Dafür gibt es den Calliope mini – benannt nach der griechischen Muse der Wissenschaft. Noller hat ihn zusammen mit einem befreundeten Grundschullehrer entwickelt. Herausgekommen ist eine rund sieben Mal acht Zentimeter große Platine mit einem Display aus 25 LED, einem Nordic-Prozessor vom Typ nRF51822 und vier Input-Output-Kontakten zum Basteln, von denen zwei touchsensitiv sind. Der Kleinstcomputer hat zudem einen hochwertigen Lage- und Beschleunigungssensor von Bosch, einen Mikro-USB-Anschluss, und zwei Grove-Anschlüsse für externe Geräte. Das können um Beispiel weitere Sensoren, Lautsprecher und Mikrofon, ein Bluetooth-Modul, sowie zwei Motorentreiber sein. Wer es darauf anlegt, könnte daraus sogar einen selbstfahrenden Roboter bauen. Er ist damit besser ausgestattet als der micro:bit der BBC oder ein artverwandter Arduino. Trotzdem sollen die Produktionskosten der Serienversion nur 10 bis 15 Euro betragen. Was weniger wäre, als viele Schulbücher kosten.

Zusätzlich zur Hardware wird es unter calliope.cc/editor eine Programmierplattform im Netz geben, um Codes ganz einfach im Browser erstellen zu können. Grundschüler bekommen einen visuellen Editor, mit dem sie die Bausteine ihres Programms wie Puzzleteile zusammenstecken und anschließend in eine Datei umwandeln können. Später soll das auch mit einer Smartphone-App gehen. Für ältere Schüler bereitet Calliope weitere Editoren vor, zudem lässt sich der Minirechner auch in Micropython und C++ programmieren.

Die fertige Datei wird dann per USB beziehungsweise Bluetooth auf den Minirechner kopiert, der sie dann ausführen kann – auf Knopfdruck, nach Touch-Input oder durch Schütteln, also über den Bewegungssensor.

Der Calliope mini kann in allen Schulfächern zum Einsatz kommen

Vorinstalliert werden 25 Programme, sodass Lehrer selbst dann damit unterrichten können, wenn kein stationärer Computer im Klassenzimmer steht. "Richtig tolles, elaboriertes Lehrmaterial" stellt Noller in Aussicht, mit dem der Calliope mini auch jenseits des Fachs Sachkunde genutzt werden kann. Zum Beispiel könne man damit Schrittzähler für den Sportunterricht bauen, die Feuchtigkeit einer Pflanze überwachen oder mit einem Farbsensor die Farben in einem Kunstwerk zählen, sagt Noller, "und dabei fast immer ganz nebenbei lernen, wie Programmieren geht".

Hardware, Software und alle begleitende Materialien sind quelloffen und werden unter der cc-by-sa-Lizenz veröffentlicht, darauf legt Noller großen Wert. Sie dürfen also von jedem vervielfältigt, weiterverbreitet, verändert und ergänzt werden.

Spielerischer Zugang zu Computertechnik

Noller will, dass Jungs und Mädchen möglichst früh einsteigen: "Egal, ob man Studien liest, Eltern fragt oder es selbst ausprobiert: Wenn man erst in der sechsten oder siebten Klasse anfängt, irgendwas mit Informatik anzubieten, kommen 90 Prozent Jungs." Außerdem sei es in der Grundschule noch am einfachsten, einen spielerischen Zugang zu Technik zu finden.

Bisher fördert das Bundeswirtschaftsministerium die Calliope Gmbh. Nach dem IT-Gipfel wird sie auf Spenden aus der Wirtschaft angewiesen sein. Das sei aber nicht nachhaltig, sagt Noller. "Wir hoffen, dass die Länder mittelfristig sagen, das ist mindestens so gut wie ein Schulbuch oder ein Zirkel. Oder wie der 80 Euro teure Taschenrechner, den meine Tochter in der siebten Klasse kaufen musste." Sprich: Die Kultusministerien sollen, wenn es nach Noller geht, künftig die Anschaffung der Platinen in ihren Budgets berücksichtigen. 

Vielleicht hilft dabei ja der "DigitalPaktD", den die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka (CDU), am Mittwoch vorstellen will. Ihr Plan sieht vor, in den kommenden fünf Jahren alle Schulen mit WLAN, breitbandigem Internet und Computern auszustatten. Dafür will der Bund fünf Milliarden Euro bereitstellen, wie Wanka der Bild am Sonntag sagte.