Die Bundesregierung will künftig beim Internetausbau verstärkt auf Sicherheit, Verfügbarkeit und die Verringerung der Latenzzeiten setzen. Darauf hat sie sich beim sechsten Treffen der Netzallianz Digitales Deutschland mit Vertretern der Wirtschaft geeinigt. Bisher war das Hauptziel die stetige Beschleunigung der Übertragung gewesen. Das Ziel solle erhalten bleiben, zusätzlich solle aber auch die Qualität der Übertragung im Fokus sein.

Die Bundesregierung strebe eine sogenannte Gigabit-Gesellschaft an."Eine Kombination aus vielfältigen Elementen wird erforderlich sein, um eine Gigabit-Gesellschaft zu gestalten. Netze werden eine eigene Intelligenz haben", sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU).

Mit Gigabit-Gesellschaft ist eine nahtlos vernetzte Gesellschaft gemeint, in der Daten in Echtzeit und mit hoher Bandbreite über intelligente Netze sicher und energieeffizient zur Verfügung stehen. Die Infrastruktur solle flexibel, je nach den Bedürfnissen und Anwendungen der Nutzer zur Verfügung stehen, sagte Dobrindt. Eine "gigabitfähige konvergente Infrastruktur" solle bis Ende 2025 stehen.

Künftig werden zum Beispiel beim autonomen Fahren die Verarbeitungsschritte der Daten im Netz stattfinden. Für Aufgaben wie diese sei Bandbreite wichtig, aber nicht allein ausschlaggebend, sagte Professor Manfred Hauswirth vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (Fokus). Die Ingenieure sollten beim Ausbau auch eine höhere Kommunikationsdichte ermöglichen, geeignete Geräte entwickeln und die Reaktionsgeschwindigkeit im Netz erhöhen.

Neue Diskussionen um Netzneutralität

Die erste Phase des Netzausbaus läuft bis Ende 2018. Sie ist bereits im Koalitionsvertrag von Union und SPD beschlossen. Dabei sollen alle Haushalte mit Internet mit einer Geschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde versorgt werden. "Wir sind hier auf einem exzellenten Weg", sagte Dobrindt. Netzbetreiber hatten in den Jahren 2015 und 2016 jeweils acht Milliarden Euro investiert, der Bund weitere vier Milliarden. In der zweiten Phase soll ein Sonderförderprogramm den Mittelstand stärken und kleine Firmen an schnelles Internet anschließen. Bis Ende 2020 will die Regierung die Voraussetzungen schaffen, um das geplante neue 5G-Mobilfunknetz umzusetzen.

Mit dem Plan der Netzallianz könnte die Debatte über die Netzneutralität wieder aufflammen. Damit ist die Gleichbehandlung von Daten im Netz gemeint. Bislang gilt der Grundsatz, dass in den Netzen kein Service bevorzugt oder diskriminiert werden darf. Es sei jedoch laut Telekom-Chef Timotheus Höttges ineffizient, jeden Netzdienst mit den hohen Anforderungen industrieller Netze zu versehen. "Das heißt nicht, dass die Anwendung schlecht rüberkommt." Jeder Service müsse sich an dem tatsächlichen Bedarf orientieren.

"Wenn wir über industrielle Netze sprechen, werden wir Qualitätsklassen im Netz definieren müssen", sagte Thorsten Dirks, Präsident des Branchenverbandes Bitkom. Die betreffe etwa die Telemedizin oder die Kommunikation autonomer Autos. "Das ist etwas anderes, als wir derzeit im Internet für Konsumenten haben." Deshalb müsse man die Diskussion über Netzneutralität wieder eröffnen.

"Es werden nicht nur neue Anwendungen entstehen, sondern die Qualität der Netze wird sich grundlegend ändern", sagte Dobrindt. Noch rede man über Netze vor allem als Transportmittel. "Die künftigen Netze können selbst Daten verarbeiten – und das nicht irgendwo, sondern möglichst nah an dem Standort, an dem sich die Anwender befinden."