Schwarzer Eisbären-Wein. Handelt es sich dabei etwa um ein neues angesagtes Getränk? Gibt es überhaupt schwarze Eisbären? Und falls ja, wie kann man aus ihnen Wein machen? Oder sollte es vielleicht doch eher Eisbeeren heißen – vielleicht sind ja schwarze Johannisbeeren auf Eis mit einem Schuss Wein gemeint.

Nicht ganz. Schwarzer.Eisbären.Wein ist eine Adresse, nämlich die der ZEIT ONLINE-Redaktion in Berlin. Auf der anderen Straßenseite sitzt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Deren Adresse: Belebung.Liest.Vergabe. Und nebenan, bei Holen.Frage.Beil, gibt es Kunst im Martin-Gropius-Bau.

Drei Wörter machen eine Adresse. Was skurril klingt, soll den Menschen in der Mongolei bald ihren Alltag erleichtern. Ab dem 1. August führt die mongolische Post das Drei-Wörter-System ein und hofft damit, die Bevölkerung besser erreichen zu können. Die Mongolei zählt nämlich nicht nur zu den am dünnsten besiedelten Orten der Welt, auch Adressen sind ein Problem. Selbst in der Hauptstadt Ulaanbaatar haben nicht alle Straßen einen Namen. In den ländlichen Gegenden leben die nomadischen Völker gänzlich ohne festen Wohnsitz. Sie zu erreichen, ist für die Post eine logistische Herausforderung, teilweise fast unmöglich.


Mit dem neuen System sollen die Menschen in der Lage sein, Briefträgern, Behörden und Paketdiensten ihren aktuellen Wohnort mitzuteilen, egal ob sie nun in der Stadt in einem Haus oder in der Steppe in einem Zelt leben. Das macht sie für die offizielle Post zugänglicher, aber auch für andere Dienstleistungen. Der mongolische Onlinehändler MMarket etwa versendet auf Wunsch bereits Waren an die Drei-Wörter-Adressen. 

Die Welt in 57 Billionen Quadraten

Möglich macht das die Technik des britischen Start-ups What3words. Das im Sommer 2013 gegründete Unternehmen hat eine neue Form der sogenannten Geocodierung erfunden. Dafür hat es die gesamte Welt in 57 Billionen Quadrate eingeteilt, die jeweils neun Quadratmeter groß sind. Jedes dieser Quadrate hat eine einzigartige Kombination aus drei Wörtern. Schimpfwörter wurden von den Entwicklern herausgefiltert, lange und schwierige Wörter tauchen vor allem im Ozean oder in der Wüste auf, kürzere in Städten – damit sie leichter zu merken sind. 

Jeder Sektor ist neun Quadratmeter groß. © What3words

Auf der Website von What3words lassen sich die einzelnen Sektoren erkunden. Entweder indem man die traditionelle Adresse eingibt oder die Karte auf eigene Faust erkundet. Das Ganze gibt es auch als App für Android und iOS, hier lässt sich mithilfe eines Kompasses auch zu einer bestimmten Adresse in der Nähe navigieren oder der eigene Standort über Dienste wie WhatsApp mit anderen teilen. Bislang ist nur die Version in englischer Sprache offiziell, die anderen Sprachen, darunter auch Deutsch, befinden sich noch in der Betaphase und die Wörter für einzelne Adressen können sich noch ändern.

Einfacher zu merken als GPS-Koordinaten

"Wir machen die Weltkarte ein bisschen freundlicher für Menschen", sagt Chris Sheldrick, Gründer und CEO von What3words. GPS-Koordinaten, die Grundlage praktisch aller Kartendienste, bestehen aus jeweils 16 Zahlen und lassen sich nur schwer einprägen. Eine Adresse wie Schwarzer.Eisbären.Wein aber ist leicht zu merken und dabei noch viel genauer als traditionelle Anschriften: Mit What3words ist es etwa möglich, genau den Hauseingang oder den Ort des Briefkastens anzugeben, während die Kombination aus Straße und Hausnummer gerade in Städten nicht sofort zum gewünschten Ziel führt. What3words verwandelt also komplexe GPS-Koordinaten in einprägsame Adressen.

Die an sich simple Idee kam Sheldrick in seinem früheren Job im Eventmanagement. Weil er immer wieder teures Equipment an verschiedene Orte schicken musste und dabei öfters etwas verloren ging oder nicht rechtzeitig ankam, suchte er mit einem befreundeten Mathematiker nach einer einfachen System. 2013 gründete er What3words, sammelte Risikokapital ein, baute mit einem Team den Algorithmus aus und sucht seitdem nach Partnern.