"Geh sterben. Deinstallier das Spiel. Du Schwuchtel." Wer einmal so richtig beleidigt werden möchte, sollte Onlinegames spielen. Egal ob es sich nun um Counter-Strike, Dota oder League of Legends handelt, häufig dauert es nur wenige Minuten, bis ein Mitspieler im Chat ausfällig wird, mit Schimpfwörtern um sich wirft oder mutwillig den Spielverlauf sabotiert. Diese in der Szene toxic genannten Spieler sind allgegenwärtig – und sie sind ein Problem, für Spieler wie für Anbieter.

Die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers schätzen in einer Studie, dass alleine in den USA der Markt mit Onlinegames bis zum Jahr 2019 um 7,6 Prozent wachsen wird, nicht zuletzt dank sogenannter Free-to-Play-Titel: Diese Games sind prinzipiell kostenlos, ihre Anbieter verdienen anstelle des Verkaufspreises mit Mikrotransaktionen innerhalb des Spiels. Für kleine Geldbeträge können die Spieler etwa neue Spielfiguren freischalten oder deren Aussehen verändern. Mit diesem Prinzip hat es League of Legends (LoL) zum beliebtesten Spiel der Welt geschafft: Fast 70 Millionen Spieler loggen sich regelmäßig ein.

Geht es nach dem LoL-Entwickler Riot Games aus Los Angeles, soll diese Zahl weiter wachsen. Deshalb versucht das Unternehmen vermehrt ältere, gerne auch mehr weibliche Spieler zu begeistern. Das bedeutet, auch das Spielerlebnis zu verbessern. Denn wer gerade als Anfänger ständig angefeindet wird, lässt es möglicherweise schnell wieder sein. Oder anders gesagt: Trolle und Hatespeech sind schlecht fürs Geschäft.

Riot Games will Gamer reformieren

Schon länger versuchen die Verantwortlichen von Riot Games deshalb, die Community in League of Legends mit einer Mischung aus Psychologie, Big Data und Moderation zu zähmen. Die Erkenntnisse sollen nicht bloß den Entwicklern anderer Games helfen, sondern inmitten der Diskussion um Hass in sozialen Netzwerken zudem mittelfristig für ein freundlicheres Miteinander im Netz sorgen und die eigene Unternehmenskultur verbessern.

Mit dafür verantwortlich war der Neurowissenschaftler Jeffrey Lin. Er war bis vergangenen Monat Lead Game Designer of Social Systems bei Riot Games und für die Reformation der Community in League of Legends verantwortlich. Lin ist kein Fan davon, toxic players rigoros aus dem Spiel zu verbannen, auch wenn Riot Games das in Fällen wie dem des notorischen Trolls Tyler1 vor Kurzem wieder tat. "Nur ein Prozent der Spieler sind tatsächlich Trolle und sie sind nur für etwa fünf Prozent der Beleidigungen verantwortlich", sagte Lin im vergangenen Jahr. Der Großteil komme von gewöhnlichen Spielern, die einfach einen schlechten Tag haben oder gereizt wurden.

Seit Jahren analysieren die Verantwortlichen von Riot Games das Verhalten der LoL-Community. 2012 führten sie ein System ein, mit dem Spieler andere loben konnten. Damit sollte positives Verhalten verstärkt werden – ein klassischer psychologischer Trick, der längst in vielen Onlinegames angewandt wird. Zusätzlich experimentierten sie mit Priming-Effekten. Einzelne Spieler bekamen während des Spiels Hinweise angezeigt, zum Beispiel: "Mitspieler spielen schlechter, wenn man sie nach einem Fehler anfeindet."

M wie Moba

M wie Moba

...vom Mod zum Mainstream

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Games-Glossar

Moba, das

steht als Abkürzung für "Multiplayer Online Battle Arena", ein Genre aus dem Bereich der Echtzeit-Strategiespiele, bei dem sich zwei gegnerische Teams aus mehreren Spielern auf einer Map (der "Arena") gegenüberstehen.

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Alle Mobas teilen sich zentrale Spielmechaniken. So unterschiedlich die einzelnen Spiele im Detail sein mögen, die Grundprinzipien sind stets ähnlich und unterscheiden sich von klassischen Echtzeit-Strategiespielen.

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Entwickler: Riot Games. Erschienen: 2009. Aktive Spieler: circa 70 Millionen pro Monat

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Ein Tribunal mit Big Data

"Die Ergebnisse des Experiments waren episch", sagte Lin im Gespräch mit dem Magazin Nature. Rund acht Prozent der Spieler, die den Hinweis sahen, hätten anschließend weniger beleidigt im Vergleich zur Kontrollgruppe. Insgesamt habe man 216 verschiedene Kombinationen getestet und dabei viel darüber gelernt, wie sich Spieler in ihrem Verhalten mit kleinen Dingen beeinflussen lassen.

Der bislang größte Versuch, die Spielerschaft von League of Legends zu reformieren aber war das sogenannte Tribunal: Statt mehrfach negativ auffallende und gemeldete Spieler sofort zu verbannen, wurde deren Verhalten in Form öffentlicher Chatnachrichten von anderen Spielern zunächst untersucht und bewertet. Das zeigte den Entwicklern, welche Form von Beleidigungen unter Spielern verpönt sind und welche möglicherweise einfach dazugehören. Die betroffenen Spieler bekamen die Einschätzungen in Form von Reformkarten mitgeteilt und hatten somit noch einmal die Chance, ihr Verhalten zu bessern.