Mit einem kurzen Tweet hat Kabir Alli aus Virginia am Dienstag eine Welle der Empörung ausgelöst. Er beinhaltet ein kurzes Video, in dem Alli erst "three black teenagers" in die Google-Bildersuche eingibt, und danach "three white teenagers". Das erste Suchergebnis besteht überwiegend aus sogenannten mugshots, also Polizeifotos von Festgenommenen. Das zweite zeigt fast ausschließlich Stockfotos von glücklich lächelnden Weißen. Mehr als 60.000 Menschen haben das Video seither per Retweet verbreitet.

Die Frage, die sich viele von ihnen stellten, lautet: Ist Google rassistisch?

Die kurze Antwort: Nein.

Die lange Antwort beginnt mit dem britischen Vlogger Antoine Speaks, der sich regelmäßig mit dem Thema Rassismus beschäftigt. Am 31. März veröffentlichte Speaks ein Video, in dem er jenes Experiment durchführt, das Alli nun wiederholt hat. Die Idee stammt allerdings auch nicht von Speaks. Er war irgendwann im Netz darauf gestoßen und suchte eine Erklärung für die Diskrepanz in den Suchergebnissen. Das ist der Unterschied zwischen ihm und Alli.

Speaks tippt "three white teenagers" und "three black teenagers" zunächst in die Google-Textsuche ein. In beiden Fällen bekommt er überwiegend Links auf Nachrichten über Straftaten und Gerichtsprozesse. Die entsprechende Bildersuche hingegen ergibt das Ergebnis, das Alli jetzt reproduziert hat: Von weißen Jugendlichen findet Speaks überwiegend Stockfotos, von schwarzen Jugendlichen vor allem mugshots.

Seiner Meinung nach liegt das an Angebot und Nachfrage: In westlichen Ländern wie den USA und Großbritannien sei der Bevölkerungsanteil von Weißen sehr viel höher als der von Schwarzen. Dementsprechend gebe es eine höhere Nachfrage nach Stockfotos von Weißen, zum Beispiel für Werbung, und ein größeres Angebot von entsprechend verschlagworteten Motiven. Die mugshots wiederum seien von Nachrichten-Websites mit den Schlagworten three black teenagers versehen worden. Google habe damit nichts zu tun, die Suchmaschine zeige nur, was sie auf Nachrichten- und anderen Websites findet. (Weshalb das Ergebnis nun, zwei Tage später, schon etwas anders aussieht – die Medienberichte über Allis Tweet haben es beeinflusst.)

Eine Gegenprobe macht Speaks auch. Die Suchergebnisse für "three white friends" zeigen lächelnde Menschen, Schnappschüsse und Stockfotos – die für "three black friends" auch. Hier fällt der Nachrichtenfaktor heraus, weil Nachrichtenbilder selten mit den Schlagworten "drei Freunde" versehen werden.

Erinnerung an Googles Gorilla-Gate

Mit den Schlagworten argumentiert auch Google selbst. Im April war jemandem aufgefallen, dass eine Google-Suche nach "unprofessional hairstyles for work" vornehmlich auf Bilder von Schwarzen führte, eine Suche nach "professional hairstyles for work" fast nur auf Fotos von blonden weißen Frauen.

Das Unternehmen teilte daraufhin mit, Suchmaschinen würden nur reflektieren, was im Internet zu finden sei. Der vermeintliche Rassismus stecke in den Schlagworten zu den Bildern. Auf die hat ein Suchmaschinenbetreiber aber natürlich keinen Einfluss. 

Die jetzige Empörung über die Teenager-Motive ist also ein bekannter Reflex. Befeuert wurde er möglicherweise von einem Vorfall aus dem Juni 2015, an dem Google tatsächlich schuld war. Damals hatte die automatische Bilderkennung in Google Fotos das Schlagwort "Gorilla" für mehrere Porträts einer schwarzen Frau vorgeschlagen.

Google hatte seine selbstlernende Software einfach schlecht trainiert, wie einer der Ingenieure einräumte. Der Vorfall sei aber besonders peinlich, weil er den Algorithmus als rassistisch erscheinen lasse. Hätte der stattdessen ein Baby mit einem Seehund verwechselt oder einen Weißen mit einem Lemuren, hätte sich niemand großartig darüber aufgeregt.

Das Fazit auch der langen Antwort: Nein, Google ist nicht rassistisch. Der Ansicht ist übrigens auch Kabir Alli, wie er auf Twitter klarzustellen versuchte. Retweets nach 14 Stunden: 1.