Nein, es gibt immer noch keine eindeutige Antwort auf die Frage, ob Facebook mit der Verbreitung von Falschmeldungen aus dem rechtskonservativen Lager das Ergebnis der US-Wahl wirklich maßgeblich beeinflusst hat. Das haben nach dem Sieg von Donald Trump zahlreiche Experten behauptet. Ihre Annahme: Sogenannte Fake News, wie die Meldung, dass der Papst Donald Trump unterstütze, haben seriöse Nachrichten auf Facebook verdrängt und somit einen Teil der Wählerschaft geblendet.

Facebooks CEO Mark Zuckerberg streitet diesen Einfluss ab. Einige seiner Mitarbeiter sehen dagegen durchaus ein Problem mit Falschmeldungen und begehren auf. Mehr denn je sieht sich das soziale Netzwerk mit der Frage konfrontiert, ob es ein Medienunternehmen sein und wie stark es in die Verbreitung von Inhalten eingreifen möchte. Einige, wie die Autorin und Soziologin Zeynep Tufekci, sehen Facebook diesbezüglich in der Pflicht.

Dass Fake News während des US-Wahlkampfs stark verbreitet und gelesen wurden, ist unbestritten. Bereits im Oktober, zwei Wochen vor der Wahl, fand das US-Portal Buzzfeed heraus, dass parteiische Facebook-Seiten vom rechten Flügel deutlich mehr Falschinhalte verbreiteten als liberale Seiten. In einer neuen Untersuchung zeigt Buzzfeed, dass diese rechtskonservativen Falschmeldungen tatsächlich mehr Interaktionen auf Facebook hervorriefen als Inhalte seriöser Nachrichtenportale, also von den Nutzern entweder gelikt, mit einem Smiley versehen oder kommentiert wurden.

Starker Anstieg von Falschmeldungen vor der Wahl

In den letzten drei Monaten vor der Wahl am 8. November hätten die 20 erfolgreichsten Wahl-Falschmeldungen insgesamt 8.711.000 solcher Interaktionen bekommen. Von den 20 Geschichten waren alle bis auf drei entweder pro-Trump oder anti-Clinton. Ein besonders oft geteilter Artikel behauptete etwa, Clinton hätte Waffen an den IS verkauft. Zum Vergleich kamen die 20 erfolgreichsten Wahlartikel traditioneller Medienhäuser wie der New York Times auf lediglich 7.367.000 Interaktionen.

Ähnliche Verhältnisse zeigen sich am Beispiel der Fake-News-Website Ending the Fed und der Onlineausgabe der Washington Post. Obwohl Ending the Fed erst im März als Domain registriert wurde, haben die vier erfolgreichsten Inhalte auf Facebook rund 180.000 Interaktionen mehr hervorgerufen als die vier erfolgreichsten der Washington Post. Den Anbietern ist es also gelungen, innerhalb weniger Monate mit Falschmeldungen ein großes Publikum in dem sozialen Netzwerk zu erreichen.

Wahlkampf hinterlässt die USA gespalten Zum Finale des US-Präsidentschaftswahlkampfs sprachen Hillary Clinton und Donald Trump einander die Eignung für das Präsidentenamt ab. Viele US-Bürger fühlen sich angesichts der Schlammschlacht der vergangenen Monate unwohl.

Auffällig ist auch, wie sich das Verhältnis über die Monate hinweg verändert hat. So waren im Zeitraum zwischen Februar und April diesen Jahres die Artikel der Mainstreammedien, wie sie Buzzfeed nennt, noch dreimal so erfolgreich auf Facebook als Falschmeldungen. In den Monaten von August bis November sei der Anteil der Fake News allerdings rasant angestiegen und habe kurz vor der Wahl die seriösen, da wahrheitsgemäßen Nachrichten überflügelt.

Facebook hält sich weiter zurück

Buzzfeed schreibt, Interaktionen oder Engagement seien in diesem Fall nicht mit Reichweite gleichzusetzen. Es ist möglich und vielleicht sogar wahrscheinlich, dass ein Artikel der New York Times insgesamt von mehr Menschen gelesen wurde. Auch treffen die Zahlen keine Aussage darüber, ob Facebook-Nutzer, die Fake News gelesen haben, nicht auch zusätzlich noch die Artikel der traditionellen Medien gelesen haben. Ein Sprecher von Facebook sagte auf Rückfrage, die beliebtesten Storys auf Facebook erhielten zwar viele Reaktionen. Im Vergleich zu allen anderen Inhalten auf der Plattform bilden sie aber nur einen Bruchteil von dem, was die Nutzer in ihrem Newsfeed sehen. Anders gesagt: Nur weil eine Falschmeldung 10.000 Likes bekommt bedeutet das nicht, dass Nutzer gleichzeitig nicht hundert seriöse Beiträge mit jeweils 1.000 Likes angezeigt bekommen.

Ein Beweis für den Einfluss falscher Inhalte auf die US-Wahl sind die Erkenntnisse deshalb nicht. Aber sie bestätigen noch einmal, wie erfolgreich solche Inhalte auf Facebook funktionieren und wie schwer es dem Netzwerk offenbar fällt, effektiv dagegen vorzugehen. Als einzige Reaktion hat sich Facebook Anfang der Woche dazu entschieden, Fake-News-Verbreiter von den Werbeeinnahmen auf Facebook auszuschließen. Die Idee: Wenn die Betreiber kein Geld mehr damit verdienen, sinkt ihr Interesse.