unter anderem die Schlüssel zu den im Jahr 2009 erstellten Block 9 besitzt. Von diesem Block überwies Satoshi Nakamoto einst Bitcoins an den Entwickler Hal Finney, was dieser vor seinem Tod bestätigte. Wright selbst schreibt in einem Blogbeitrag, wie er den Schlüssel verifiziert hat.

Das zumindest wäre ein Hinweise, wenn auch kein Hundertprozentiger, heißt es. So würde sich Wright weigern, einen ähnlichen Beweis für Block 1 öffentlich zu machen. Es könne also sein, dass er den mutmaßlichen Beweis nicht selbst erbracht hat, sondern ihn aus dritter Hand bekommen hat. Auf Reddit weisen bereits einige daraufhin, dass die Signatur in Wrights Blogbeitrag doch nicht der erwünschte Beweis sei und möglicherweise auf einen Schwindel hindeutet. Wright sagt, er könne keine der von Satoshi erstellten Bitcoins mehr überweisen, weil sie angeblich inzwischen im Besitz eines Treuhandfonds seien. Schätzungen zufolge gehören Satoshi Bitcoins im Wert von rund 400 Millionen Euro.

Und wieso tritt Wright überhaupt jetzt plötzlich an die Öffentlichkeit? Mit der Veröffentlichung will Wright die Spekulationen beenden und gleichzeitig seine Familie und Geschäftspartner schützen, sagt er: "Ich will arbeiten, ich will weiter tun, was ich tue. Ich will kein Geld. Ich will keine Berühmtheit. Ich will keine Bewunderung. Ich will nur alleine gelassen werden". Dass er mit seinem Outing genau das Gegenteil erreicht, scheint ihn nicht zu stören. Zudem arbeitet Wright offenbar schon seit Monaten mit einem Autoren zusammen, der seine Geschichte in Form einer Biografie aufschreibt. Ganz so spontan kommt das Outing also womöglich doch nicht.

Es bleiben viele Fragen offen

Nach den Artikeln in Wired und Gizmodo im Dezember versuchten zahlreiche Bitcoin-Insider und Journalisten, die Geschichte zu bestätigen. Je mehr sie recherchierten, desto mehr Lücken tauchten auf. So warf etwa Wrights Werdegang einige Fragen auf: Er habe nach eigenen Angaben gleich mehrere Hochschulabschlüsse und sei zudem an einer Firma beteiligt, die gemeinsam mit dem US-Unternehmen SGI an einem Supercomputer arbeitet. Doch SGI dementierte jeglichen Kontakt. Einige von Wrights mutmaßlichen Abschlüssen und Lehraufträgen an Universitäten konnten ebenfalls nicht bestätigt werden.

Auch Wrights Expertise bezüglich der Entwicklung von Bitcoin stand in der Kritik. Zwar hat Wright in den vergangenen Jahren zahlreiche Paper veröffentlicht und auf Konferenzen über Bitcoin gesprochen. Als absoluter Experte galt er vielen in der Szene allerdings nicht. Sprachwissenschaftliche Analysen zwischen dem Ursprungs-Paper von Bitcoin und Wrights späteren Arbeiten zeigten keine Gemeinsamkeiten. Wright erklärt heute, das ursprüngliche Paper sei in enger Zusammenarbeit mit seinem Freund und Geschäftspartner Dave Kleiman entstanden. Kleiman starb 2013, kann das also nicht bestätigen.