Der Bundesnachrichtendiensts (BND) warnt vor russischen Datenangriffen und Desinformationskampagnen im kommenden Bundestagswahlkampf. Der Süddeutschen Zeitung sagte BND-Präsident Bruno Kahl, es gebe Erkenntnisse, dass Cyberangriffe stattfinden, die keinen anderen Sinn haben, als politische Verunsicherung hervorzurufen.

Kahl sprach von gezielten Störkampagnen und bezog sich dabei ausdrücklich auf Russland. "Hier wird eine Art von Druck auf den öffentlichen Diskurs und auf die Demokratie ausgeübt, die nicht hinnehmbar ist", sagte Kahl. "Europa ist im Fokus dieser Störversuche, und Deutschland ganz besonders."

In den USA haben unlängst Hacker unter anderem Daten aus aus der Zentrale der Demokratischen Partei gestohlen. Insgesamt sollen dabei rund 20.000 E-Mails gestohlen worden sein, die schließlich bei WikiLeaks veröffentlicht wurden. Ende August hatten US-Medien außerdem von Hackerangriffen auf Wählerverzeichnisse berichtet. Amerikanische Sicherheitsbehörden verdächtigten Hacker aus Russland hinter den Angriffen.

Experten werfen Russland auch gezielte Desinformation vor. So sollten sogenannte Internettrolle falsche Schlagzeilen zugunsten des Republikaners Donald Trump verbreitet haben. Die US-Offiziellen verwiesen zudem auf die Parlamentswahl in Montenegro vor einigen Wochen, bei der es auch um den Nato-Beitritt des Landes ging. Während der Wahl seien über soziale Netzwerke Gerüchte gestreut worden, nach denen Verstorbene als Wähler registriert seien. Belegen können die Amerikaner diesen Vorwurf jedoch nicht.

Kahl sagte über die Vorfälle in Amerika, es gebe Anhaltspunkte für eine Spur nach Russland. "Die Zurechnung zu einem staatlichen Akteur ist technisch naturgemäß schwierig", sagte er. "Aber es spricht einiges dafür, dass das von staatlicher Seite zumindest geduldet oder gewünscht wird."