"Letztendlich heiraten die von Cher und Dionne verkuppelten Lehrer, Tai hat Travis als Freund, Dionne und Murray sind weiterhin glücklich und Cher und Josh ein Paar." So endet die Wikipedia-Inhaltsangabe von Clueless, und damit ist eigentlich auch alles zur Bedeutung der Teeniekomödie aus dem Jahr 1995 gesagt. Okay, Alicia Silverstone wurde mit dem Film berühmt, das sollte man natürlich wissen. Mehr aber auch nicht. Wenn da nicht dieser urheberrechtsverachtende Filesharer wäre, der Clueless gerade zu neuer Aufmerksamkeit verholfen hat, zumindest kurzfristig.

Der Unbekannte hat den Hollywoodfilm nämlich in einem komplett anderen 360-Grad-Video versteckt und auf YouTube hochgeladen. Offenbar als eine Art Testballon oder proof of concept. Die Idee dahinter: Der innerhalb eines 360-Grad-Videos nur an einer bestimmten Position sichtbare Film ist von YouTube beziehungsweise seinem Kontrollsystem Content ID schwer zu entdecken und zu löschen. Der Trick mit dem Rundumvideo sollte wahrscheinlich zeigen, wie ahnungslos – clueless eben – Filmindustrie und Internetunternehmen sind, wenn es um kreative Filesharingmethoden geht.

Der Haken daran: Es funktioniert nicht. Jedenfalls nicht, wenn es so gemacht wird wie im Fall Clueless. Das 360-Grad-Video begann, als es noch auf YouTube zu sehen war, mit der ersten Einstellung des Teeniefilms von 1995 und war unmissverständlich mit Clueless 1995 Movie 720p bezeichnet. Nur wer sich nach den ersten Sekunden mit dem Cursor durch das Video bewegte, konnte sehen, dass es eigentlich in ein größeres Video eingebettet war. Dieses größere Video war – warum auch immer – ein 360-Grad-Musikvideo der südkoreanischen Popgruppe Bambino.

Wie einfallsreich Filesharer sind, zeigte sich zuletzt in Angola

Es dauerte nur wenige Stunden, dann hatte YouTube das gesamte Werk entfernt – vielleicht auch, weil The Verge und andere es entdeckt und darüber berichtet hatten.

Trotzdem könnte Clueless Nachahmer auf den Plan rufen, die etwas raffinierter vorgehen. Denn dass neue Webtechnologien in der Regel als Erstes von der Pornoindustrie und von Filesharern angewendet werden, ist quasi ein Naturgesetz im Internet.

Ein faszinierendes Beispiel lieferten vor einigen Monaten Internetnutzer aus Angola, wie Motherboard berichtete: Weil der Zugang zum Netz dort für viele unerschwinglich ist, hat die Wikimedia Foundation mit dem Provider Unitel vereinbart, in Angola das Angebot Wikipedia Zero zu starten. Unitel-Kunden können damit kostenlos die verschiedenen Wikimedia-Seiten nutzen und auch editieren, von der Wikipedia bis zur Bilder- und Videodatenbank Wikimedia Commons. Die Filesharer nutzten den kostenlosen Zugang, um ganze Filme in Wikipedia-Artikeln und der Commons-Sammlung zu verstecken, oft getarnt als Bild- oder PDF-Dateien. Anschließend verbreiteten sie die entsprechenden Links in geschlossenen Facebook-Gruppen. Denn auch Facebook hat in Angola ein Kostenlos-Angebot eingerichtet, es heißt Free Basics.

YouTube auszutricksen, ist nicht einfach

Um hingegen ein Video wirksam in einem 360-Grad-Video auf YouTube zu verstecken, müsste ein Filesharer die Feinheiten von Content ID kennen und umgehen. Das System, mit dem YouTube automatisch jedes hochgeladene Video auf urheberrechtlich geschütztes Material überprüft, gleicht zum Beispiel die Tonspur mit einer Datenbank ab. Ein beliebtes Gegenmittel ist es, Bild und Ton leicht zu beschleunigen oder zu verzerren, aber das hat schon vor Jahren nicht immer gereicht, um das System zu überlisten. Auch im Fall von Clueless hatte der Uploader zu diesem Trick gegriffen.

Fraglich ist auch, ob es reichen würde, einen Film ausschließlich in jenem Bereich des 360-Grad-Videos zu zeigen, der für den Betrachter erst sichtbar wird, wenn er im Video umhernavigiert – sei es mit dem Cursor oder durch Kopfbewegungen, wenn er eine Virtual-Reality-Brille trägt. Denn für Content ID und ähnliche Systeme gibt es keine abgewandte Seite, sie analysieren alles gleichzeitig.

Dennoch ist der erste Versuch ein Hinweis auf das, was noch kommen könnte: Verborgene Hinweise wie zum Beispiel Links auf urheberrechtlich geschütztes Material oder doch ganze Dateien innerhalb von Virtual-Reality- und 360-Grad-Inhalten. Zu finden nur von jenen, die genau wissen, wonach sie suchen. Wer das kreative Versteckspiel gewinnt, ist noch nicht abzusehen, aber unterhaltsam dürfte es zumindest werden.