Im Fall der umfangreichen Störungen bei Anschlüssen der Deutschen Telekom geht das Unternehmen nach eigenen Angaben inzwischen von einem Angriff von außen aus. "Wir haben erste Hinweise darauf, dass wir möglicherweise Opfer eines Hackerangriffs geworden sind", sagte ein Sprecher am Unternehmenssitz in Bonn. Dies hätten Analysen der IT-Sicherheit und der Forensiker des Unternehmens nahegelegt.

"Wir haben keinen Hinweis darauf, dass Daten von Kunden abgegriffen wurden", sagte die Telekom weiter. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre es der erste erfolgreiche Hackerangriff auf die Telekom in großem Stil.    

BSI: Angriffe auf Regierungsnetz abgewehrt

Das  Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) geht nach eigenen Angaben auch davon aus, dass der Ausfall auf einen weltweiten Angriff auf ausgewählte Fernverwaltungsports von DSL-Routern zurückgehe. Ziel des Angriffs sei gewesen, die Geräte mit Schadsoftware zu infizieren. Die Angriffe seien auch in dem vom BSI geschützten Regierungsnetz registriert worden – aufgrund "funktionierender Schutzmaßnahmen" jedoch folgenlos geblieben. Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum koordiniere derzeit unter Federführung des BSI die Reaktion der Bundesbehörden.

Ein Telekom-Sprecher sagte, offenbar führe Schadsoftware auf den Routern dazu, dass sich die Geräte nicht mehr mit dem Telekom-Netzwerk verbinden könnten. Das Problem betrifft demnach verschiedene Router-Modelle – welche genau, werde weiter analysiert. Router dienen der Einwahl ins Netz der Telekom und ermöglichen damit Telefonie, Internet und auch den Online-Fernsehempfang. Wann das Problem endgültig behoben sein wird, lasse sich nicht voraussagen, räumte der Sprecher ein.  

Der Fehler sei durch ein Softwareupdate "neutralisierbar", das derzeit verteilt werde, teilte das Unternehmen am Montagnachmittag mit. Damit die neue Software aktiviert werde, müssten die Kunden ihren Router für 30 Sekunden vom Strom trennen. Nach dem Wiederanschließen werde das Update automatisch heruntergeladen. Alternativ sei es unter telekom.de/stoerung verfügbar. Auch bei Nutzung dieses Weges sei eine zwischenzeitliche Trennung vom Strom nötig. Das gelte auch für diejenigen, die das bereits am Sonntag ohne Erfolg ausprobiert hätten. "Wir bringen ständig neue Lösungen ins Netz ein", versicherte das Unternehmen.

Mobilkunden bekommen Daten-Flatrate für 24 Stunden

Kunden, die von dem Ausfall betroffen sind und auch einen Mobilfunkvertrag mit der Telekom haben, können sich den Angaben zufolge kostenlos eine 24 Stunden gültige Datenflatrate freischalten lassen, um über Smartphone oder Tablet zu surfen. Der "Day-Flat Pass" könne vom entsprechen Mobilgerät aus über die Seite pass.telekom.de gebucht werden; die angezeigten Kosten würden nicht berechnet. Kunden ohne einen Telekom-Mobilfunkvertrag sollten in einen Telekom-Shop gehen.

Im Netz der Telekom kommt es seit dem Sonntagnachmittag zu "Einschränkungen oder sehr starken Schwankungen". Betroffen waren rund 900.000 der mehr als 20 Millionen Festnetzkunden, inzwischen habe sich die Zahl der betroffenen Kunden auf 400.000 reduziert, teilte die Telekom mit. Lokale Schwerpunkte konnte man demnach nicht ausmachen, die Probleme gebe es im gesamten Bundesgebiet. Nach Daten der Internetseite www.allestörungen.de häuften sich die Kundenbeschwerden vor allem in Berlin, München, Stuttgart und Frankfurt. 

Bereits im Juni war es bei der Telekom zu einem umfangreichen Ausfall des Mobilfunknetzes gekommen. Grund war ein Datenbankfehler, der dazu geführt hatte, dass die SIM-Karten der Handys nicht mehr korrekt in das Netz eingebucht werden konnten. 

Grünen-Politiker: Empfehlungen der Telekom "hilflos"

Sollten sich die aktuellen Störungen tatsächlich als Angriff von außen erweisen, ist das auch ein Fall für die Politik. An diesem Vormittag hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel besorgt über die Zunahme von Cyberattacken auf "sensible Infrastrukturen" geäußert. Auch Fälle von Cyberspionage seien an der Tagesordnung, sagte sie bei einem Festakt zum 60-jährigen Bestehen des Bundesnachrichtendienstes. "Darin liegt ein erhebliches Bedrohungspotenzial, auf das wir flexibel und innovativ reagieren müssen."

Der Grünen-Netzpolitiker Konstantin von Notz warf dem Konzern vor, die Kunden mit dem Router-Problem allein zu lassen. Die Bemühungen des Unternehmens, die Ausfälle zu beheben, erschienen "bislang wenig koordiniert", sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. Auch die Aufforderung, den Router aus- und wieder einzuschalten, wirke "hilflos". Das Unternehmen müsse sich Gedanken machen, "wie die Ausfälle angemessen zu kompensieren sind".