Wegen Betrugsverdachts beim Datingdienst Lovoo hat die Polizei am Mittwoch zahlreiche Firmenräume und Privatwohnungen in Dresden, Berlin und Nürnberg durchsucht. Zwei Verdächtige wurden verhaftet, wie die Staatsanwaltschaft Dresden und das sächsische Landeskriminalamt mitteilten. Das Unternehmen soll mit sogenannten Fake-Profilen kontaktwillige Nutzer in die Kostenfalle gelockt haben – vor allem Männer. Den drei Geschäftsführern und neun weiteren Lovoo-Mitarbeitern wird gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen.

Bei den Verhafteten handelt es sich um die beiden geschäftsführenden Firmengründer. Ein dritter Haftbefehl liege vor, sei aber noch nicht vollstreckt worden, sagte Oberstaatsanwalt Lorenz Haase.

Allein in Dresden durchsuchten Ermittler 13 Objekte. Beamte in Zivil trugen am Hauptsitz des Onlineunternehmens in einer großen Dresdner Einkaufsstraße Kartons aus den Büros. Vor dem Gebäude standen Einsatzwagen. Zwei weitere Durchsuchungen gab es in Berlin, eine in Nürnberg. Zahlreiche Unterlagen sowie Computer, Datenspeicher und Mobilfunktechnik seien sichergestellt worden, hieß es. Rund 200 Beamte waren im Einsatz.

Immer wieder der gleiche Verdacht bei Datingplattformen

Ziel sei nicht die Abschaltung des Onlineportals, "sondern die Verhinderung krimineller Handlungen zu Lasten der Nutzer", so die Staatsanwaltschaft.

Lovoo bietet seinen Nutzern über eine App die Möglichkeit, interessen- und standortbezogen andere Leute kennenzulernen. Die Dienste sind nur teilweise kostenpflichtig. Laut Staatsanwaltschaft wurden Nutzer durch die gezielte Anlage falscher Profile dazu verleitet, kostenpflichtige Leistungen zu buchen.

Die Betrugsvorwürfe waren im September vergangenen Jahres bekannt geworden. Die Fachzeitschrift c't hatte berichtet, dass ihr zugespielte Daten auf eine groß angelegte Fälschung weiblicher Nutzerprofile bei Lovoo schließen lasse. 

Datingplattformen geraten immer wieder in Verdacht, ihre meist männlichen Kunden mit gefälschten Profilen abzocken zu wollen. Im vergangenen Jahr etwa hatte eine Analyse des massiv gehackten US-Angebots Ashley Madison ergeben, dass die Mehrzahl der weiblichen Profile gefälscht war.