Der 12. Juli 2016 war für Adobe ein überdurchschnittlich mieser Tag. Damals musste das Unternehmen bekannt geben, dass Flash-Nutzer ihr Plugin schnellstmöglich aktualisieren sollten, um 52 neu entdeckte kritische Sicherheitslücken zu stopfen. In Worten: zweiundfünfzig.

Es gibt in der Welt der Internettechnologie wohl keine zweite Software, die es so sehr verdient hat zu sterben wie Flash, noch vor iTunes und XKeyscore, die Supersuchmaschine der NSA. Und keine, die so oft totgesagt wurde, nur um dann doch weiter auf Millionen von Computern zu existieren. Adobe selbst hat es in zwei Versuchen nicht hinbekommen, seinen Software-Zombie endgültig zur Strecke zu bringen. Jetzt versucht es Google. Offiziell aber nicht aus Sicherheitsgründen, auch wenn das seit Jahren die lauteste Kritik an Adobes Plattform zum Erstellen von Multimediainhalten ist.

Ab September wird der Chrome-Browser die meisten Flashinhalte standardmäßig blockieren. Die entsprechende Ankündigung von Google beginnt wie eine Grabrede: "Der Adobe Flash Player hat bei der Einführung von Videos, Spielen und Animationen im Web eine zentrale Rolle gespielt." Doch heutzutage sorge der alternative, offene Standard HTML5 für mehr Sicherheit, schnellere Ladezeiten und weniger Stromverbrauch. Deshalb werde Chrome in Zukunft weniger wert auf Flash legen.

Wenn Google etwas nicht leiden kann, dann lange Ladezeiten

Schon seit knapp einem Jahr müssen Chrome-Nutzer durch einen Klick bestätigen wenn sie zum Beispiel Flash-Videos auf einer Seite abspielen wollen. Google zufolge würden heute aber "mehr als 90 Prozent der Flashinhalte im Netz im Hintergrund laden, um Dinge wie Nutzungsanalysen zu ermöglichen." Deren automatische Ausführung würde die Nutzer bremsen, also für längere Ladezeiten sorgen. Und wenn Google etwas nicht leiden kann, dann lange Ladezeiten, in denen Nutzer keine Google-Anzeigen zu sehen bekommen. Deshalb werden die Flashinhalte im Hintergrund ab der kommenden Chrome-Version 53 standardmäßig blockiert.

In der Chrome-Version 55, die im Dezember erscheint, wird HTML5 dann der Standard sein. Websites, die HTML5 unterstützen, werden von Chrome auch so ausgeliefert. Einzig auf Websites, die ausschließlich Flash unterstützen, werden Nutzer die Anzeige der entsprechenden Inhalte manuell aktivieren können.

Chrome hat rund 60 Prozent Marktanteil

Chrome ist der Desktopbrowser mit dem weltweit größten Marktanteil. Er liegt, je nach Statistik, zwischen 50 und 60 Prozent, gemessen am Traffic auf den mitzählenden Websites, den die Nutzer erzeugen. Auf den Plätzen folgen mit großem Abstand Microsofts Browser Internet Explorer und Edge sowie Mozillas Firefox, dahinter Apples Safari. Das macht die Initiative von Google so wichtig.

Die Ankündigung des Unternehmens klingt dabei fast exakt so wie jene, die Mozilla und auch Apple vor einigen Wochen veröffentlichten. Und auch Microsofts neuer Browser Edge führt mittlerweile nicht mehr automatisch alle Flashinhalte aus.

Aber auch die Entscheidung von Google ist noch immer nicht der allerletzte Sargnagel für Flash. Den haben die Betreiber von Websites in der Hand, die noch immer auf Adobes Sicherheitslückenfundgrube setzen.